Herbert Diess, VW

Hauptversammlung des Autokonzerns Diess: VW muss "anständiger" werden

Stand: 03.05.2018, 14:10 Uhr

Volkswagen will Fehlverhalten künftig kompromisslos ahnden. Dazu setzt das Unternehmen auch auf interne Hinweisgeber, erklärt der neue Vorstandschef Herbert Diess auf der diesjährigen Hauptversammlung in Berlin.

"Volkswagen muss noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden", betonte Diess, der Mitte April überraschend das Ruder beim weltgrößten Autobauer übernommen hatte. Dabei soll auch das interne Hinweisgebersystem ausgebaut werden, mit dem Mitarbeiter auf Misstände hinweisen können, ohne Folgen für ihre Karriere befürchten zu müssen.

Der Vorstand habe mit "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Es müsse klar sein, dass nicht alles, was legal sein möge, auch legitim sei. Eine offene Unternehmenskultur sei nötig, in der Widerspruch nicht erstickt, sondern belohnt werde.

Compliance muss höheren Stellenwert bekommen

Diess hob hervor, dass der von den US-Behörden als Konsequenz aus dem Dieselskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson gefordert habe, Compliance und Integrität müssten bei Volkswagen dieselbe Bedeutung bekommen wie etwa Fahrzeugentwicklung, Produktion und Vertrieb. "Ich teile diese Ansicht uneingeschränkt." Damit bekäme die Einhaltung von Regeln die gleiche Bedeutung wie etwa die Gewinnerzielung oder die Absatzsteigerung.

Herbert Diess, VW

Herbert Diess, VW. | Bildquelle: picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Derweil ist die Aufarbeitung des jüngsten Dieselskandals ins Stottern geraten. Noch immer ist unklar, wie es zu den Manipulationen von Dieselabgasen kommen konnte, und wer dafür verantwortlich ist. Zudem laufen in Stuttgart und Braunschweig Klagen gegen Volkswagen und die Porsche SE, in denen es um Schadensersatzforderungen in Höhe von zehn Milliarden Euro geht. Die Anleger werfen den Unternehmen vor, sie zu spät über den Dieselskandal informiert zu haben.

Aufarbeitung dauert noch Jahre

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Diess ist sich darüber im Klaren, dass die juristischen Streitigkeiten wegen des Dieselskandals noch Jahre andauern dürften. Standorte der Volkswagen-Töchter Audi und Porsche waren erst im vergangenen Monat von der Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts durchsucht worden. Mittlerweile habe der Konzern aber 94 Prozent der von illegaler Abgastechnik betroffenen Fahrzeuge in Deutschland mit neuer Software ausgestattet - weltweit seien es gut zwei Drittel, sagte Diess.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch betonte vor den VW-Aktionären allerdings, er habe Diess nicht zum neuen Vorstandschef gemacht, um die Dieselkrise aufzuarbeiten. Er solle den Umbau im Konzern hin zu einem Elektrofahrzeughersteller schneller vorantreiben.

"Entscheidende Transformation kommt erst noch"

Der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jens Hilgenberg, forderte auf der Hauptversammlung, Diess müsse jetzt zeigen, dass mit ihm ein neuer Geist der Aufklärung und Ehrlichkeit in der Konzernführung einziehe. Außerdem drängte Hilgenberg darauf, den Rohstoff- und Energiebedarf der Autos zu verringern.

Diess dürfte klar sein, dass VW vor einem großen Berg von Arbeit steht, gerade wegen der beiden Megatrends Elektrifizierung und Digitalisierung. "Der größte Teil der Wegstrecke liegt noch vor uns. Die entscheidenden Jahre unserer Transformation kommen erst“, erläuterte der Vorstandschef seinen Aktionären. Bis 2025 will der Konzern 80 neue elektrifizierte Fahrzeuge auf die Straße bringen, 50 davon rein batteriegetrieben.

Der Dieselskandal hat dem Geschäft von VW zuletzt nicht mehr geschadet. Im vergangenen Jahr erzielte die Gruppe einen Nettogewinn von 11,6 Milliarden Euro. Aktionäre erhalten deshalb eine höhere Dividende von 3,96 Euro pro Vorzugsaktie.

lg