Deutsche Wohnen AG-Zentrale in Berlin

Stetig nach oben Die Deutsche Wohnen unter der Lupe

Stand: 22.06.2020, 06:33 Uhr

Heute ist die Deutsche Wohnen in den Dax aufgestiegen und hat dort die von Corona gebeutelte Lufthansa ersetzt. Das Unternehmen ist nach Vonovia der zweite große Immobilienkonzern im Dax. Ähnlich wie Vonovia gilt die Deutsche Wohnen nicht als besonders mieterfreundlich.

Wer sich auf die Suche nach den Ursprüngen des in Berlin ansässigen Dax-Neulings "Deutsche Wohnen" macht, der muss nach Frankfurt gehen. Denn dort wurde das Immobilienunternehmen bereits 1998 gegründet - und zwar von Deutschlands größtem Geldhaus, der Deutschen Bank. Schon damals profitierte die Deutsche Wohnen vom Trend der Privatisierung von Wohnungsbeständen. Mit frisch erworbenen Immobilien der Pensionskasse der damaligen Hoechst AG und Immobilien, die dem Bundesland Rheinland-Pfalz abgekauft wurden, ging die Deutsche Wohnen ein Jahr später an die Börse.

Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre
Kurs
40,72
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Seit der Abnabelung von der Deutschen Bank im Jahr 2006 und speziell mit dem Amtsantritt von Unternehmens-Chef Michael Zahn ein Jahr später setzt die Deutsche Wohnen auf eine starke Expansion. 2007 hatte die Deutsche Wohnen noch 50.000 Wohnungen. Im selben Jahr übernahm man die Gehag vom Land Berlin, fünf Jahre später die Baubecon und 2013 die ebenfalls privatisierte GSW Immobilen AG.

Mittlerweile gehören dem Unternehmen rund 163.000 Wohnungen, davon rund 111.000 in Berlin. Viele davon sind ehemalige Sozialwohnungen, von denen wiederum viele aus der Sozialbindung gefallen sind. Dazu kommen zahlreiche Gewerbeimmobilien bis hin zu Pflegeheimen. Vor zehn Jahren kostete eine Deutsche-Wohnen-Aktie rund sechs Euro, nun sind es mehr als 40 Euro.

Berlin im Fokus

Die starke Konzentration auf die Bundeshauptstadt ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits hat sich in den vergangenen Jahren wohl kaum ein Immobilienmarkt für Häuser und Wohnungen in Deutschland so stark entwickelt wie der in Berlin. Andererseits haben die stark gestiegenen Kaufpreise und Mieten Politik und empörte Bürger auf den Plan gerufen.

Das Volksbegehren "Deutsche Wohnen enteignen" einer Bürgerinitiative wird dabei sogar von der Linkspartei unterstützt, die gleichzeitig die Berliner Bausenatorin Katrin Lompscher stellt. Verschiedene Berliner Bezirke versuchen inzwischen ein Vorkaufsrecht bei der Veräußerung von Mietshäusern auszuüben, sobald Konzerne Interesse zeigen.

Streitobjekt Mietendeckel

Zusätzlich bekommt das Unternehmen den im Februar in Kraft getretenen Berliner Mietendeckel zu spüren. Dieser sorgte dafür, dass Vermieter wie die Deutsche Wohnen Mieterhöhungen ab Mitte Juni 2019 zurücknehmen mussten und sich bei Neuvermietungen an Obergrenzen zu halten haben. Zudem müssen Vermieter in Berlin zum 23. November Bestandsmieten reduzieren, die mehr als 20 Prozent über der zulässigen Obergrenze liegen. Laut dem neuen Dax-Unternehmen sind 30 Prozent seiner Berliner Wohnen davon betroffen.

Das Unternehmen rechnet allein in diesem Jahr mit Mietausfällen von neun Millionen Euro durch das Gesetz, im nächsten Jahr sollen es sogar 30 Millionen Euro sein.

Allerdings gab sich der Konzern zuletzt aber zuversichtlich, dass der Mietendeckel keinen Bestand haben wird. Unterstützung gibt es dabei von der Politik: Union und FDP in Berlin haben eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht und beim Landesverfassungsgericht eingereicht.

Hohe Nachzahlungen möglich

In den Verträgen neuer Mieter ist deshalb eine sogenannte Schattenmiete enthalten. Dabei wird die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch zulässige Miete vereinbart. Es wird aber nur die Summe verlangt, die der Mietendeckel erlaubt. Sollte das oberste deutsche Gericht den Mietendeckel aufheben, müssten die Mieter die Differenz nachzahlen.

Doch selbst wenn der Mietendeckel Bestand haben sollte, würde dieser das Unternehmen nicht umhauen. Im vergangenen Jahr erzielte die Deutsche Wohnen einen Jahresüberschuss von rund 1,5 Milliarden Euro.

ME

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