Wochenausblick

Zahlenflut voraus Die Börse bleibt in schwierigem Fahrwasser

von von Robert Minde

Stand: 28.10.2018, 15:20 Uhr

Viele frische Unternehmenszahlen erwarten die Anleger in der kommenden Woche. Die Vorfreude hält sich allerdings in Grenzen. Denn die zahlreichen politischen Querelen weltweit beginnen, sich in den Bilanzen der Firmen niederzuschlagen.

Dies jedenfalls ist die Botschaft des bisherigen Verlaufs der Berichtssaison für das dritte Quartal. Die Börse reagierte prompt. Über acht Prozent hat der Dax im Oktober bereits verloren, davon gut drei Prozent in der abgelaufenen Woche.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Die Erwartungen an die Entwicklung der Unternehmensgewinne waren zu Beginn der Berichtssaison einfach zu hoch", sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Nach den nun überwiegend enttäuschenden Ergebnissen und Ausblicken ist die Hoffnung auf eine Erholungsrally verflogen."

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Die Stimmung der Anleger leidet zudem unter den bekannten politischen Dauerstreitigkeiten weltweit. So etwa zwischen Italien und der EU, den USA und China, einem drohenden chaotischen Brexit, dem beginnenden Ölboykott gegen den Iran und zuletzt auch noch die Krise um die Tötung des saudischen Journalisten Khashoggi, bei dem das saudische Königshaus immer mehr in die Defensive gerät. Ein schwieriges globales Minenfeld, das die Börse stets im Blick haben muss, wenn es ab Montag gilt, eine ganze Flut von Quartalszahlen zu beurteilen.

Berichtssaison nimmt Fahrt auf

Waren es aber bisher eher vereinzelte Gewinnausweise, erwartet der heimische Markt in der kommenden Woche eine geballte Ladung neuer Zahlen. Allein ein halbes Dutzend Dax-Mitglieder öffnen ihre Bücher (unter anderem VW, Lufthansa und die Deutsche Börse), zudem zahlreiche Unternehmen aus der zweiten Reihe. Und auch international geht es mit Volldampf weiter, sowohl in Europa, als auch in den USA. Banken und Ölfirmen präsentieren ihre Ergebnisse.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,43
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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155,94
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Deutsche Börse : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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139,25
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In Europa werden vor allem die Zahlen der Banken Beachtung finden (unter anderem BNP Paribas und Banco Santander), denn Sorgenkind Italien sorgt derzeit dafür, dass die Angst vor einer Eurokrise 2.0 in den Köpfen vieler Investoren umgeht. Ein weiterer Renditeanstieg italienischer Staatsanleihen könnte dieses Szenario sehr schnell wieder auf die Tagesordnung bringen - und das will wohl niemand mehr. Aber die Fronten zwischen der EU und Rom scheinen verhärtet und die Ratingagenturen beginnen bereits, das Land schlechter zu beurteilen. Am Freitag werden dann noch die Ergebnisse des jüngsten Bankenstresstests der europäischen Bankenaufsicht EBA erwartet. Vor allem italienische Banken dürften besonders im Fokus stehen.

Die Stimmung der Investoren sei derzeit mehr als angeknackst, urteilt Aktienstratege Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Es sehe alles danach aus, als ob es der Dax nicht schaffe, bis Mitte der neuen Woche die Marke von 11.500 Punkten zurückzuerobern. Ein Test der psychologisch wichtigen Marke von 11.000 Punkten ist nach Meinung vieler Börsenexperten nur noch eine Frage der Zeit.

Technische Analysten verweisen zudem darauf, dass bisher trotz der Verluste keine Panik im Markt sei, im Gegenteil. Ein Ende einer Abwärtsbewegung ist aber meist erst dann zu erwarten, wenn genau eine solche Panik zu Verläufen auf breiter Front führt.

Techwerte im Fokus

Vor allem auf den Technologiesektor werden die Anleger weiter genau schauen, hat dieser doch zuletzt in Amerika kräftig Federn lassen müssen. Mit Apple und Facebook legen zwei weitere US-Schwergewichte Zahlen vor. Amazon und die Google-Mutter Alphabet hatten in der vergangenen Woche zwar Milliardengewinne ausgewiesen, die hohen Erwartungen des Marktes aber enttäuscht. Geht die Ernüchterung auch in der kommenden Woche weiter?

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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199,72
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Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Was macht die Fed?

Unter den Konjunkturdaten der kommenden Woche stechen vor allem die Arbeitsmarktdaten in den USA heraus. Am Freitag wird die offizielle Statistik des Oktober vorgestellt, einen Tag vorher gibt der private Vermittler ADP schon mal einen Vorgeschmack.

Jerome Powell und die Zinsen

Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Hinter den Zahlen steht die Frage, in welchem Tempo die Notenbank Federal Reserve unter ihrem Chef Jerome Powell zukünftig an der Zinsschraube drehen wird. Zuletzt war das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal zwar etwas gesunken, Amerikas Verbraucher bleiben aber konsumfreudig wie selten. Daten zum Verbrauchervertrauen im Oktober werden am Donnerstag sowohl in den USA als auch in Deutschland und der EU erwartet.

Von der Fed hängt mal wieder viel ab, nicht nur für den Aktien- und Rentenmarkt. Auch für viele Schwellenländer, aus denen Dollar-Investoren derzeit ihr Geld nach Hause holen und zu attraktiven und risikolosen Konditionen anlegen können.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zweijährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell bei 2,81 Prozent, da kann so mancher Sturm (risikolos) ausgesessen werden. Von solchen Sätzen können Euro-Anleger derzeit nur träumen, der Euro bleibt also weiterhin wegen des hohen Renditeabstands zum Dollar unter Druck.

Wahlen beachten

Schließlich muss die Börse auch auf anstehende Wahlen blicken. Wie geht die Landtagswahl in Hessen aus und kann sie womöglich das Ende der Berliner Regierung einläuten? Schließlich gehen auch die Kongresswahlen in Amerika auf die Zielgerade, wo am 6. November abgestimmt wird. Kann Präsident Trump weiter so uneingeschränkt schalten und walten wie will? Für den Handelskonflikt mit China ein wichtiges Signal, dass die Wall Street sehr genau wahrnehmen wird. In Teilen des Bundesgebiets ist am 1. November übrigens Feiertag, die Frankfurter Börse ist aber normal geöffnet.

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Hingucker der Woche Von Apple bis VW

<strong>Gea: </strong>Der Auftakt der mit Ergebnisausweisen prall gefüllten<strong> </strong>Woche verläuft am Montag noch relativ überschauber. So wird der Maschinenbauer Gea aus dem MDax ab 7:30 Uhr seine Bücher öffnen und über das dritte Quartal berichten. : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Gea: Der Auftakt der mit Ergebnisausweisen prall gefüllten Woche verläuft am Montag noch relativ überschauber. So wird der Maschinenbauer Gea aus dem MDax ab 7:30 Uhr seine Bücher öffnen und über das dritte Quartal berichten.