Apollo 11 Mondfähre schwebt über dem Mond - im Hintergrund die Erde

50 Jahre Mondlandung Deutsche Unternehmen greifen nach dem Mond

von Stephanie Tantius/ Notker Blechner

Stand: 19.07.2019, 09:38 Uhr

Vor 50 Jahren betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und machte einen Traum wahr. Nun weckt der Erdtrabant neue Träume. Eine Reihe von Unternehmen will den Mond für touristische und wirtschaftliche Zwecke nutzen. Wer profitiert vom neuen Zukunftsmarkt?

Noch Ende Mai war man sich beim Berliner Startup PTScientists ganz sicher. "Wir sind die ersten Europäer, die auf dem Mond landen", sagten die Berliner selbstbewusst. Für 2021 plante PTScientists seine Mondmission.

Nun ist das Berliner Startup insolvent. Dennoch haben die Berliner ihre Hoffnung nicht aufgegeben. "Wir sind optimistisch, dass wir unsere Mondmission trotzdem umsetzen können", sagte ein Sprecher.

Berliner Start-up will LTE-Funknetz aufbauen

Unter dem Projektnamen "Mission to Moon" will PTScentists, das vorher Part Time Scientists, zu Deutsch Teilzeit-Wissenschaftler hieß, zwei kleine 30 Kilo schwere solarangetriebene "Audi Lunar Quattro"-Rover auf den Mond bringen und die Landestelle der Apollo-17-Mission erkunden. Über ein LTE-Funknetz sollen dann hochauflösende Bilder von dem 1972 zurückgelassenen Apollo-Fahrzeug zur Erde geschickt werden.

Start-ups wie PTScientists und andere deutsche Konzerne träumen vom lukrativen Zukunftsmarkt "New Space". Bis 2040 könnte sich der Markt der globalen Raumfahrt verzehnfachen, prophezeien Experten. Bisher liegen die Umsätze weltweit bei 260 Milliarden Euro.

Airbus bastelt am neuen Raumschiff "Orion"

Große Hoffnungen setzen die deutsche Firmen auf die nächste Mond-Mission der USA 2024. So ist Airbus bei der geplanten Raumstation der Nasa, die um den Trabanten kreisen soll, involviert. Seit 2016 tüftelt der Konzern am Standort Bremen im Auftrag der Nasa an einem Modul, das der Antrieb für das "Orion"-Raumschiff werden soll. Es soll in fünf Jahren mit Astronauten an Bord zum Mond starten. "Die deutschen Unternehmen liefern quasi die Hardware für die Nasa-Mission", sagt Esoc-Direktor Rolf Densing.

Das Raumschiff besteht aus zwei Teilen, dem Crewmodul und dem Servicemodul. Das Servicemodul ist das Herzstück des Raumschiffs, beinhaltet das Haupttriebwerk und liefert den Strom. Vier Jahre lang hat Airbus daran gearbeitet und es im November 2018 der NASA übergeben. Im Kennedy Space Center in Florida wird es mit dem Crewmodul zusammengesetzt. Die Raumstation soll als Außenposten und Basislager für Missionen zur Mondoberfläche und später auch zum Mars dienen und den Mond auf verschiedenen Umlaufbahnen umkreisen. Einmal im Jahr soll eine Crew bei der Raumstation vorbeischauen, ansonsten soll das Lunar Gateway - wie ein Roboter - automatisch Experimente durchführen.

OHB entwickelt Versorgungskonzept

Auch das größte deutsche Raumfahrt-Unternehmen, die Bremer OHB, ist der geplanten Raumstation der Nasa mit an Bord. Das Unternehmen hat den Auftrag, ein Versorgungskonzept zu erarbeiten, wie dem Gateway Treibstoff zur Verfügung gestellt werden kann.

"Wir wollen nützliche Geräte auf den Mond bringen, damit man dort dauerhaft bleiben kann", sagt OHB-Chef Marco Fuchs. Besonders interessant findet er das von der Esa geplante Konzept des "Moon Village". "Wir würden gerne auf dem Mond Infrastruktur bauen." Die Esa untersucht die Möglichkeit, mit 3-D-Druckern aus Mondstaub dieses so genannte "Mond-Dorf" zu bauen.

Es kann auch mal schiefgehen

Im April diesen Jahres wollte Israel als vierte Nation nach der Sowjetunion, USA und China mit dem unbemannten Gerät "Berescheet" auf dem Mond landen. Doch beim Landemanöver fiel der Motor aus. "Berescheet" stürzte ab.

Es war die erste nichtstaatliche und privat finanzierte Mondmission der Geschichte. Seit Januar 2019 kooperiert auch OHB mit dem israelischen Raumfahrtunternehmen IAI. Zusammen wollen die Partner ein Mondlandesystem für Nutzlasten von bis zu 150 kg Gewicht anbieten.

Partnerschaft mit "Blue Origin" von Jeff Bezos

Beim Thema Mondlandesysteme kooperieren OHB und sein Tochterunternehmen MT Aerospace seit 2018 auch mit dem amerikanischen Raumfahrtunternehmen "Blue Origin", welches von Amazon-Gründer Jeff Bezos gegründet wurde. Blue Origin hat die Mondlandefähre Blue Moon entwickelt, die schwere Fracht - zum Beispiel mehrere Fahrzeuge - zum Mond bringen kann. OHBs Expertise in der Handhabung und Unterbringung von unterschiedlichen Nutzlasten auf Raumfahrzeugen ist hier gefragt.

Bisher freilich machen die Investitionen von OHB im Mondgeschäft nur ein paar Millionen Euro aus. "Unser Geld verdienen wir mit Satelliten, die um die Erde fliegen", sagt Fuchs.

Esa: Mond noch längst nicht erforscht

Den neuen Wettlauf zum Mond begrüßt die europäische Weltraumorganisation Esa. Esa-Missionsanalyst Michael Khan sieht noch großes Potenzial für die weitere Erforschung des Erdtrabanten, da man durch ihn Rückschlüsse auf die Entstehung der Erde bekäme. Zudem verfüge der Erdtrabant über seltene Erden und Helium 3, das Energiequellen wie Kernfusion möglich machen könnte. Auch Astronaut Matthias Maurer glaubt, dass der Mond helfen könnte bei der Beantwortung der Frage, wie das Leben auf die Erde gekommen sei und ob es da draußen noch irgendwo Leben gebe.

Jahrzehntelang konnten Raumfahrtprojekte nur von Staaten und großen Raumfahrtagenturen durchgeführt werden. Seit ein paar Jahren entwickeln auch private Unternehmen, ganz unabhängig von der Regierung, Ideen und Anwendungen für die kommerzielle Raumfahrt. 

New Space boomt

New Space heißt diese Entwicklung, die aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und der breiteren Digitalisierung möglich wurde. Das wohl bekannteste New Space-Unternehmen ist SpaceX, welches im Jahr 2002 von Elon Musk gegründete wurde. Elon Musk hat jedoch nicht den Mond als Ziel, sondern den Mars. Amazon-Chef Jeff Bezos stellte kürzlich eine Landefähre vor, die Frachten und irgendwann auch Menschen zum Mond bringen soll. "Es ist Zeit, auf den Mond zurückzukehren, und diesmal, um zu bleiben“, sagte er. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von amerikanischen Start-ups wie Astrobotic, Intuitive Machines und Orbit Beyond, die für die Nasa Mondlandefähren testen. Oder die an Mondautos oder geeigneter Weltraumausrüstung tüfteln.

Esoc-Direktor Densing begrüßt die verstärkten Aktivitäten von Start-ups im Bereich der Raumfahrt, insbesondere bei der "Lunar Economy", warnt aber vor zu viel Subventionen. Neben PTScientists zählen zu den Unternehmen, die sich in Deutschland mit Raumfahrt beschäftigen: Tesat-Spacecom, Jena-Optronik sowie die Ruag Space Germany GmbH.