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Die größten Geldvernichter 2017 "Schwarzbuch Börse" der SdK

Air Berlin: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre

Air Berlin

Was Ryanair-Chef Michael O'Leary und andere Luftfahrt-Experten schon lange vorhergesagt hatten, trat Mitte August ein: Air Berlin ist pleite. Die Aktie sackte von 80 Cents auf zwei Cents ab, der Kurs der Anleihe brach dramatisch ein. Die Anleihen-Gläubiger können nur noch mit fünf Prozent ihres Geldes rechnen. Das "Schwarzbuch Börse" der SdK macht einen Nachruf auf die bewegte Börsengeschichte von Air Berlin und scheut sich nicht, unternehmerische Fehlentscheidungen anzuprangern.

Die größten Geldvernichter 2017 "Schwarzbuch Börse" der SdK

Air Berlin: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre

Air Berlin

Was Ryanair-Chef Michael O'Leary und andere Luftfahrt-Experten schon lange vorhergesagt hatten, trat Mitte August ein: Air Berlin ist pleite. Die Aktie sackte von 80 Cents auf zwei Cents ab, der Kurs der Anleihe brach dramatisch ein. Die Anleihen-Gläubiger können nur noch mit fünf Prozent ihres Geldes rechnen. Das "Schwarzbuch Börse" der SdK macht einen Nachruf auf die bewegte Börsengeschichte von Air Berlin und scheut sich nicht, unternehmerische Fehlentscheidungen anzuprangern.

Solarworld: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre

Solarworld

Als großen Geldvernichter sieht die SdK auch die Photovoltaik-Firma Solarworld, die in diesem Jahr ebenfalls pleite ging. Das "Schwarzbuch Börse" beschreibt den Aufstieg und Niedergang von Solarworld. Nach dem Börsengang 1999 vervielfachte sich der Kurs des Unternehmens, stürzte ab und vervielfachte sich erneut. Nach der anfänglichen Erfolgsgeschichte brachten die Billig-Importe der chinesischen Modulhersteller Solarworld in eine existenzielle Krise. Die Insolvenz konnte zunächst nur durch Zugeständnisse der Gläubiger und einer "Quasi-Enteignung" der Aktionäre durch einen Kapitalschnitt um 95 % abgewendet werden. 2014 ging es für Solarworld nach der Übernahme von Bosch Solar Energy sogar wieder kurz bergauf. Im März 2017 verkündete der einstige Solarpionier sogar, eine Konzentration auf hochpreisige Module solle eine nachhaltige Trendwende herbeiführen. Es kam anders. Zwei Monate später stellte Solarworld mangels positiver Fortführungsprognose und wegen Überschuldung dann doch den Insolvenzantrag. Die Verantwortung für diese Entwicklung trägt laut SdK eindeutig Firmengründer und "Sonnenkönig" Frank Asbeck: "Sein rigoroses Festhalten am ineffizienten Geschäftsbetrieb verursachte maßgeblich den Niedergang von Solarworld", heißt es im Schwarzbuch.

Rena Lange-Model auf einer Modenshow in Berlin

Mode-Anleihen

Aus der Mode sind Modeanleihen. Nachdem schon 2016 Steilmann und Wöhrl in die Pleite schlitterten, setzte sich in diesem Jahr der Abwärtstrend der Modeanleihen fort. 2017 musste mit René Lezard der sechste Emittent aus der Textilbranche aufgeben. Trotz Forderungsverzicht der Gläubiger um mehr als 40 Prozent platzte letztendlich die Anschlussfinanzierung, weil ein potenzieller Investor absprang. Dasselbe Schicksal ereilte 2017 Strenesse und den Escada-Nachfolger Laurèl, mögliche Investoren suchten kurz vor Torschluss ebenfalls das Weite. Und auch das Münchner Modehaus Rena Lange fand keine neuen Investoren und musste schließlich Insolvenz anmelden. Besonders der Fall Laurèl steht exemplarisch für viele notleitende Mittelstandsanleihen: Das unfähige Management sei am Ende mit günstigen Beteiligungsprogrammen belohnt worden, heißt es im "Schwarzbuch Börse". Einige Gläubiger seien offenbar "gleicher" als andere und kämen ebenfalls in den Genuss vorteilhafter Beteiligungen an den restrukturierten Nachfolgegesellschaften, monieren die Aktionärsschützer.

Rickmers Holding Anleihe 2013-18: Kursverlauf am Börsenplatz Stuttgart für den Zeitraum 2 Jahre

Rickmers Holding Anleihe 2013-18

Mit dem Fall der Rickmers Holding AG enttarnt das "Schwarzbuch Börse" der SdK einen weiteren Kandidaten, der in dieses Muster passt. Dieser Vorgang sei ein Lehrstück über das Zusammenwirken von Reedereien, Banken, Investoren und Gesetzgeber - zum Schaden der Anleihegläubiger. Das Unternehmen fuhr schon seit 2008 hohe operative Verluste ein, die bilanzielle Situation war alles andere als rosig. Doch mithilfe einer raffinierten und kreativen Bilanzumstellung kurz vor der Anleiheemission 2013 konnte laut SdK die Rickmers Holding AG plötzlich eine solide Eigenkapitalversorgung vorweisen. "Das half operativ natürlich nicht über die Schwächen hinweg. " Es kam, wie es kommen musste: Nach einem gescheiterten Restrukturierungsversuch meldete die Gesellschaft Insolvenz an. Und während die Anleihegläubiger Schiffbruch erlitten, konnte der Alleinaktionär Bertram Rickmers bei den zum Verkauf stehenden Firmenteilen günstig zuschlagen, schreibt das "Schwarzbuch Börse".

SKW Stahl: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre

SKW Stahl

Auch bei der SKW Stahl-Metallurgie Holding konnten die Anleger nur fassungslos zusehen, wie sie zum Spielball eines aus Sicht der SdK möglicherweise abgekarteten Spiels zwischen Investor und Geschäftsführung wurden. Zuerst sanierte der Vorstand das Unternehmen und machte es wieder profitabel. Noch im Mai 2017 hieß es in einer Pressemitteilung des Stahlhändlers, dass SKW operativ nunmehr effizient aufgestellt und daher zuversichtlich sei, die Chancen auf seinen Kernmärkten nutzen und die Wettbewerbsposition verbessern zu können. Nur wenige Monate später ließ Alleinvorstand Kay Michel dann die Bombe platzen, als er im Rahmen einer finanziellen Restrukturierung die Enteignung der bisherigen Aktionäre verkündete. Als sich aus den Reihen der Anleger Widerstand dagegen regte, flüchtete Michel in die Insolvenz, heißt es im "Schwarzbuch Börse". Der Insolvenzplan sieht nun die ersatzlose Enteignung (Kapitalschnitt auf null) der Aktionäre vor. Über den anschließenden Debt-Equity-Swap lache sich der Finanzinvestor Speyside Capital sicher noch heute ins Fäustchen, meint die SdK.

Joint rauchende Frau

Cannabis-Aktien

Das "Schwarzbuch Börse" stellt nicht nur Pleite- und Skandal-Firmen an den Pranger, sondern sensibilisiert Anleger auch für potenzielle zukünftige Kapitalmarktrisiken wie zum Beispiel dubiose Geschäftsmodelle. So seien Wertpapiere, die aufgrund der Legalisierung von Cannabis hohe Gewinne versprechen, mit Vorsicht zu betrachten: "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch in diesem Fall wieder eine Menge Geld in Rauch auflösen wird, dürfte nicht vernachlässigbar sein", resümiert das "Schwarzbuch Börse".

Montage der Protagonisten aus dem Reich-Special

Reich-Gruppe vor Gericht

Zu den Kapiteln im Schwarzbuch der SdK zählen auch die zahlreichen Prozesse um die Reich-Gruppe, über deren Machenschaften boerse.ARD.de in diesem Jahr ausführlich berichtete.

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