David Folkerts-Landau, Deutsche Bank
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Deutsche Bank-Chefvolkswirt kritisiert Ära Ackermann Die Abrechnung

Stand: 22.05.2018, 14:46 Uhr

Nun auch noch David Folkerts-Landau. Der Chefökonom der Deutschen Bank macht das Management der letzten 20 Jahre für die heutige Schieflage des Geldhauses verantworlich - und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Doch der in die Kritik geratene Josef Ackermann kontert umgehend.

"Die harte Wahrheit ist, dass fundamentale, strategische Entscheidungen des Managements und des Aufsichtsrates in der Zeit von Mitte der neunziger Jahre bis 2012 die Bank in diese Lage gebracht haben", sagte der Ökonom dem "Handelsblatt". Ursächlich sei ein tiefes Missverständnis der handelnden Personen gewesen, hinsichtlich der kulturellen Unterschiede zwischen dem angelsächsischen Investmentbanking und der Art, wie in Deutschland das Bankgeschäft betrieben wurde, so Folkerts-Landau.

Die damaligen Vorstandschefs hätten eine ungezügelte und unkontrollierte Expansion im Kapitalmarktgeschäft eingeleitet, unter deren Folgen die Bank bis heute leide. "Die Führung der Bank überließ seit Mitte der 90er Jahre die operative und strategische Kontrolle des Kapitalmarktgeschäfts den Händlern", sagte der Chefökonom.

Reverse takeover

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Weder der Aufsichtsrat noch der Vorstand der Bank hätten Mitte der 90er Jahre das "Wertpapierhandelsgeschäft vollständig durchdrungen". Auch hätten sie nicht verstanden, dass ein "reverse takeover", also eine umgekehrte Übernahme der Bank durch die Global Markets-Abteilung stattgefunden habe.

"Man hätte auch besser daran getan, wie heute den Aufsichtsrat mit erfahrenen Fachleuten zu besetzen. Der damaligen Führung war die neue Welt des Investmentbankings völlig fremd", so der Ökonom. Auch seien die Kontrollmöglichkeiten des Aufsichtsrats durch die Verkleinerung des Vorstands in der Ära Ackermann und der Einrichtung eines Group Executive Committees noch weiter reduziert worden.

Aus der Balance geraten

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Imago

Folkerts-Landau kritisierte insbesondere Josef Ackermann, der von 2002 bis 2012 an der Spitze der Bank stand und der das Wachstum in der Investmentbank nochmals forcierte. "Ackermann war dabei auf das magische Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern fixiert. Dieses war damals aber nur unter Inkaufnahme großer finanzieller und ethischer Risiken zu erreichen." Ackermann habe es zudem versäumt, nach der Finanzkrise die Strategie zu ändern.

Die Balance zwischen Vermögensverwaltung, Private Banking, Beratung und Handel sei in den 2000er Jahren aus den Fugen geraten. "Darin liegt der Sündenfall", so Folkerts-Landau.

In der Ernennung von Christian Sewing zum Vorstandschef sieht der Ökonom einen "epochalen Wandel". "Nach 16 Jahren ist wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank", sagte Folkerts-Landau in dem Interview. "Er kann den Mitarbeitern, ob in Eschborn oder in New York, die Zuversicht in die Zukunft ihrer Bank zurückgeben - und das tut er bereits."

Ackermann verteidigt sich

Ackermann kommentierte das Interview gegenüber der "NZZ" mit den Worten, es handle sich um einen ebenso durchsichtigen wie untauglichen Versuch, von eigenen Fehlern und der Tatsache abzulenken, dass direkte Wettbewerber im Investmentbanking, mit denen die Deutsche Bank einmal auf Augenhöhe gewesen sei, heute viel besser da stünden. "Als ich die Bank vor sechs Jahren übergeben habe, erzielte sie stattliche Gewinne", sagt Ackermann, "an die vier Milliarden Euro vor Steuern allein außerhalb des Investmentbankings".

In einem früheren Interview mit der "Zeit" hatte Ackermann zudem darauf hingewiesen, dass die Bank sich nach der Krise neu positioniert habe, etwa mit dem Kauf der Postbank, aber auch von Sal. Oppenheim oder der Berliner Bank. Zudem sei zunächst auch in der Nach-Ackermann-Ära gutes Geld verdient worden. So erwirtschaftete die Deutsche Bank in den Jahren 2012 bis 2014 unter Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein kumuliertes Ergebnis vor Steuern von fünf Milliarden Euro. Durch die Strafzahlungen im Zusammenhang mit den zahlreichen Exzessen vor der Finanzkrise wurden diese Erfolge allerdings wieder zunichte gemacht.

lg