Deutsche Bank und Commerzbank-Gebäude
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Achleitner relativiert Deutsche und Coba - nur ein Flirt?

Stand: 08.06.2018, 09:30 Uhr

Was ist wirklich dran an den Fusionsplänen der Deutschen Bank und der Commerzbank? Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner bemüht sich, die Wogen zu glätten.

Das war eine Schlagzeile mit Signalwirkung, die da am späten Donnerstag noch über die Ticker kam. Deutsche Bank und Commerzbank haben angeblich mit ihren Großaktionären eine Fusion ausgelotet. Achleitner habe die Gespräche in den vergangenen Monaten geführt, meldete die Agentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Formelle Gespräche würde aber derzeit nicht stattfinden.

Ein ganz normaler Vorgang

Während die Commerzbank und das Bundesfinanzministerium (der Staat hält noch 15 Prozent an der Commerzbank) sich nicht zu dem Bericht äußerten, wies ein Sprecher Achleitners diesen zurück: "Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank wird ständig auf dieses Thema angesprochen. Seine Antwort ist immer die gleiche: ,Alle Pro- und Kontraargumente können in Analystenberichten und den Medien nachgelesen werden. Was also denken Sie?' Er sieht keinen Grund, dieses Thema aktiv anzusprechen."

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner. | Bildquelle: Imago

Also alles ein ganz normaler Vorgang? Berichte und Gerüchte über einen Flirt der beiden privaten Großbanken hat es immer gegeben. Zuletzt im Sommer 2016, was aber nur ein kurzes Intermezzo war. Dieses Mal soll sich der gemeinsame Aktionär der beiden Dax-Banken, der Finanzinvestor Cerberus, schon im Januar gegen eine Fusion ausgesprochen haben. Weder Cerberus noch die drei Großaktionäre der Deutschen Bank, das Emirat Katar, der US-Vermögensverwalter Blackrock und der chinesische Mischkonzern HNA, haben sich bisher geäußert.

Keine Denkverbote

Allen Aktionären der beiden Häuser dürfte aber eines gemeinsam sein: Die Unzufriedenheit mit der Kursentwicklung ihrer Beteiligungen. Die Charts sprechen für sich. Es erscheint also durchaus rational, wenn die Beteiligten mögliche Vorgehensweisen ausloten, wozu auch eine Fusion gehören könnte.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Zumal die Deutsche Bank unter ihrem neuen Chef Christian Sewing unter Druck steht. Besonders im Investmentbanking verliert die Bank Marktanteile gegen ihre US-Konkurrenten und will sich zukünftig wieder verstärkt auf den deutschen Heimatmarkt und Europa konzentrieren. Nicht weniger als einen Neustart hat sich Sewing auf die Fahnen geschrieben. Mehr als 7.000 Mitarbeiter sollen gehen, vor allem im Aktienhandel wird dabei der Rotstift angesetzt. Die Commerzbank steht in ihrem Kerngeschäft mit Firmenkunden in einem harten Wettbewerb und muss ebenfalls die Kosten senken.

Und neues Ungemach kündigt sich für die Deutsche Bank an. Nach Medienberichten sieht die amerikanische Notenbank Federal Reserve das Amerika-Geschäft "in schwierigem Zustand". Damit könnten die Ergebnisse des jüngsten Stresstests in den USA, die noch in diesem Monat veröffentlicht werden sollen, zu einem ernsten Problem werden. Wie werden die Kunden auf eine negative Einschätzung der Fed reagieren? Es gibt sicherlich bessere Werbebotschaften.

Aktien unter Beschuss

Die beiden Dax-Titel leiden wie viele andere Bankaktien in Europa auch unter den niedrigen Zinsen, weshalb die Margen im Zinsgeschäft, der wichtigsten Einkommensquelle jeder Bank, niedrig sind. Zwar schreitet die Reparatur der Bilanzen voran, die Kosten sinken angesichts der schwachen Margen im Kerngeschäft aber immer noch nicht schnell genug.

Diese Dilemma lässt sich an der niedrigen Bewertung der beiden einstigen Flaggschiffe auf dem Kurszettel ablesen. Helfen könnte die zuletzt aufgekommene vorsichtige Zinsfantasie in der Eurozone. Ein Abbau der QE-Programme durch die EZB könnte die erste Vorstufe sein für zumindest etwas höhere Leitzinsen auch in der Eurozone. US-Banken machen schon lange vor, was verdient werden kann, wenn die Zinsstrukturkurve steiler wird. Am Morgen fallen beide Aktien mit dem schwachen Gesamtmarkt zurück.

rm

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Das sind die größten Baustellen der Deutschen Bank Der neue Chef muss aufräumen

Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Kosten reduzieren
Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.