Taifun Hagibis, Japan

Münchener Rück zieht Bilanz Die verheerenden Schäden der Naturkatastrophen

von Lothar Gries

Stand: 08.01.2020, 11:00 Uhr

Auch im vergangenen Jahr haben Naturkatastrophen wieder Schäden in Milliardenhöhe verursacht und Tausende Menschenleben gekostet, wie die Münchener Rück heute berichtet. Deren Experten haben auch gleich Empfehlungen parat, wie die Zerstörungen im Zaum zu halten sind.

Allein die beiden Zyklone Faxai und Hagibis im Großraum Tokio waren gemessen an den Gesamt- und den versicherten Schäden die teuersten Naturkatastrophen des vergangenen Jahres. Nach Schätzungen der Münchener Rück, der weltweit größten Rückversicherung, betrugen die Gesamtschäden durch Hagibis 17 Milliarden Dollar, davon waren etwa zehn Milliarden versichert. Faxai verursachte geschätzte Gesamtschäden von rund neun Milliarden Dollar.

Die Besonderheit der Stürme war, dass sie von extremen Niederschlägen begleitet wurden. Stellenweise fielen innerhalb von zwei Tagen 1.000 Liter pro Quadratmeter Regen, vielerorts binnen 24 Stunden 40 Prozent des üblichen Jahresniederschlags. An vielen Flüssen brachen Dämme, Gebäude wurden beschädigt, Industriebetriebe überschwemmt.

Hagelkörner groß wie Orangen

Auch in Europa haben Hitzewellen und Niederschläge große Schäden angerichtet. In Deutschland verursachte ein Unwetter im Großraum München im Juni mit Hagelkörnern in Golfballgröße Schäden von fast einer Milliarde Euro, davon waren fast drei Viertel versichert.

An der Adria kam es im Juli zu noch extremeren Hagelschlägen. Hagelkörner teilweise groß wie Orangen zerschmetterten Autos und Dächer, verletzten viele Menschen. Die Gesamtschäden der Sommerunwetter in Europa betrugen 2,5 Milliarden Dollar, davon trugen Versicherer etwa 0,9 Milliarden.

Naturkatastrophen, Munich Re

Naturkatastrophen. | Bildquelle: Munich Re, Grafik: boerse.ARD.de

Langfristiger Durchschnitt

Insgesamt verursachten Naturkatastrophen nach den Berechnungen der Münchener Rück Schäden im Wert von 150 Milliarden Dollar, 52 Milliarden davon waren versichert. Rund 9.000 Menschen verloren dadurch ihr Leben, im Vorjahr waren es sogar 15.000. Die folgenschwerste humanitäre Katastrophe des vergangenen Jahres war der Zyklon Idai, der im März in Mosambik und Nachbarländern wütete. Mehr als 1.000 Menschen starben.

Insgesamt hat die Münchener Rück aber keine Verschlimmerung der durch Naturkatastrophen verursachten Verwüstungen festgestellt. Die Schäden entsprechen dem langfristigen Durchschnitt. 2018 beliefen sie sich gar auf 160 Milliarden Dollar.

Kein Grund zur Entwarnung

Grund zur Entwarnung besteht deshalb aber nicht. Die Auswirkungen des Klimawandels seien bereits spür- und sichtbar, sagte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchener Rück. Deshalb sollten Gebäude und Infrastruktur widerstandsfähiger gemacht werden.

Ähnlich äußerte sich Ernst Rauch, der Chef-Klimaexperte des Konzerns. Während sich in Japan Wirbelstürme mit extremen Niederschlägen häuften, müsse in vielen Regionen mit zunehmenden Hagelgewittern gerechnet werden. "Daher gilt auch hier: Maßnahmen wie bessere Frühwarnsysteme und widerstandsfähige Baumaterialen sind wichtig, um einen langfristigen Anstieg der Schäden zu dämpfen."

Weniger Schäden in den USA

Deutlich geringer als im Vorjahr sind die durch Naturkatastrophen verursachten Zerstörungen in den USA ausgefallen. Der Grund: Die schweren Stürme sind überwiegend über dem Meer geblieben oder verfehlten das amerikanische Festland.

Auch verlief die Waldbrandsaison in Kalifornien glimpflicher als in den Vorjahren, weil es im Winter feuchter und im Sommer weniger heiß war. Dadurch sank der Anteil der Naturkatastrophen-Schäden in den USA auf 31 Prozent der Gesamtschäden.

Doch Vorsicht: "Trotz der diesmal geringeren Schäden zeigt der längerfristige Trend der verbrannten Waldflächen und der Zerstörungen in den USA stark nach oben", warnen die Experten der Münchener Rück.

Schäden in Australien noch nicht absehbar

Und Australien? Hier führten hohe Temperaturen und trockene Luft in Kombination mit viel Buschwerk zu einem sehr frühen Beginn der Waldbrandsaison. Zwar wurde die Millionenmetropole Sydney von den Flammen selbst nicht erreicht, doch wird der Höhepunkt der Brände in der Regel erst in den Monaten Januar und Februar erwartet. Entsprechend verheerend könnte die Schadensbilanz ausfallen.

Ob die Brände auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich laut Münchener Rück nicht eindeutig sagen. "Zwar lassen sich einzelne Ereignisse nicht direkt auf den Klimawandel zurückführen. Jüngste Studien haben jedoch gezeigt, dass langfristig begünstigende Umweltbedingungen für Buschfeuer im Süden und Osten Australiens häufiger geworden sind."

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Die größten Rückversicherer der Welt Von Münchener Rück bis Scor

Das Logo der Munich Re in München.

Münchener Rück
Weltgrößter Rückversicherer ist der Dax-Konzern aus München. Die Bruttobeiträge der Gruppe lagen 2018 bei 49,1, die Nettoprämien bei 45,7 Milliarden Euro. Die Kapitalanlagen betrugen 216,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kam auf rund 2,27 Milliarden Euro. 2019 peilt der Konzern einen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro an, 2020 sollen es 2,8 Milliarden Euro werden.