Aurubis-Mitarbeiter kontrolliert das aus dem Anodenofen laufende flüssige Kupfer
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Aktie fällt zurück Die verkehrte Aurubis-Börsenlogik

Stand: 13.02.2018, 11:12 Uhr

Rohstoffaktien findet man meist vergebens auf dem deutschen Kusrzettel. Ausnahme ist da die Kupferhütte Aurubis aus dem MDax. Deren Zahlenwerk für das erste Geschäfstquartal löst gemischte Gefühle aus.

Denn trotz einer Vervierfachung des Ergebnisses vor Steuern (Ebt) im Jahresvergleich auf 79 Millionen Euro steht die Aktie des Hamburger Unternehmens am MDax-Ende. Dieses Phänomen ergibt sich immer dann, wenn die Börse noch bessere Ergebnisse erwartet hatte als die, die vorgelegt wurden. Genau das ist jetzt bei Aurubis geschehen.

Aurubis: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
44,55
Differenz relativ
+2,58%

Das erste Geschäftsquartal der Kupferhütte sei stark verlaufen, am Markt sei jedoch mit einem noch stärkeren Ergebnis gerechnet worden, schrieb Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Zudem hätten einige Marktteilnehmer darauf gehofft, dass Aurubis die Gesamtjahresziele wohl leicht anheben werde.

Den Ausblick aber ließ Aurubis-Chef Jürgen Schachler unverändert. Er gehe für das Gesamtjahr weiter von einem Gewinn vor Steuern auf Vorjahresniveau aus, erklärte er. Im Vorjahr waren das 298 Millionen Euro. Worauf die Strafe prompt auf dem Fuß folgte. Aurubis-Papiere verlieren aktuell über drei Prozent und standen im frühen Handel sogar noch schlechter da. Allerdings war das Papier bereits im Vorfeld gestiegen und hatte erst im Januar bei 86,80 Euro ein Rekordhoch erreicht, ehe die Aktie mit dem Markt zurückfiel.

Hoher Basiseffekt

Konkret übertraf Aurubis das Vorjahresergebnis von 18 Millionen Euro deutlich. Allerdings war das Ergebnis im Vorjahr durch Kosten für die Wartung einer Kupferhütte belastet gewesen, so dass sich jetzt der hohe Basiseffekt ergibt. Der Umsatz stieg um rund 17 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro.

Kupferschrott wird bei Aurubis in Hamburg vor dem Recycling umgeschichtet

Aurubis. | Bildquelle: dpa

Operativ haben die Hamburger von höheren Kupferpreisen und gestiegenen Raffinierlöhnen für Altkupfer profitiert. Hinzu kam, dass auch die Preise für Schwefelöl anzogen, was als Nebenprodukt bei der Kupferherstellung anfällt. Demgegenüber standen negative Währungseffekte durch den starken Euro.

Insgesamt war Jürgen Schachler zufrieden: "Das Geschäftsjahr hat für uns sehr gut begonnen, wenn man bedenkt, dass üblicherweise das erste Quartal durch saisonale Effekte schwächer ist", sagte der Manager.

Verkauf der Flachwalzprodukte zu erwarten

Aktuell befindet sich Aurubis in Verhandlungen mit den familiengeführten Wieland-Werken über den Verkauf des Segments Flachwalzprodukte. Hierzu sei eine Eckvereinbarung bereits unterschrieben, wurde am Montag bekannt gegeben. Mit dem Verkauf werde Aurubis seine strategische Ausrichtung auf die Metallerzeugung nicht nur von Kupfer weiter stärken, heißt es in der Mitteilung. Flachwalzprodukte gehören nicht zur Kupfererzeugung, sondern zur Kupferverarbeitung.

Händler beurteilen die Verkaufsverhandlungen positiv. Der Bereich habe zwar zuletzt einen hohen Umsatz erzielt, aber kaum etwas zum Gewinn beigesteuert. Der Unternehmensbereich setzt 1,3 Milliarden Euro um und beschäftigt mehr als einem Viertel der Mitarbeiter.

rm