Deutsche Bank und Commerzbank-Gebäude
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Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank im Visier Die Milliardenwette der Hedgefonds

Stand: 12.07.2018, 08:39 Uhr

Die schwächelnden heimischen Geldhäuser, allen voran die Deutsche Bank, sind erneut ins Visier von Hedgefonds geraten. Sie wetten mit über einer Milliarde Euro auf weiter fallende Kurse. Allein ein Fonds hat Leerverkäufe in Höhe von 2,56 Prozent des Aktienkapitals der Bank beim Bundesanzeiger angezeigt.

Dies entspricht einem Einsatz von derzeit gut 500 Millionen Euro. Eingesetzt hat diese Summe der in den USA ansässige Hedgefonds AQR Capital Management. Der von dem New Yorker Milliardär Cliff Asness mitgegründete Fonds gilt als einer der am schnellsten wachsenden Vermögensverwalter weltweit. Derzeit verwaltet der Fonds 224 Milliarden Dollar. Daneben sind noch die deutlich kleineren Fonds Marshall Wace, Capital Fund sowie World Quant aktiv.

Gemeinsam mit den gemeldeten Leerverkaufspositionen dieser drei Hedgefonds summiert sich die Wette auf weiter fallende Kurse der beiden führenden deutschen Banken derzeit auf über eine Milliarde Euro.

Immer wieder Geschäfte

Im Fokus der Shortseller steht die Deutsche Bank. Laut derzeitigem Stand haben die vier Fonds 4,85 Prozent des gesamten Aktienbestandes der Deutschen Bank verkauft. Das entspricht einem Volumen von knapp 980 Millionen Euro. Bei der Commerzbank sind es lediglich 1,6 Prozent, was 172 Millionen Euro entspricht.

AQR Capital hat Berichten zufolge in den vergangenen Monaten immer wieder solche Geschäfte mit den Aktien den Aktien der Frankfurter Geldhäuser gemacht. Allein seit Ende September 2016 listet der Bundesanzeiger 34 Meldungen von Leerverkäufen allein mit Papieren der Commerzbank auf. Am gestrigen Mittwoch hat der Hedgefonds laut Bundesanzeiger seine Netto-Leerverkaufsposition in den Commerzbank-Aktien von 1,6 Prozent auf 1,71 Prozent aufgestockt. Auf der Basis der gestrigen Marktkapitalisierung der Aktie entspricht dies 11,8 Millionen Euro.

Auch Ray Dalio hat schon gegen die Banken spekuliert

Es ist nicht das erste Mal, dass die Frankfurter Banken ins Visier von Leerverkäufern geraten. Bereits im Februar war bekannt geworden, dass der von Ray Dalio gegründete Hedgefonds Bridgewater Aktien der Deutschen Bank im Wert von damals 200 Millionen Euro leerverkauft hatte. Zuvor hatte Bridgewater mit 700 Millionen Euro gegen italienische Banken gewettet. Zeitweise standen auch Siemens und die Deutsche Telekom auf der Liste seiner Shortpositionen.

Die Spekulationen von Bridgewater dürften aufgegangen sein: Die Aktie der Deutschen Bank hat allein zwischen Anfang Februar und Anfang Juni 35 Prozent an Wert eingebüßt. Einen ähnlichen Schrumpfprozess haben in dieser Zeit die Aktien der Commerzbank erlitten.

Seit Jahren in der Krise

Tatsächlich stecken die beiden großen deutschen Universalbanken seit Jahren in der Krise. Sie kämpfen mit horrenden Kosten und sinkenden Erträgen. Besonders hart hat es die Deutsche Bank erwischt, die wegen unzähliger Fehltritte ihrer Londoner Investmentbanker Strafen in zweistelliger Milliardenhöhe zahlen musste. Folglich ist der Aktienkurs von Deutschlands führendem Geldhaus seit 2014 um zwei Drittel eingebrochen. Seit der Finanzkrise beträgt das Minus sogar 90 Prozent.

Für Shortseller muss ein solcher Niedergang wie eine Einladung zum Handeln wirken. Ob allerdings die Aktie der Deutschen Bank weiter sinkt und deutlich unter das bereits markierte Tief von 8,755 Euro fallen wird, bleibt abzuwarten. Zuletzt hat sich der Kurs um die neun Euro herum stabilisiert. Für Bewegung könnte der neueste Quartalsbericht des Konzerns sorgen, der am 25. Juli vorgelegt wird. Und der dürfte eigenen Angaben zufolge eher enttäuschend ausfallen. Am 7. August legt die Commerzbank ihren neuesten Zwischenbericht vor.

Ist es bald vorbei?

Noch ist also unklar, wann sich die Fonds von ihren Leerverkäufen trennen werden. Sollten sich die Kurse der Banken dann wieder nachhaltig erholen, dürfte dies das Ende der Short-Spekulationen einläuten. An Alternativen herrscht in Europa kein Mangel. Deshalb setzen die Hedgefonds derzeit auch auf weiter fallende Kurse bei den italienischen Banken. Allerdings sind die eingesetzten Summen im Vergleich zu der bei den deutschen Instituten eingesetzten Milliarde noch deutlich bescheidener.

lg