Deutsche Wohnen AG-Zentrale in Berlin
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Trotz Enteignungs-Debatte in Berlin Höhere Mieten machen Deutsche Wohnen reicher

Stand: 26.03.2019, 07:39 Uhr

In Berlin bläst dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen derzeit eisiger Wind entgegen. Eine Initiative will private Wohnungskonzerne enteignen. Wie wichtig das Geschäft in der deutschen Hauptstadt für die Deutsche Wohnen ist, zeigt die Jahresbilanz.

Steigende Mieten, insbesondere in Berlin, haben der Deutschen Wohnen 2018 einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Das in der Branche viel beachtete operative Ergebnis (Funds from Operations 1, kurz FFO1) kletterte im Jahresvergleich um elf Prozent auf knapp 480 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 2018 knapp 1,9 Milliarden Euro als Gewinn hängen. Das war ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von fast sechs Prozent.

In Berlin steigen die Mieten überdurchschnittlich

Die Mieten stiegen auf vergleichbarer Basis um 3,4 Prozent, in Berlin sogar um 3,6 Prozent. Deutsche Wohnen vermietet bundesweit rund 160.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Allein in Berlin besitzt der MDax-Konzern gut 110.000 Wohnungen. Zum Portfolio gehören auch Pflegeheime.

Vom höheren Gewinn sollen auch die Aktionäre profitieren. Das Management will die Dividende auf 87 Cent je Aktie erhöhen - sieben Cent im Vorjahr.

Mehr Investitionen für Sanierungen

Zudem hat die Deutsche Wohnen ihre Investitionen zur Instandhaltung und Sanierung von Wohnraum deutlich erhöht - um rund 25 Prozent auf 416 Millionen Euro. Damit will der Konzern seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Den größten Teil der Sanierungsaufwendungen trug das Unternehmen nach eigenen Angaben selbst.

Im laufenden Jahr will der Konkurrent von Vonovia, LEG Immobilien und TAG Immobilien beim operativen Ergebnis noch einmal eine Schippe drauflegen. Das Unternehmen peilt bei dieser Kenngröße 535 Millionen Euro an.

Unsichere Zukunft

Die Aktien der Deutschen Wohnen ziehen vorbörslich um 0,5 Prozent an. Auf Ein-Jahres-Sicht haben sie knapp 20 Prozent zugelegt. Die Debatte in Berlin um die Enteignung privater Wohnungskonzerne hat bislang dem Konzern nicht geschadet.

Langfristig dürfte aber das Wohnimmobiliengeschäft in der deutschen Hauptstadt kostenintensiver werden und das Gewinnpotenzial der Deutschen Wohnen bremsen. Eine Initiative in Berlin macht derzeit mobil für einen Volksentscheid, der private Wohnungskonzerne enteignen soll. Fraglich ist, ob eine solche Entscheidung durchsetzbar wäre und ob die Stadt Berlin entsprechende Entschädigungszahlungen leisten kann.

nb