Deutsche Wohnen AG-Zentrale in Berlin

Freiwillige Selbstverpflichtung Deutsche Wohnen deckelt sich selbst

Stand: 24.06.2019, 14:40 Uhr

Lieber selbst deckeln als gedeckelt werden, scheint sich das Management des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen zu denken. Deshalb macht Vorstandschef Michael Zahn den Mietern jetzt ein Angebot, das sie nur schwer ablehnen können.

In der Diskussion um vielerorts rasant steigende Mieten hat sich das börsennotierte Unternehmen Deutsche Wohnen für einen eigenen Weg entschieden: Ab 1. Juli würden künftige Mieterhöhungen so begrenzt, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden müsse, kündigte Deutsche Wohnen, einer der größten deutschen Immobilienkonzerne an. Ferner solle jede vierte neu zu vermietende Wohnung an Mieter mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein vergeben werden.

Selbstverpflichtung mit Rücktrittsklausel

Die freiwillige Selbstverpflichtung der Deutsche Wohnen für zunächst fünf Jahre bundesweit gelte auch dann, wenn der Mietspiegel weitere Erhöhungen erlaube, heißt es in der Erklärung. Bereits bestehende individuelle Vereinbarungen zwischen der Deutsche Wohnen und ihren Mietern, die im Vergleich mit der neuen Selbstverpflichtung für Mieter vorteilhafter sind, blieben weiter bestehen, heißt es weiter.

Aber: Weitere "regulatorische Eingriffe in das Mietrecht" könnten dazu führen, dass die Selbstverpflichtung wieder zurückgenommen werde. Aus Sorge vor mehr Regulierung waren die Aktien von Deutsche Wohnen jüngst eingebrochen. Auch die Titel anderer Konzerne reagierten mit Einbußen.

Eigentum verpflichtet

Der Immobilienkonzern mit Sitz in Berlin hat rund 167.000 Wohnungen, 70 Prozent davon in der Bundeshauptstadt, in der Wohnungsmangel herrscht. Für viele Mieter wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden - oder ihre Wohnung bei steigender Miete zu halten.

Deutsche Wohnen ist der größte private Vermieter in der Hauptstadt und steht hier auch besonders in der Kritik. Offenbar zeigten die öffentlichen Diskussionen also Wirkung. Mehrere tausend Einheiten hält das börsennotierte Unternehmen unter anderem im Rhein-Main-Gebiet, Dresden und Leipzig sowie Hannover und Braunschweig.

Im Geschäftsjahr 2018 waren die Mieten bei Deutsche Wohnen auf vergleichbarer Basis um 3,4 Prozent, in Berlin sogar um 3,6 Prozent gestiegen. Unter dem Strich hatte der MDax-Konzern netto knapp 1,9 Milliarden Euro verdient. Das war ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von fast sechs Prozent. Die Vertragsmieten stiegen in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres auf vergleichbarer Basis um 6,1 Prozent auf 205 Millionen Euro.

Deutsche Wohnen-Immobilie

Deutsche Wohnen-Immobilie "Weiße Stadt" in Berlin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mietendeckel in Berlin

Der rot-rot-grüne Berliner Senat hatte am vergangenen Dienstag Eckpunkte für einen noch zu erarbeitenden Gesetzentwurf zu einem Mietendeckel beschlossen. Danach sollen die Mieten in Berlin fünf Jahre lang nicht steigen und überhöhte Mieten auf Antrag gesenkt werden können. Das soll dauerhaft bezahlbaren Wohnraum sichern.

Möglicherweise könnte das Gesetz nach der Abstimmung im Abgeordnetenhaus dann im Januar 2020 in Kraft treten. Berlin wäre bundesweit das erste Bundesland mit einem solchen Mietenstopp, der rückwirkend gelten soll. Die Frage bleibt allerdings, ob ein solches Gesetz Klagen standhalten würde.

Der Boss zeigt sich proaktiv

Deutsche Wohnen-Vorstandschef Michael Zahn schlägt unterdessen einen „Wohngipfel“ mit Vermietern, Mietervereinigungen und Politik vor: „Der Gesetzgeber könnte festlegen, innerhalb welcher Einkommensgrenzen Vermieter eine Mieterhöhung umsetzen dürfen“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Das solle auf der Grundlage rechtssicherer Mietspiegel mit bundeseinheitlichen Standards geschehen.

„Was wir brauchen, ist ein neues Solidarmodell“, sagte Zahn. Wo Mieter es sich leisten könnten, würde dann zum Beispiel die Miete erhöht, um andere Haushalte zu subventionieren.

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen: "Wir brauchen ein neues Solidarmodell". | Bildquelle: Unternehmen

Die Entscheidung des Immobilienkonzerns, eigene Mietobergrenzen einzuführen und dabei auch das Nettoeinkommen der Mieter zu berücksichtigen, ist für Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg ein positiver Schritt. Die Positionierung der Deutsche Wohnen als großer und verantwortungsvoller Vermieter-Konzern in Berlin werte er positiv.

Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes, nannte es eine „positive Nachricht“, dass die Deutsche Wohnen sich bei ihren Mieten am Nettoeinkommen orientieren wolle. Die Deutsche Wohnen sei wohl doch noch lernfähig, sagte er am Sonntag der dpa. „Die Frage ist aber, wie justiziabel das ist“, schränkte er ein. „Wenn sich ein Mieter nicht darauf berufen kann, kann er sich auch nichts davon kaufen.“

ts/dpa