Ola Källenius
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Nach Milliardenverlust im zweiten Quartal Daimler-Chef tritt auf die Kostenbremse

Stand: 24.07.2019, 10:00 Uhr

Zwei Gewinnwarnungen binnen drei Wochen: Schlechter hätte der Start für den neuen Daimler-Chef Ola Källenius wohl kaum sein können. Im zweiten Halbjahr soll nun alles besser werden, verspricht Källenius. Er plant radikale Einsparungen und ein "Umdenken zu mehr Cash".

Bis November will der Schwede, der Ende Mai den langjährigen Konzernlenker Dieter Zetsche ablöste, einen Sparplan vorlegen. Er wolle keine halbgaren Antworten geben, sondern einen umfassenden Plan zur künftigen Strategie auf einem Kapitalmarkttag am 14. November in London vorstellen.

Effizienzprogramm intensiviert

Ein Effizienzprogramm sei schon begonnen und wegen des Verlusts im zweiten Quartal noch intensiviert worden, sagte Källenius am Mittwoch. Details blieb er allerdings schuldig.

Der neue Finanzvorstand Harald Wilhelm erklärte, die Investitionen und das Modellportfolio würden überprüft. Die Ausgaben sollten nicht kurzfristig zusammengestrichen werden, doch er stellte einen kostendämpfenden Effekt ab dem kommenden Jahr in Aussicht.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler hatte in den vergangenen Jahren viele Milliarden in neue Produkte und Technologien wie Elektroautos und autonomes Fahren gesteckt. Doch jetzt hat der Autobauer mit milliardenschweren Altlasten des Dieselskandals und anderen hausgemachten Problemen in der Produktion zu kämpfen.

1,2 Milliarden Verlust wegen Dieselskandal und Rückrufen

Erstmals seit langem fuhr der schwäbische Autobauer im zweiten Quartal einen Verlust ein. Unterm Strich verzeichnete der Premiumklasse-Anbieter ein Minus von 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro gegeben. Mitte Juli hatte Daimler bereits einen operativen Verlust von 1,6 Milliarden Euro für das zweite Quartal verkündet und zum zweiten Mal in kurzer Zeit seine Jahresprognose gesenkt.

Schuld sind stark gestiegene Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Dieselskandal sowie für Rückrufe wegen möglicher Airbag-Probleme. Außerdem bekommt Daimler die Flaute auf vielen Märkten zu spüren und hat dazu noch Anlaufschwierigkeiten mit neuen Modellen.

"Wollen im zweiten Halbjahr das Blatt wenden!"

Im zweiten Halbjahr will der Autobauer die Kurve kriegen und wieder deutlich besser abschneiden. "Wir wollen bei Mercedes in der zweiten Jahreshälfte das Blatt  wenden", versprach Källenius. Die Modellverfügbarkeit bei Mercedes solle deutlich steigen.

Zum gestern bekannt gewordenen Einstieg des zweiten chinesischen Großaktionärs BAIC äußerte sich Källenius am Mittwoch nicht. Gestern "Der chinesische Markt ist und bleibt eine entscheidende Säule unseres Erfolgs – nicht nur für den Absatz, sondern auch für unsere Entwicklung und Produktion", hatte Källenius gestern betont. Die Beijing Automotive Group, langjähriger Partner, übernimmt rund fünf Prozent der Daimler-Anteile. Als größter Aktionär hält der Gründer des chinesischen Autobauers Geely, Li Shufu, knapp zehn Prozent an Daimler.

Aktie stagniert

Die heutigen Ankündigungen des neuen Konzernlenkers von Daimler reichen den Anlegern nicht. Die Aktie des Autobauers tritt am Morgen auf der Stelle. Seit Jahresbeginn hinkt der Autotitel dem Dax hinterher. Er hat gerade mal vier Prozent zugelegt. Der Dax gewann in diesem Jahr bislang schon fast 18 Prozent.

nb

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1883: Gründung Benz & Cie.

Im Jahr 1883 gründet der Ingenieur Carl Benz (1844-1929) die "Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim" zusammen mit Max Caspar Rose und Friedrich Wilhelm Eßlinger. Durch sein neues Unternehmen sieht Benz bessere Möglichkeiten, um den zuvor entwickelten, ersten funktionierenden Zweitaktmotor zu vermarkten. Schnell werden 800 Stationärmotoren verkauft.