Panik an den Märkten.

Anleger nehmen Reißaus Diese TecDax-Aktie fällt heute um fast 30 Prozent

Stand: 10.12.2018, 16:26 Uhr

Wie eine Bombe hat die Nachricht an der Börse eingeschlagen: Der Anbieter von Bausoftware RIB Software übernimmt YTWO Formative komplett. Die Anleger reagierten am Montag entsetzt, die im TecDax und SDax notierte RIB-Aktie fällt auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Der Stuttgarter Konzern zahlt zunächst rund 48 Millionen US-Dollar an den bisherigen US-Partner Flex, wie RIB Software am Montag mitteilte. In Abhängigkeit von der Geschäftsentwicklung könnten weitere Zahlungen folgen. Bis Ende Dezember soll der Kauf abgeschlossen sein.

RIB Software

RIB Software. | Bildquelle: RIB Software

Das Joint Venture wurde 2016 gegründet. Stand Februar hatten die Partner 60 Millionen Dollar für einen 50-prozentigen Anteil investiert. Die cloudbasierte YTWO-Plattform bietet Immobilienentwicklern und Wohnungsbauunternehmen einen Produkt- und Bauteilekatalog sowie alle Funktionen für das Projektmanagement, die für die Umsetzung benötigt werden.

RIB will nun die Markteinführung "beschleunigen". Die Partner begründeten die Übernahme mit der "neuen Handelspolitik, die zu einer stärkeren Regionalisierung der Lieferketten geführt hat". Das Bausoftwareunternehmen erhofft sich nun eine "größere strategische und operative Flexibilität für die Beschaffung".

Bisherige Schätzungen für YTWO zu hoch

Anleger reagieren entsetzt auf den Deal. Händlern zufolge waren angesichts des Kaufpreises bisherige Schätzungen für den Wert von YTWO viel zu hoch. Noch im Mai habe ein Analyst etwa bei der Bewertung von RIB einen Wert für YTWO von fast 200 Millionen Euro angesetzt, hieß es. Ein Börsianer wertete den nun gezahlten Preis als Anzeichen, dass das Potenzial der Aktivitäten bislang durch das Management überschätzt worden seien.

Mit dem Ausstieg von Flex aus dem Joint Venture fehle der RIB Software nun ein Partner, der die Lieferkette im Bauprozess sicherstelle, merkte zudem Analyst Andreas Wolf von Warburg Research an. Ohne einen solchen Partner dürfte die Kundengewinnung schwieriger werden.

Die im TecDax und SDax notierte RIB-Aktie bricht am Montag Nachmittag in einem negativen Marktumfeld mit 29,29 Prozent um mehr als ein Viertel bis auf 9,15 Euro ein. Das ist der tiefste Stand seit mehr als zwei Jahren.

Rekordhoch in weiter Ferne

Vor einem Jahr hatte das Gemeinschaftsunternehmen auf dem US-Markt den ersten Auftrag für die cloudbasierte Software mit einem Hausbauer abgeschlossen. Der Aktienkurs von RIB Software war daraufhin kräftig gestiegen bis auf ein Rekordhoch von 35,40 Euro im März.

Kurz danach hatte das Unternehmen die Anleger allerdings mit einer Kapitalerhöhung geschockt, nach der Analysten bereits an der Strategie gezweifelt hatten. Seit dem Rekordhoch ist der Kurs um fast 75 Prozent eingebrochen.

Kursziele gesenkt

Auch eine Anhebung der Gewinnprognose im dritten Quartal konnte die Talfahrt nicht aufhalten. Der in Stuttgart ansässige Software-Spezialist hatte von der zunehmenden Digitalisierung der Bauprozesse profitiert. RIB liefert Software für die Planung, Kostenkalkulation und das Management von Bauprojekten.

Analysehäuser wie Kepler Chevreux oder Berenberg senkten Anfang November ihre Kursziele für RIB - unter anderem deshalb, weil die Plattform den Erwartungen hinterherhinkte.

tb