Donald Duck ist sauer!

Digital ist besser! Disney überrumpelt von Amazon, Netflix & Co

von Thomas Spinnler

Stand: 09.05.2018, 06:50 Uhr

Bahn frei für Marvel, Donald Duck und Mickey Mouse? Disney hat die Digitalisierung verschlafen und den Erfolg der Streaming-Dienste unterschätzt. Jetzt investiert der Unterhaltungskonzern Milliarden und buhlt um die Jugend, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren.

Es ist erstaunlich, aber wahr: Im vergangenen Jahr hat der Disney-Konzern lediglich im Bereich Freizeit-Parks sein operatives Ergebnis steigern können. Nicht einmal der Filmsparte, die regelmäßig mit Star-Wars-Blockbustern und Marvel-Verfilmungen Millionen in die Kinos lockt, gelang es noch zu wachsen. Das TV-Segment verbuchte dagegen sogar einen massiven Rückgang um rund ein Viertel. Insbesondere beim zu Disney gehörenden Sportsender ESPN machen sinkende Abozahlen dem Konzern schon seit langem zu schaffen. 

Wachstum von Disneys Geschäftsbereichen

Wachstum von Disneys Geschäftsbereichen: Nur Freizeitparks laufen wirklich gut. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

Streaming wird keine Eintagsfliege sein

Gerade in der für Disney entscheidenden Zielgruppe, der Jugend und jungen Erwachsenen, spielt das Fernsehen eine immer geringere Rolle. Das Analysehaus Piper Jaffray hat für die USA herausgefunden, dass Teens dort nur noch 20 Prozent der Zeit, in der sie Bewegtbilder schauen, vor dem linearen TV verbringen. Immerhin 39 Prozent der Zeit widmen sie bereits Netflix, weitere zehn Prozent anderen Streaming-Diensten. In den USA gibt es längst den Trend, Kabel-TV und Pay-TV abzumelden und Filme nur noch über das Internet zu sehen, das sogenannte Cord Cutting.

In Deutschland spielt das lineare TV zwar noch eine weitaus größere Rolle, wie die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie zeigt. Aber die Frage müsste lauten: Wie lange noch? Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime und Maxdome wurden 2017 von 23 Prozent der Befragten einmal wöchentlich genutzt. Im Vorjahr waren es noch elf Prozent. Auch hierzulande ist es vor allem die Jugend, die sich besonders dafür interessiert.  Dank der kommenden 5G-Mobilfunktechnologie spielen Bedenken über die Übertragungsqualität bald keine Rolle mehr.

Kurswechsel mit "Oh My Disney"

Die Zahlen zeigen, dass Disney viel zu lange auf das traditionelle Fernsehen gesetzt hat, während Streaming-Dienste wie Amazon oder Netflix mit rasant steigenden Abonnenten-Zahlen zu Lieblingen der Zuschauer und der Börse wurden. Seit dem vergangenen Jahr will man aggressiv gegensteuern. Disney kündigte deshalb die Vereinbarung mit dem erfolgreichsten Streaming-Dienst Netflix und bastelt derzeit an einer eigenen Videoseite. Ab 2019 will der Hollywood-Riese in direkter Konkurrenz zu Netflix und Amazon die Zuschauer mit familienorientierten Inhalten in das eigene Angebot locken.

Das Disney-Imperium

Disney ist weitaus mehr als Micky Maus: Zu Disney gehören die gleichnamigen Filmstudios, und dazu noch das berühmte Pixar-Studio, die Marvel-Studios sowie seit 2012 auch Lucasfilm. Des weiteren zählen Kabelsender wie Disney Channel, die Television Group mit Sendern wie ABC und dem Sportsender ESPN sowie etliche Vergnügungsparks zum Entertainment-Imperium.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Einführung einer kostenlosen Video-App zu verstehen, mit der Disney sich die Gunst der Jugend und der jungen Erwachsenen sichern will. Auf „Oh My Disney“ sollen kurze Disney-Videos als Appetithappen gezeigt werden. Und für Sportfans gibt es seit einigen Tagen ESPN+ als Direct-to-Consumer Online-Dienst für Abonnenten. Der Preis beträgt 4,99 Dollar monatlich.

Shanghai Disney Resort

Shanghai Disney Resort: Freizeit-Parks sind erfolgreich. | Bildquelle: dpa

Verzweifelte Jagd nach Inhalten

Damit der geplante Streamingdienst 2019 für Disney aber zu einem vollen Erfolg werden kann, braucht der Konzern vor allem exklusive Inhalte, die die Familien ins Angebot locken. Schließlich haben sich Netflix und Amazon längst auch in der Kinobranche etabliert und geben in diesem Jahr Milliarden Dollar für eigenen Content aus.

Disney-Chef Robert Iger

Robert Iger, Disney-Chef. | Bildquelle: Unternehmen

Deshalb will der Entertainment-Gigant auch einen der dicksten Fische in der Branche an Land ziehen und sich wesentliche Teile von 21st Century Fox sichern. Mit dem Erwerb dieser "brillanten Sammlung von Unternehmen" wolle Disney die wachsende Nachfrage nach unterschiedlichster Unterhaltung bedienen, lässt sich Disney-Chef Bob Iger zitieren. Das ist nicht ganz billig: Rund 52 Milliarden Dollar müsste Disney für den Konzern hinblättern.  

Dafür wird tatsächlich einiges geboten: 21st Century Fox verfügt nicht nur über berühmte Filmstudios, die immer noch regelmäßig Hits wie „Deadpool“ oder „X-Men“ produzieren. Auch die riesige Filmsammlung wird Disney interessieren.

Die Angst treibt den Preis

Aber sicher ist noch nichts: Am Dienstag wurde berichtet, dass der Kabelbetreiber Comcast eventuell dazwischenfunke und ein feindliches Übernahmeangebot für große Teile des Unterhaltungskonzerns 21st Century Fox vorbereite. 60 Milliarden Dollar stünden im Raum, heißt es. Auch Comcast braucht dringend Inhalte, um sich gegen Amazon und Netflix wappnen zu können.

Walt Disney (r.) und Mickey Mouse

Walt Disney (r.) und Mickey Mouse: Die Jugend mit spannenden Inhalten locken. | Bildquelle: picture alliance / dpa /Fotoreport

Comcast wolle das Angebot aber nur vorlegen, wenn der Telekomkonzern AT&T den Medienkonzern Time Warner übernehmen dürfe, wird berichtet. Dieser geplante Deal ist 85 Milliarden Dollar schwer und wird wegen Wettbewerbsbedenken vom US-Justizministerium angefochten. Auch hier geht es um Infrastruktur plus Inhalte. Nicht nur in den Chefetagen von Disney haben Topmanager derzeit kalte Füße. Der Erfolg von Netflix hat die gesamte Medienbranche ins Rutschen gebracht.

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Black Panther

Black Panther

Zwei Riesenhits hatte Disney in diesem Jahr bereits in den Kinos. Gleich zu Beginn des Jahres hatte der Unterhaltungskonzern mit Black Panther großen Erfolg. Der Film, der von den Marvel-Studios produziert wurde, spielte weltweit bislang mehr als 1,3 Milliarden Dollar ein.