Dialog Semiconductor-Prozessor
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300 Ingenieure übernommen Apple kauft sich bei Dialog ein

Stand: 11.10.2018, 18:08 Uhr

Seit Jahren beliefert das deutsch-britische Unternehmen Dialog Semiconductor Apple mit Chips. Nun kauft sich der iPhone-Hersteller bei dem Unternehmen ein. Die Aktionäre sind aus dem Häuschen.

Die im TecDax und im SDax notierte Aktie von Dialog legte am Donnerstag traumhafte 26,7 Prozent auf 21,00 Euro zu. In der Spitze waren es sogar rund 34 Prozent. Es war der größte Kurssprung der Aktie seit 16 Jahren.

Damit begrüßen die Anleger die Nachricht von heute morgen, dass Apple Teile von Dialog übernehmen will. Für 300 Millionen Dollar kauft der iPhone-Hersteller Patente, mehrere Büros - darunter die deutschen in Nabern und Neuaubing. Dazu übernimmt er 300 Ingenieure. Zudem zahlt Apple weitere 300 Millionen Dollar vorab für die Lieferung von Halbleitern in den nächsten drei Jahren. Der kalifornische Konzern bindet sich damit länger an den Chipentwickler, mit dem das Unternehmen seit den Anfangstagen des iPhones zusammenarbeitet.

16 Prozent der Dialog-Belegschaft

Apple stärkt mit dem Deal den europäischen Chipmarkt. Die rund 300 übernommenen Ingenieure, die rund 16 Prozent der Dialog-Belegschaft ausmachen, werden in Europa bleiben und sich hauptsächlich mit Forschung und Entwicklung beschäftigen. Größtenteils haben sie bereits indirekt für Apple gearbeitet.

Neben den nun hinzukommenden Dialog-Büros in Deutschland, Italien und dem britischen Swindon betreibt der Apple bereits Chipdesign-Zentren in München und St. Albans in Großbritannien. Laut Dialog soll der Deal in der ersten Jahreshälfte 2019 über die Bühne gehen. Das Unternehmen verspricht sich dadurch Einsparungen im operativen Betrieb von 35 Millionen Euro jährlich.

Umsatzbeitrag von Apple fällt

Ende Mai hatte Dialog gewarnt, dass die Firma Aufträge von Apple verlieren könnte, weil der iPhone-Konzern eigene Chips zur Stromsteuerung entwickele. Das setzte den Kurs zeitweise stark unter Druck. Die Anleger hatten das Beispiel der britischen Chip-Firma Imagination Technologies vor Augen, die an der Börse abstürzte und schließlich übernommen wurde, nachdem sie Apple als Kunden verlor.

Dialog Semiconductor betonte am Morgen, man habe eine breite Palette an Aufträgen von Apple unter anderem für Technik zum Strommanagement, dem Aufladen von Batterien und Audiosysteme erhalten. Erste Umsätze aus diesen Vereinbarungen sollen 2019 fließen und in den Jahren 2020 und 2021 zulegen. Allerdings wird der Umsatzbeitrag von der Zusammenarbeit mit Apple von derzeit 75 Prozent auf 35 bis 40 Prozent sinken.

Nach der Veröffentlichung der nächsten Quartalszahlen will Dialog zudem ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu zehn Prozent seiner im Umlauf befindlichen Aktien in die Wege leiten. Die DZ Bank hat ihre Einstufung für Dialog nach der Vereinbarung mit Apple auf "verkaufen" gesenkt. Den fairen Wert schätzt sie nun auf 16,40 Euro.

lg