Deutsche Post-Elektrofahrzeug Streetscooter
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Starke Nachfrage nach Elektrotransporter Deutsche Post: Mit dem Streetscooter um die Welt?

Stand: 30.05.2018, 14:48 Uhr

Milchmänner in Großbritannien liefern ihre Flaschen künftig mit Elektrotransportern der Deutschen Post aus. Die Nachfrage nach den "Streetscootern" ist so hoch, dass der Konzern jetzt ein neues Werk eingeweiht hat.

Künftig sollen in der neuen Fabrik in Düren bis zu 20.000 der Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen. In einem zweiten Werk bei Aachen werden bis zu 10.000 der Elektro-Transporter gefertigt. Tatsächlich erfreut sich dieses unter dem Namen Streetscooter bekannte Vehikel wachsender Beliebtheit.

Deutsche Post-Elektrofahrzeug Streetscooter

Deutsche Post Streetscooter. | Bildquelle: Unternehmen

Wie die Post mitteilte, hat die britische Firma Milk & More kürzlich 200 der Elektrotransporter gekauft. Damit will das Unternehmen die Lieferung von Milch, die in der Regel nachts oder in den frühen Morgenstunden stattfindet, leiser und umweltfreundlicher gestalten. Der Streetscooter steht damit in der Tradition der englischen Milchmänner, die für ihre Lieferungen seit 1930 elektrische Fahrzeuge einsetzen. Der Milchmann erlebe derzeit ein unerwartetes Comeback, weil immer mehr Kunden bereit seien, einen Aufpreis für regionale und ökologisch verpackte Lebensmittel zu zahlen.

Auch Börsengang vorstellbar

Beflügelt vom wachsenden Erfolg der Elektrofahrzeuge, kann sich die Post inzwischen sogar einen Börsengang der Streetscooter-Tochter vorstellen. "Das ist theoretisch denkbar," sagte Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes. Streetscooter werde aber nicht rasch an die Börse gehen: "Wir schauen uns die nächsten zwei bis drei Jahre an", sagte er auf eine entsprechende Frage.

Zu möglichen Partnerschaften etwa mit großen Automobilkonzernen wollte sich Gerdes nicht äußern. Das werde er erst tun, "wenn es soweit ist", betonte er. Über einen kompletten Ausstieg denke die Post bei Streetscooter nicht nach. Auch eine eigene Fertigung von Batterien für den Streetscooter ist laut Gerdes möglich. Batterien seien ein "spannendes Thema". Dies gelte auch mit Blick auf das Thema Versorgungssicherheit.

6.000 Streetscooter im Einsatz

Streetscooter wurde 2010 im Umfeld der TH Aachen aus der Idee gegründet, Elektromobilität bereits ab kleinen Stückzahlen wirtschaftlich attraktiv zu gestalten. Die Post übernahm den Hersteller 2014 und entwickelte die Fahrzeuge für ihre Zustell-Flotte. Seitdem wird der Streetscooter auch an Handwerker oder Kommunen verkauft. Die Post ist damit zu einem führenden Hersteller von Elektrotransportern aufgestiegen.

Für das Unternehmen selbst sind derzeit über 6.000 Streetscooter im Einsatz. Post-Chef Frank Appel konnte bei der Tochter auf einen Vorteil setzen: Der Logistik-Riese hat einen großen Fuhrpark und kann die Fahrzeuge selbst testen und übernehmen. Zudem können ihr die Elektro-Transporter angesichts der Debatte um Fahrverbote handfeste Wettbewerbsvorteile bei der Zustellung in den Innenstädten verschaffen.

Amazon in Partnerschaft mit Daimler

Mittelfristig will die Post ihre gesamte Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen durch Elektro-Wagen ersetzen, die mit Strom aus regenerativen Energien betrieben werden sollen. Appel hatte zugesagt, den Ausstoß des Klimagases CO2 bis 2050 auf Null zu reduzieren.

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Auch Wettbewerber setzen auf Elektro-Fahrzeuge. So will Amazon in einer Partnerschaft mit Daimler im Ruhrgebiet mit batteriegetriebenen Transportern des Typs eVito die Lieferung von Paketen auf der letzten Meile zum Kunden in Angriff nehmen.

lg/rtr