Notausgangsschild an der Frankfurter Börse
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Frankfurter Aktienmarkt im Blick Die Börse hakt das Jamaika-Aus ab

Stand: 20.11.2017, 13:13 Uhr

Nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche in Berlin wird es zunächst keine handlungsfähige Regierung in Berlin geben. Die Märkte sind trotzdem nur kurz beeindruckt.

Am Mittag notierte der Dax zeitweise um 0,4 Prozent höher bei 13.040 Punkten, nachdem er zu Handelsbeginn um bis zu einem halben Prozent auf 12.926 Punkte eingebüßt hatte. "Wir erwarten nicht, dass es zu einer veritablen politischen Krise beziehungsweise zu einem nachhaltigen Kurswechsel in der deutschen Politik kommt", sagte Volkswirt Jan Bottermann von der Essener National-Bank. "Für die Märkte maßgeblich ist das gute internationale Umfeld, das der deutschen Wirtschaft auch weiterhin ein kräftiges Wachstum bescheren wird."

Trotz des Scheiterns dürfe die deutsche Wirtschaft weiter kräftig wachsen, kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Denn angefacht durch die lockere EZB-Geldpolitik besitze sie so viel Schwung, dass sich die zahlreichen, politisch zu lösenden Probleme Deutschlands vorerst nicht bemerkbar machen würden.

Energiekonzerne profitieren

Ein Blick auf Einzelaktien zeigt, wie unterschiedlich die Reaktionen ausfallen. Gegen den schwachen Trend stieg die Aktie des Energiekonzerns RWE um rund vier Prozent an. Auch die Papiere des Konkurrenten Eon legten zu. Versorger-Aktien hatten zuletzt im Zuge der Jamaika-Verhandlungen in Berlin teils unter der andauernden Diskussion über Schließungen von Kohlekraftwerken gelitten.

Umweltaktien leiden

Eine schwindende Hoffnung auf einen raschen Ausbau der Erneuerbaren Energien setzten Nordex-Papieren zu. Die Aktien des Windkraftanlagen-Herstellers rutschten zeitweise um mehr als sechs Prozent ab. Der Solarindustrie-Zulieferer SMA Solar verlor rund vier Prozent.

Der Euro gibt nach

Der Euro gab um bis zu knapp einen Cent auf 1,1723 US-Dollar nach, um danach sogar wieder über die Marke von 1,18 zu klettern. "Wie es politisch in Berlin weitergeht, kann man heute Morgen nur schwer beurteilen. Jedoch ist das momentan gar nicht das Thema am Devisenmarkt", betonte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Entscheidender seien die Entwicklung der Konjunktur und die anstehende Drosselung der EZB-Geldspritzen.

Nach einer nachhaltigen Verunsicherung sieht es also nicht an der Börse aus. Bereits ein altes Sprichwort an der Börse lautet: "Politische Börsen haben kurze Beine."

ME