Konzerne denken um aufgrund der Krise Anleger bangen um ihre Dividenden

Stand: 30.03.2020, 15:36 Uhr

Rund 44 Milliarden Euro wollten die deutschen Unternehmen in diesem Jahr an die Aktionäre ausschütten. Doch die Summe könnte nun viel kleiner ausfallen - wegen Corona. Die Krise bringt einige Dividenden-Pläne ins Wanken.

Erst war es die Lufthansa, dann folgten Sixt, KlöCo, Koenig & Bauer, Fraport, Airbus und auch der Dax-Aufsteiger MTU: sie strichen kurzerhand ihre Dividende. Dabei wollte der Triebwerkshersteller ursprünglich üppige 3,40 Euro je Aktie ausschütten. Auch Airbus wollte eigentlich 1,80 Euro je Aktie zahlen. Doch die Corona-Pandemie hat die Konzerne dazu gebracht, ihre Dividendenvorschläge zu revidieren.

"MTU hat das Eis gebrochen"

Seit der Ankündigung von MTU, die Dividende zu kassieren, sei das Eis gebrochen, meint Commerzbank-Anlagestratege Andreas Hürkamp. Nach MTU überdächten nun viele andere deutsche Unternehmen ihre bereits angekündigten Dividenden, schreibt das "Handelsblatt". So sei fraglich, ob Covestro oder Daimler an ihren geplanten Ausschüttungen festhalten.

Die Analysten der Commerzbank haben ihre Schätzungen etwas zurückgenommen und rechnen nun nur noch mit 35,6 Milliarden Euro, die die Dax-Konzerne für das abgelaufene Geschäftsjahr ausschütten. Das wäre sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Womöglich ist das immer noch zu optimistisch.

Sind im Sommer noch die Dividenden zu halten?

Denn je länger die Corona-Krise und der wirtschaftliche Stillstand in großen Teilen der Welt andauere, desto schwieriger dürfte es werden, hohe Dividenden zu rechtfertigen, heißt es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zumal einige Unternehmen ihre Hauptversammlungen auf die zweite Jahreshälfte verschoben haben. Und dann dürfte die Krise wohl noch stärker durchgeschlagen haben.

Besonders groß ist der Druck auf die Banken. Die BaFin hat vergangene Woche an die die deutschen Institute appelliert, ihr Geld zusammenzuhalten. Sie empfiehlt den Banken, von Aktienrückkäufen Abstand zu nehmen sowie Ausschüttungen von Dividenden sorgfältig abzuwägen. So hat die Commerzbank ihre in Aussicht gestellte Mini-Dividende von 15 Cent je Aktie gestrichen. Die Deutsche Bank hat schon vor Monaten angekündigt, dass die Aktionäre leer ausgehen. Ob die Aareal Bank bei ihrem Vorschlag von 2,00 Euro je Aktie bleibt, ist fraglich.

Allianz und VW geben am meisten

Immerhin: Die größten Dividendenzahler haben bisher ihre Pläne nicht geändert. Die Allianz hält weiter an ihrem Vorschlag fest, vier Milliarden Euro auszuschütten. VW plant, 3,2 Milliarden Euro an die Aktionäre zu zahlen - 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Und BASF will drei Milliarden Euro ausschütten.

Denkbar wäre auch, dass der Vorstand seine bereits angekündigte Dividende kürzt. So hat am Montag der Großküchenausrüster Rational seinen Dividendenvorschlag für 2019 von 10,70 auf nun 5,70 Euro je Aktie nahezu halbiert.

Dividendenänderung rechtlich umstritten

Juristisch sei es schwierig, einen Dividenden-Vorschlag zu ändern, wenn er vom Aufsichtsrat abgesegnet wurde, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), gegenüber boerse.ARD.de. Eigentlich könne nur die Hauptversammlung die Dividende noch kippen. Aber, räumt Kurz ein, "die Frage ist rechtlich noch nicht eindeutig geklärt".

Jurist Marc Löbbe von der Wirtschaftskanzlei Schilling, Zutt & Anschütz hält es indes auf der Hauptversammlung für "zulässig, einen Antrag auf Änderung des Gewinnverwendungs-Vorschlags und damit der Dividende einzubringen". Umstritten sei nur, unter welchen Umständen das möglich ist, sagte er dem "Handelsblatt".

Virtuelle HVs entlasten den Dividenden-Stau

Klar ist, dass der Dividendenregen in diesem Frühjahr nicht so üppig ausfällt - und wohl eher im Sommer oder Herbst stattfindet. Denn viele Konzerne haben ihre HVs verschoben. Die Änderung des Aktienrechts erlaubt es aber, erstmals in der Geschichte eine Online-HV durchzuführen. Bayer will als erstes Dax-Mitglied diese Möglichkeit nutzen. Ob die Allianz, die Münchener Rück und andere Konzerne dem Beispiel von Bayer folgen, wird sich zeigen.

nb