Ein Mitarbeiter der Deutz AG schraubt im Werk Eil in Köln an einem Motor

Aktie macht Salto rückwärts Deutz: Gewinnsprung und das große "Aber"

Stand: 11.07.2018, 11:57 Uhr

Scheinbar verkehrte Welt beim Motorenbauer aus dem SDax. Deutz legte am Morgen durchaus gute Zahlen zum abgelaufenen Quartal vor. Doch Anleger schauen vor allem auf die künftige Geschäftsentwicklung - und die bleibt erst einmal unklar.

Undurchsichtige Zukunftsaussichten lassen bei Anlegern gerne einen Fluchtreflex entstehen. Das muss am Mittwoch die Deutz-Aktie ertragen, die rund fünf Prozent verliert und damit der schwächste Wert im Nebenwerteindex ist. Deutz-Chef Frank Hiller wollte am Mittwoch nämlich keine Anhebung der aktuellen Ergebnisprognosen vornehmen. Das aber war am Markt erwartet worden.

Autoproduktion belastet

Der Grund für die Prognose-Zurückhaltung lässt ebenfalls aufhorchen: Bei einem wichtigen Zulieferer, der Neue Halberg-Guss (NHG) tobt seit Wochen ein Arbeitskampf, der inzwischen die Autoproduktion belastet. Die IG Metall will einen Sozialtarifvertrag bei dem zur Prevent-Gruppe gehörenden Lieferanten von Motorblöcken durchsetzen. Nach ihren Angaben will NHG das Werk in Leipzig mit 800 Mitarbeitern schließen, in Saarbrücken sollen 300 von aktuell 1.500 Stellen wegfallen.

Mit der Prevent-Gruppe liegt auch der Volkswagen-Konzern schon seit längerem im Clinch. Hinter Prevent steht die bosnische Unternehmerfamilie Hastor. Vor zwei Jahren hatte ein Lieferstreit zwischen Prevent und VW über die Lieferung von Teilen zeitweise die Produktion des Autobauers lahmgelegt.

Harte Zahlen können gefallen

Ohne die Bedrohung durch den Zwist bei der NHG würden Investoren sicherlich anders auf das Zahlenwerk von Deutz reagiert haben. Der Kölner Konzern hat im zweiten Quartal sein operatives Ergebnis um über 70 Prozent auf 26 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz legte um 21,2 Prozent auf 463 Millionen Euro zu, der Auftragseingang übertraf mit 522 Millionen Euro den Vorjahreswert um 30,5 Prozent.

Die Deutz-Aktie hatte sich in den vergangenen beiden Jahren sukzessive immer weiter nach oben gearbeitet, dauerhaft prallen Auftragsbüchern sei Dank. Seit einem Jahreshoch bei 8,90 im Frühjahr ging es allerdings in den Folgemonaten bis auf 6,44 Euro abwärts. Mit Kursen von knapp 7,00 Euro schien sich der Titel eigentlich gerade aus einem kurzfristigen Abwärtstrend zu befreien, nun wird die Deutz-Aktie einen neuen Anlauf nehmen müssen.

AB