Dietmar Hopp

Kampf um Corona-Impfstoff Dietmar Hopp, der Unbestechliche

Stand: 16.03.2020, 14:33 Uhr

Dietmar Hopp ist derzeit öfter in den Schlagzeilen, als ihm lieb ist. Doch der Milliardär beweist Rückgrat, erst gegen den Hass im Fußball, jetzt gegen Donald Trump.

Hopp ist nämlich nicht nur Besitzer der TSG Hoffenheim, seine Biotech-Holding ist auch Haupteigentümer des Tübinger Biotechunternehmens CureVac. Die Firma ist ein Pionier der sogenannten mRNA-Technologie (von engl. messenger RNA).

Dabei handelt es sich um ein Molekül, das den menschlichen Körper zur Produktion von Proteinen anleitet, mit denen eine Vielzahl von Erkrankungen bekämpft werden kann – vielleicht auch die vom Coronavirus ausgelöste Lungenerkrankung.

Ermutigende Ergebnisse

Erst kürzlich hat CureVac positive Ergebnisse aus einer Phase-1-Studie mit einem mRNA-basierten Tollwut-Impfstoff veröffentlicht. Diese Daten zeigen den kompletten Schutz von Menschen nach zwei Impfungen mit extrem niedrigster Dosis. Diese Ergebnisse sind gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Pandemie ermutigend.

Zudem arbeitet CureVac daran, seine Produktionskapazitäten auszubauen, um Milliarden von Dosen für Pandemie-Situationen wie Covid-19 bereitstellen zu können. Das ist auch den US-Amerikanern nicht entgangen.

Rund eine Milliarde Dollar

Rund eine Milliarde Dollar soll Präsident Donald Trump der Biotech-Firma aus Tübingen angeboten haben, um sich ein Exklusivrecht auf den Impfstoff gegen das Coronavirus zu sichern, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf deutsche Regierungskreise. Dazu soll sich der mittlerweile abgelöste CureVac-Chef Daniel Menichella am 3. März auf Einladung des Weißen Hauses mit Trump und Mitgliedern der Coronavirus-Task-Force getroffen haben.

Doch dabei haben die Amerikaner nicht mit der Unbestechlichkeit von Dietmar Hopp gerechnet, dem 80 Prozent von CureVac gehören. Ein Exklusivvertrag mit einem einzigen Land für einen Corona-Impfstoff kommt für für den SAP-Mitgründer nämlich nicht in Betracht.

Menschen auf der ganzen Welt schützen

"Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können“, erklärte Hopp am Sonntagabend. Auch das Unternehmen selbst bestätigte heute, dass derzeit alle internen Bemühungen auf die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neuartige Coronavirus gerichtet sind – mit dem Ziel, Menschen und Patienten weltweit zu erreichen, zu helfen und zu schützen.

Darum stehe das Unternehmen mit zahlreichen Organisationen, insbesondere mit der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), einer öffentlich-privaten Initiative zur beschleunigten Entwicklung von Impfstoffen gegen aufkommende Infektionskrankheiten, sowie zahlreichen Behörden in Kontakt.

Bald klinische Studien

Mit klinischen Studien werde man voraussichtlich im Frühsommer 2020 beginnen können. Eine Produktionsanlage, die Impfdosen millionenfach herstellen könnten, sei schon in Arbeit.

Der Fall hatte auch die deutsche Politik mobilisiert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, CureVac habe klar gemacht, es werde den möglichen Corona-Impfstoff  "wenn, dann für die ganze Welt" entwickeln und "nicht für einzelne Länder". Die Bundesregierung war demnach schon seit zwei Wochen in Gesprächen mit dem Unternehmen.

Auch Politiker versprechen Hilfe

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich gegen den mutmaßlichen Versuch der US-Regierung verwahrt, das Tübinger Pharmaunternehmen CureVac in die USA zu locken. "Deutsche Forscher sind führend an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beteiligt, in weltweiten Kooperationen", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben).

"Wir können nicht zulassen, dass sich andere ihre Forschungsergebnisse exklusiv aneignen wollen", sagte Maas. Dies werde im Kreis der G7-Staaten zu bereden sein. "Dieses Virus werden wir nur gemeinsam besiegen, nicht gegeneinander", sagte Maas.

lg