Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
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Stresstest in den USA Die Deutsche Bank hat ihr Zeugnis schon

Stand: 28.06.2019, 17:39 Uhr

Endlich mal gute Nachrichten für die Deutsche Bank: Das Geldhaus hat auch den zweiten Teil des jährlichen US-Stresstests für große Finanzkonzerne mit seiner amerikanischen Tochter bestanden. Anleger und Analysten freut's.

Die Aktie der Deutschen Bank legte am Freitag 3,32 Prozent zu auf 6,78 Euro und war Tagessieger im Dax. Sie setzte damit ihren jüngsten Aufwärtstrend fort, nachdem sie noch zu Beginn des Monats auf ein Allzeittief von 5,80 Euro gefallen war. Lob bekommen die Frankfurter auch von unerwarteter Seite.

Analyst Jernej Omahen von Goldman Sachs zeigte sich überrascht: Dass die Deutsche Bank diesmal durchgekommen sei, hätten die Investoren nicht auf der Rechnung gehabt, sagte er. Auch wenn die Ergebnisse der zweiten Runde des jährlichen Stresstests laut Omahen wohl keine bedeutenden Auswirkungen auf das operative Geschäft der Institute hätten, seien sie doch gerade für die Deutsche Bank ein positives Signal. Denn für die Frankfurter sei es in der Vergangenheit nicht immer gut gelaufen. So war die Bank in den vergangenen Jahren mit ihrem US-Geschäft dreimal bei der Prüfung durchgefallen.

Bereits ersten Teil bestanden

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) teilte am Abend mit, sie habe keine Einwände gegen die Kapitalpläne der Deutschen Bank. Auch alle anderen zur Teilnahme verpflichteten Institute erhielten grünes Licht, die Credit Suisse allerdings nur unter Auflagen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,13
Differenz relativ
+3,02%

Den ersten Teil der jährlichen Belastungsprobe, bei der die Fed die Kapitalausstattung anhand simulierter Krisenszenarien testet, hatte die Deutsche Bank in der Vorwoche bereits ohne Probleme bewältigt. Beim zweiten Teil, bei dem es vor allem um interne Kontrollen und das Risikomanagement geht, galt dies jedoch als ungewiss. In diesen Bereichen hatte die Deutsche Bank lange Zeit Schwächen, so dass es keine Überraschung gewesen wäre, wenn die Fed etwas bemängelt hätte. Entsprechend groß war die Erleichterung in Frankfurt.

"Hervorragende Nachrichten"

"Das sind hervorragende Nachrichten", schrieb Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in einer Rundmail an die Mitarbeiter des Geldhauses. "Diese Überprüfung erfolgreich zu absolvieren, war eines der wichtigen Ziele, die wir uns vor einem Jahr gesetzt hatten." Der Erfolg sei ein großer Fortschritt für das Geschäft der Deutschen Bank in den USA und weltweit. "Eine starke Präsenz in den Vereinigten Staaten ist für unsere Kunden ganz entscheidend." Das Ergebnis belege zudem, dass das Unternehmen mit den Aufsichtsbehörden "eng und vertrauensvoll" zusammenarbeite.

Trotz der positiven Fed-Bewertung scheint das Geldhaus in den USA aber noch nicht aus dem Schneider. Jüngst erst berichtete die "New York Times" über neue Ermittlungen wegen des Verdachts möglicher Verstöße gegen Anti-Geldwäschegesetze. Und die "Financial Times" verwies auf Probleme im amerikanischen Kreditgeschäft.

Integration der Postbank schreitet voran

Christian Sewing als Paketbote

Sewing will liefern. | Bildquelle: dpa, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Tatsächlich musste die Bank wegen Verfehlungen ihrer Investmentbanker viele Milliarden Dollar Strafe in den USA zahlen. Dennoch ist das Institut offenbar aus dem Gröbsten raus und arbeitet intensiv an seiner Neuausrichtung. Wie das "Handelsblatt" berichtete, könnte es in Kürze eine Einigung über die Postbank-Integration geben, vielleicht schon im Juni, spätestens aber im Juli. Bei den Verhandlungen gehe es um den Abbau von zusammen knapp 2.000 Stellen. Die Bank wollte diese Zahlen nicht kommentieren.

Bankchef Christian Sewing hat sich vorgenommen, dank der Integration der Postbank ab 2022 jährliche Synergien von 900 Millionen Euro zu heben. Und das ist noch nicht alles: Die Bank werde weitere Projekte wie die Integration der beiden Zentralen nun beschleunigen, versicherte Sewing.

Was wird aus dem Investmentbanking?

Noch weitgehend unbekannt ist die Frage nach der Zukunft des Investmentbankings. Die gemessen an den Einnahmen noch immer wichtigste Sparte des Bankhauses ist auch ihr größtes Sorgenkind. Die seit 2008 gezahlten Milliarden schweren Strafen gehen alle auf das Konto der Investmentbanker und machten mehrere Kapitalerhöhungen nötig. Gleichzeitig geht der Schrumpfungsprozess der Sparte weiter.

Im ersten Quartal sind die Erträge weiter gesunken. Am Ende stand ein Verlust von 88 Millionen Euro. Dennoch scheint sich die Lage auch hier gebessert zu haben. Im Beratungs- und Emissionsgeschäft konnte die Deutsche Bank sogar Marktanteile gewinnen. Bei Börsengängen in den USA lag sie zeitweise auf Platz eins. Damit haben die Investmentbanker bewiesen, dass sie doch noch in der Lage sind, Mehrwert zu schaffen.

lg/dpa-AFX