BMW stellt auf der
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Großer Wurf erst in zwei Jahren? Die zaghafte E-Offensive von BMW

von Notker Blechner

Stand: 07.05.2019, 06:45 Uhr

Der 2013 eingeführte i3 von BMW zählt zu den meistverkauften Elektroautos der Welt. Gegenüber Tesla liegen die Münchner aber im Hochvolt-Hintertreffen. Das soll sich ändern - ab 2021.

In Sachen Elektromobilität sieht sich BMW gerne als Pionier. "Wir sind heute Marktführer bei elektrifizierten Autos in Europa", tönt Vorstandschef Harald Krüger. Tatsächlich hat der bayerische Autokonzern 2018 rund 75.000 E-Fahrzeuge ausgeliefert und laut IHS Markit einen Marktanteil von 17 Prozent erreicht. Nummer zwei ist VW mit zwölf Prozent, gefolgt von Nissan mit elf Prozent.

Schaut man sich die Zahlen etwas genauer an, sieht das Bild etwas anders aus. In der IHS-Statistik, die BMW verbreitet, sind die Plug-in-Hybride mit einberechnet. Klammert man diese aus, sind die Münchner doch nicht Europameister. Bei reinen, also vollelektrischen Fahrzeugen ist Renault Marktführer mit 48.000 verkauften Stromern. Alleine vom Zoe wurden knapp 40.000 Stück verkauft. BMW dagegen setzte nur rund 24.000 Exemplare des i3 ab.

Elektromobilität in Europa

Elektromobilität in Europa. | Bildquelle: IHS, Grafik: boerse.ARD.de

Weltweit noch klar hinter Tesla

Weltweit lag BMW im vergangenen Jahr nur auf Platz sechs unter den Herstellern mit knapp 87.000 reinen E-Auto-Neuzulassungen, hat das Zentrum für Sonnenergie und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) ermittelt. Die Nummer eins, Tesla brachte fast drei Mal so viele Stromer auf die Straße, nämlich 233.760 Exemplare. Am besten verkaufte sich das Model 3 mit 146.310 Neuzulassungen.

BMW selbst sieht sich als Nummer drei im Weltmarkt mit knapp über 140.000 verkauften E-Autos 2018 - unter Einberechnung der Plug-in-Hybride. Die Münchner kommen laut der IHS-Studie auf einen Marktanteil von neun Prozent. Tesla führt das Ranking mit einem Weltmarktanteil von zwölf Prozent an, gefolgt von BYD mit elf Prozent.

Plug-in-Hybride bringen Schub

Immerhin: Egal welche Statistik man hernimmt, gegenüber dem Erzrivalen Daimler sind die Münchner schon ein gutes Stück weiter. Der Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge am Gesamtabsatz von BMW liegt heute schon bei sechs Prozent – dank der starken Nachfrage nach den Plug-in-Hybrid-Modellen.

Bis Ende des Jahres soll bereits eine halbe Million elektrifizierter Fahrzeuge mit der Marke BMW und Mini auf den Straßen sein, versprechen die Münchner. 2019 kommen mehrere neue Plug-in-Hybride auf den Markt, darunter der 3er Plug-in-Hybrid und der X5 Plug-in-Hybrid.

2021 kommt die Attacke auf Tesla

BMW iNext

BMW iNext. | Bildquelle: picture alliance/Gene Blevins/ZUMA Wire/dpa

Bei den reinen E-Fahrzeugen spielt BMW auf Zeit. Erst 2021 soll mit dem iNext der große Angriff auf Tesla kommen. Der im vergangenen Jahr als Konzeptfahrzeug enthüllte Stromer soll neue Maßstäbe setzen. Er dürfte eine Reichweite von 700 Kilometern schaffen - dank der Batterien der fünften Generation. Die neuen Stromspeicher werden gemeinsam mit dem chinesischen Batteriezellfertiger CATL entwickelt.

Danach will BMW kräftig Gas, pardon Strom geben. Bis 2025 plant der Autohersteller, mindestens 25 E-Modelle im Portfolio zu haben. Zwölf davon sollen vollelektrisch sein. In diesem Jahr rollt der E-Mini in die Autohäuser, 2020 folgt der Elektro-X3. Von beiden erwarten Experten noch keinen großen Wurf. Erst der iNext und auch der i4, die Stromer der nächsten Generation, könnten den Durchbruch bringen.

Sind Daimler und VW diesmal schneller?

Daimler und VW könnten sich schneller zu "Tesla-Jägern" entwickeln. VW startet in der zweiten Hälfte 2019 seine große E-Offensive mit dem ersten Modell der Kompaktklasse aus der neuen Baureihe ID. Daimler will bis 2020 die Zahl der Modelle mit Batterie- oder Hybridantrieb auf 20 vervierfachen im Vergleich zum vergangenen Jahr.

Dabei war BMW eigentlich schon recht früh vorgeprescht in Sachen E-Mobilität. Bereits 2010 hatten die Münchner ihre Elektro-Submarke "i" eingeführt. 2013 kam mit dem i3 der elektrische City-Flitzer. Dieser hat sich inzwischen zum Verkaufsschlager bei BMW gemausert. Vor kurzem lief im Werk Leipzig das 150.000ste Fahrzeug der i3-Reihe vom Band.

"Aus Fehlern des i3 gelernt!"

"Der i3 war ein Test, den man heute so nicht mehr wiederholen würde", meint Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car Center Automotive Research in Duisburg. Beim City-Stromer sei die Batterie und folglich auch die Reichweite zu kleine. Ebenso biete die teure Karbontechnik kaum Vorteile. Nun habe BMW endlich mit dem i4 und iNext auf echte Batterie-elektrische Modelle umgeschwenkt. Dudenhöffers Fazit: "BMW hat aus den Fehlern des i3 gelernt, wenn auch etwas spät."

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Die erhofften "Tesla-Killer" von BMW Die i-Revolution

BMW iX3

iX3
Im nächsten Jahr beginnt die E-Offensive mit dem ix3, eine Elektroversion des Geländewagens x3. Sie soll nach dem i3 das zweite vollelektrische Auto der Marke BMW sein. Der ix3 soll in China gefertigt werden.