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Trotz Verlusten gehts voran Post-Tochter Streetscooter holt neue Manager

Stand: 07.10.2019, 13:44 Uhr

Neue Manager von Tesla und Ford sollen helfen, das internationale Geschäft der Post-Tochter auszubauen. Dabei macht die Deutsche Post mit Streetscooter hohe Verluste und sucht Käufer für das Unternehmen.

Nachdem Streetscooter den E-Lieferwagen bereits auf chinesische Straßen schickt, soll nun das internationale Wachstum der Post-Tochter aus Aachen vorangetrieben werden. Die Post teilte mit, dass dazu neue Manager kommen werden. Der ehemalige Tesla-Manager Peter Bardenfleht-Hansen soll den Aufbau der internationalen Vertriebsorganisation steuern. Ulrich Stuhec kommt von Ford und fungiert bei Streetscooter künftig als Chief Technology Officer für die Produkt- und Technologieentwicklung. Auch der chinesische Markt fällt in seinen Aufgabenbereich.

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B5 Börse 13.14 Uhr: Post will Streetscooter voranbringen

Streetscooter-Chef Jörg Sommer blickt positiv in die Zukunft: "Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Peter Bardenfleth-Hansen und Ulrich Stuhec die Weichen für ein erfolgreiches internationales Wachstum unserer Firma stellen werden."

Streetscooter fährt weiterhin Verluste ein

Nach einem Verlust von 70 Millionen Euro im vergangenen Jahr werde mit dem Streetscooter auch in diesem Jahr "ein signifikanter zweistelliger Millionenbetrag" Verlust eingefahren, sagte der Post-Chef Frank Appel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Weil es kein Angebot aus der Industrie gab, hat die Post das Projekt vor fünf Jahren einfach selbst in die Hand genommen. Sie übernahm ein Start-up von Professoren der RTWH Aachen und brachte die E-Fahrzeuge in größerer Zahl auf die Straße. Zur Überraschung der deutschen Autoindustrie ging die Deutsche Post 2016 mit dem Streetscooter in die Serienproduktion.

Dennoch baut Streetscooter Geschäfte aus

Im Oktober vergangenen Jahres kündigte die Post-Tochter an, gemeinsam mit dem US-Autobauer Ford einen größeren Streetscooter zu bauen. Der Streetscooter "Work XL" ist mehr als doppelt so groß wie die ursprünglichen Modelle und zudem das erste Modell, welches die Post-Tochter nicht in Eigenregie herstellt. Das Fahrgestell liefert Ford, den Rest Streetscooter.

Im vergangenen Jahr eröffnete Streetscooter eine neue Fabrik für die Herstellung der E-Lieferwagen. Bis zu 10.000 Fahrzeuge sollen jährlich das Gelände in Düren verlassen.

Im Mai dieses Jahres gab die Post bekannt, den Streetscooter mit Brennstoffzelle und großer Reichweite auf den Markt zu bringen. DHL Express soll das neue Fahrzeug vorerst exklusiv nutzen.

Post will kein Autobauer sein

Der Streetscooter sei für die Deutsche Post trotz der hohen Verluste eine Erfolgsgeschichte betonte Konzern-Chef Appel. Unklar ist, wie viele Streetscooter bis heute verkauft wurden. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts, die vom CAR Institut der Universität Duisburg-Essen ausgewertet wurden, sind derzeit 11.722 Streetscooter in Deutschland zugelassen. Auch Firmen aus Großbritannien und den Niederlanden setzen die Fahrzeuge ein.

Mehrere elektrisch betriebene Kleintransporter

Deutsche Post Streetscooter. | Bildquelle: picture alliance / Bernd Wüstneck

Derzeit sei der Konzern in Gesprächen mit potenziellen Kaufinteressenten und Partnern für die E-Lieferwagen-Schmiede. Von Beginn an sei klar gewesen, dass die Post kein Autohersteller werden wolle. Für den Streetscooter sei die Post "langfristig allein nicht der beste Eigentümer", sagte Appel.

Ende August hatte einer der Gründer von Streetscooter, der Aachener Professor Günther Schuh, sein Interesse bestätigt, die Firma zurückzukaufen.

ms