Star Wars-Figur Darth Vader

Kult-Saga wird fortgesetzt Disney vs. Netflix: Das Imperium schlägt zurück

von Angela Göpfert

Stand: 10.11.2017, 07:59 Uhr

Der US-Unterhaltungsriese Walt Disney hat eine neue "Star Wars"-Trilogie und -Serie angekündigt. Das Ganze ist Teil einer groß angelegten Strategie, um den Streaming-König Netflix doch noch in die Knie zu zwingen.

Den Knaller hatte sich der langjährige Walt-Disney-Chef Bob Iger für die Analystenkonferenz nach Veröffentlichung der Quartalszahlen aufgehoben: Rian Johnson, der bereits beim jüngsten Teil "Die letzten Jedi" Regie führte, soll die "Star Wars"-Reihe mit drei neuen Teilen fortsetzen.

Doch damit nicht genug: Disney plant auch, "Star Wars" als Serie zu vermarkten und künftig auf seinem eigenen Streaming-Dienst anzubieten.

Voller Kampfgeist

Diese Ankündigung löste nicht nur bei "Star Wars"-Fans, sondern auch an der Börse Begeisterung aus. Kein Wunder, zeigt sie doch die Kampfbereitschaft des Mickey-Mouse-Konzerns. Dieser befindet sich, 94 Jahre nach seiner Gründung, in einer Phase des Umbruchs.

Vergleichsweise junge Konzerne wie Amazon und Netflix haben mit ihren Streaming-Angeboten das traditionelle Film- und Fernsehgeschäft durcheinander gewirbelt und den alten Platzhirschen ordentlich Marktanteile geraubt.

Fototapete mit Figuren aus der Netflix-Serie

Mit Serien wie "House of Cards" hat Netflix die Zuschauer auf seine Seite gezogen. | Bildquelle: Unternehmen

Zahlen sprechen deutliche Sprache

Wie arg Disney in Bedrängnis geraten ist, zeigt allein schon ein Blick auf die Aktienkursentwicklung: Während die Disney-Aktie in einem positiven Marktumfeld seit Jahresbeginn nur magere zwei Prozent hinzugewinnen konnte, schnellte die Netflix-Aktie um 59 Prozent in die Höhe.

Auch im vergangenen Quartal spielte die Kabel- und TV-Sparte von Disney erneut deutlich weniger Geld ein, der Umsatz sank um zwölf Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar und blieb damit weit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Konzernweit fielen die Erlöse in den drei Monaten bis Ende September um drei Prozent auf 12,8 Milliarden Dollar.

"Deutlich billiger" als Netflix

Disney-Chef Bob Iger stellt daher auf der Pressekonferenz klar: Für ihn ist jetzt das wichtigste Vorhaben der Aufbau der eigenen Streaming-Dienste. Disney hatte bereits im August angekündigt, ab 2019 seine Filme nicht mehr über Netflix, sondern über ein Abomodell unter eigener Marke anzubieten. Bereits 2018 soll das Programm des hauseigenen Sportsenders ESPN im Internet verfügbar sein.

Um Kunden von der Konkurrenz abzuziehen, setzt Disney aber nicht nur auf die Strahlkraft seines Superhelden- und Star-Wars-Imperiums, sondern auch auf die Macht des Preises: Der hauseigene Streaming-Dienst soll "deutlich billiger" sein als das Konkurrenzangebot von Netflix, betonte Iger am Donnerstagabend vor Analysten. Netflix erst vor kurzem angekündigt, die Preise für seine Abomodelle zu erhöhen.

Wenn die Avengers ihre Kräfte mit den X-Men vereinen…

Zu den jüngsten Spekulationen in den Medien, wonach Disney dem Konkurrenten 21st Century Fox große Vermögensteile wie das gleichnamige Hollywood-Studio und die Fernsehproduktion abkaufen könnte, wollte sich Iger am Donnerstagabend nicht äußern.

Disney-Produktion Captain America

Captain America - zusammen mit Wolverine unbesiegbar? . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Fakt ist: Fox hält unter anderem die Rechte an den X-Men. Die Verfilmungen der Comic-Reihe würden für einen eigenen Disney-Streamingdienst eine große Bereicherung darstellen.

Die Uhr tickt…

Denn Fakt ist auch: Das Kabelfernsehen hat keine Zukunft. Das weiß auch Disney-Chef Iger. Die Frage ist nur: Kann Iger das Ruder noch herumreißen – oder kommen die hauseigenen Streaming-Angebote am Ende zu spät?