Christian Sewing
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Quartalsgewinn bricht ein Deutsche Bank setzt auf Europa

Stand: 26.04.2018, 13:57 Uhr

Mit einem massiven Gewinneinbruch ist die Deutsche Bank in das neue Geschäftsjahr gestartet. Die neue Leitung unter Christian Sewing kündigt große Veränderungen an: Investmentbanking und US-Geschäft sollen deutlich verkleinert werden.

"Unsere Wurzeln liegen in Europa - hier wollen wir Unternehmen und institutionellen Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten", erklärte Sewing. "Darauf werden wir uns künftig noch viel stärker konzentrieren." Diese Lehren hat der neue Vorstandschef offenbar aus der schwierigen Situation der Bank gezogen, die sich auch in den aktuellen Quartalszahlen niederschlägt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im ersten Quartal ging der Gewinn unter dem Strich deutlich zurück auf 120 Millionen Euro, die Erträge gaben um fünf Prozent auf sieben Milliarden Euro nach. Im ersten Quartal 2017 hatte das Institut noch einen Nettogewinn von 575 Millionen Euro eingefahren. Fachleute hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, das Ausmaß übersteigt jedoch die Erwartungen.  

Vor allem die Investmentbank musste kräftig Federn lassen. Die Erträge der Sparte sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Der Vergleich mit der US-Konkurrenz dürfte das Management schmerzen, denn die US-Banken hatten zuletzt hohe Gewinne eingefahren – auch und gerade im Segment Investmentbanking.

Deutsche Bank

Deutsche Bank: Abschied von den globalen Ambitionen. | Bildquelle: Imago

Europa wird wichtig

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Deutsche Bank unter Druck - neuer Chef mit neuer Strategie

Jetzt reagiert der Vorstand: Der erst seit zweieinhalb Wochen amtierende Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing streicht das Investmentbanking zusammen. Im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft konzentriere sich die Deutsche Bank künftig vorrangig auf jene Bereiche, die einen Bezug zu ihren europäischen Kunden hätten, teilte die Deutsche Bank mit.

In den USA und in Asien werde sie ihr Geschäft dort reduzieren, wo es kaum grenzüberschreitende Aktivitäten gibt. Auch das Zinsgeschäft in den USA wird deutlich verkleinert. Das weltweite Aktiengeschäft werde der Vorstand genau prüfen, hieß es. Auch hier dürfte das Geschäft in bestimmten Bereichen zurückgefahren werden.

Billig ist das nicht

"Wir schrauben ganz klar unsere Ambitionen zurück", sagte Finanzchef James von Moltke dem Sender CNBC am Donnerstag in Frankfurt. "Die Ergebnisse im ersten Quartal zeigen die Notwendigkeit sofort zu handeln", sagte Sewing.

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

James von Moltke. | Bildquelle: Unternehmen

Kosten wird die von Investoren schon länger geforderte Operation am offenen Herzen der Investmentbank eine ganze Menge: In diesem Jahr steigen die Ausgaben für den Umbau um 300 Millionen Euro auf rund 800 Millionen. Das Institut will 2018 dennoch profitabel bleiben. Einen Gutteil der Kosten verursachen Abfindungen für Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden. Wieviele genau gehen müssen, wollte Sewing nicht sagen, betonte aber, es werde eine "signifikante" Zahl sein. Derzeit arbeiten in aller Welt rund 98.000 Menschen für die größte deutsche Bank.

Die Anleger wissen offenbar nicht, was sie von den Zahlen und dem Strategiewandel halten sollen. Zunächst gab der Dax-Titel zeitweise um über vier Prozent nach, drehte dann aber ins Plus. Aktuell notieren die Titel wieder rund zwei Prozent leichter.

ts/rtr/dpa