DZ-Bank-Studie Dividenden werden auch 2020 deutlich sinken

Stand: 27.04.2020, 15:04 Uhr

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gehen weltweit nicht spurlos an den Unternehmen vorbei. Nach deutlichen Kursverlusten dämmert nun die zweite bittere Gewissheit für Aktionäre: Die Dividenden werden deutlich sinken.

DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger spricht in seiner aktuellen Studie von einer "bisher nicht zu beobachtenden Welle von Dividendenstreichungen", die derzeit über die Märkte rolle. So haben schon jetzt rund 24 Prozent der europäischen Unternehmen die Dividende vollständig gestrichen. Für 2019 und teilweise auch für das laufende Geschäftsjahr 2020. Auch im Dax und MDax gibt es reihenweise Dividendenstreichungen oder -kürzungen. Für die Dividenden für das laufende Geschäftsjahr bleiben die Aussichten düster: "Ein Rückgang von rund 35 Prozent beim Dax und rund 40 Prozent in Europa erscheint aufgrund der Schwere der Rezession realistisch", schreiben die Analysten.

Unterschiedliche Belastungen

"Die Ursache liegt an den verheerenden Auswirkungen der Coronakrise auf die operative Entwicklung der Unternehmen. Zudem kommen regulatorische Vorschriften, die es den Unternehmen nicht ermöglichen eine Dividende auszuschütten, hinzu", schreibt Bissinger.

In der vergangenen Finanzkrise 2008/2009 sind die Dividenden nicht so stark gefallen wie die Kurse. Während die Dax-Dividenden um bis zu 31 Prozent gesunken seien, fiel der Kurs des Dax um bis 50 Prozent.

Dax: Auswirkungen der letzten Rezessionen

Dax: Auswirkungen der letzten Rezessionen.

Die Analysten der DZ Bank gehen aber davon aus, dass die Dividenden nun mindestens genauso tief fallen könnten – wenn nicht noch tiefer. Große Gewinneinbrüche, drohende Liquiditätsprobleme, steigende Verschuldung und verschobene Hauptversammlungen nennen die Experten als Gründe. Hinzu komme, dass Unternehmen, die Staatskredite erhalten, keine Dividende ausschütten sollten.

Manche Branchen trifft es besonders hart

Einige Branchen sind besonders hart von Dividendenkürzungen betroffen, wie die Studie belegt. Dies betreffe vor allem den Bankensektor, aber auch die Industrie, Reise- und Freizeitunternehmen, die Medienbranche und den Einzelhandel.

"Bei den europäischen Banken haben (…) 27 der 44 im Index enthaltenen Unternehmen die Dividende vorerst gestrichen. Würden diese Unternehmen auch 2020 keine Dividende ausschütten, würde sich die Ausschüttung des Bankensektors um 48 Milliarden Euro beziehungsweise 82 Prozent reduzieren." Dividendenausschüttungen aus den Bereichen Gesundheit, Chemie und Telekommunikation hingegen zeigten sich konstanter.

ms