1/13

Deutsche Konzerne: Hat sich die Häutung gelohnt? Von Covestro bis Hoechst

Siemens-Chef Joe Kaeser

Siemens
Für Siemens-Chef Joe Kaeser steht die Entkernung des Konzerns besonders hoch im Kurs. Jüngstes Beispiel ist die Anfang Mai bekannt gewordene Entscheidung, die Energiesparte Gas and Power auszugliedern und bis 2020 an die Börse zu bringen. Die Sparte beschäftigt mehr als 80.000 Menschen und setzt etwa 30 Milliarden Euro um. Als Kerngeschäfte von Siemens sollen dann nur noch die Sparten Digital Industries sowie Smart Infrastructure übrig bleiben. Analysten glauben, dass damit der Konglomeratsabschlag bei der Siemens-Aktie reduziert werde. Er liegt derzeit bei 35 Euro und damit bei rund einem Drittel des Aktienkurses.

Deutsche Konzerne: Hat sich die Häutung gelohnt? Von Covestro bis Hoechst

Siemens-Chef Joe Kaeser

Siemens
Für Siemens-Chef Joe Kaeser steht die Entkernung des Konzerns besonders hoch im Kurs. Jüngstes Beispiel ist die Anfang Mai bekannt gewordene Entscheidung, die Energiesparte Gas and Power auszugliedern und bis 2020 an die Börse zu bringen. Die Sparte beschäftigt mehr als 80.000 Menschen und setzt etwa 30 Milliarden Euro um. Als Kerngeschäfte von Siemens sollen dann nur noch die Sparten Digital Industries sowie Smart Infrastructure übrig bleiben. Analysten glauben, dass damit der Konglomeratsabschlag bei der Siemens-Aktie reduziert werde. Er liegt derzeit bei 35 Euro und damit bei rund einem Drittel des Aktienkurses.

Siemens Healthineers-Schriftzug

Siemens Healthineers
Vor einem Jahr, im Mai 2018, hatte Siemens bereits seine Gesundheitssparte an die Börse gebracht. Es war der größte deutsche Börsengang seit Jahren. Im September ist das Unternehmen in den MDax aufgestiegen. Die Aktie legte bislang um rund ein Drittel zu.

Osram Zentrale im Dämmerlicht

Osram
Vollständig verabschiedet hat sich Siemens von der Tochter Osram, wo die die Lichtsparte der Münchner angesiedelt war. Anlässlich des 2017 erfolgten Komplettverkaufs sagte Konzernchef Kaeser: "Ich glaube, das Kind ist erwachsen geworden." Für die Osram-Aktionäre hat sich die Investition nach anfänglichen Gewinnen inzwischen als Verlustgeschäft erwiesen.

Infineon-Platine

Infineon
Bereits vor knapp 20 Jahren hat sich Siemens aus dem Chipgeschäft verabschiedet und die einstige Tochter Infineon an die Börse gebracht. Auch deren Aktionäre brauchten starke Nerven, ist doch der Kurs nach einem Hoch auf 90 Euro im Krisenjahr 2009 unter die Ein-Euro-Marke gerutscht. Seitdem feierte das Papier ein fulminantes Comeback, steht aber seit Monaten wieder unter Druck.

Fertigung bei Epcos

Epcos
Auch dieses heute vergessene Unternehmen war eine Siemens-Abspaltung. Epcos gehörte sogar fast drei Jahre lang zum Dax. Der Hersteller elektronischer Bauteile wurde jedoch immer weiter zerlegt, die Aktionäre am Ende mit knapp 19 Euro pro Titel abgefunden. Den Siemens-Aktionären hat die Häutung ebenfalls wenig gebracht: Das Papier ist heute soviel wert wie vor zwölf Jahren.

Zentrale der Bayer AG in Leverkusen

Bayer AG
Auch Bayer gilt als ein Anhänger der Theorie, wonach die Einzelteile eines Unternehmens an der Börse mehr wert sind als der vorherige Konzern als Ganzes.

Lanxess-Zentrale in Köln

Lanxess
So brachte Bayer 2005 die Spezialchemiesparte Lanxess an die Börse. Sie galt als "Bayers Resterampe", war lange Zeit vernachlässigt worden. Anleger brauchten auch hier starke Nerven, die Aktie pendelte zwischen 74 und 11 Euro hin und her.

Covestro Dämmstoffe

Covestro
Auch die Kunststoffsparte hat Bayer unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht. Auch hier folgte nach einem Hoch der Absturz. Trotzdem ist das Unternehmen noch im Dax notiert. Gebracht hat die Entkernung von Bayer den Aktionären nichts: Durch den Kauf von Monsanto hat Bayer 40 Milliarden Euro verbrannt. Damit ist Bayer heute weniger wert als vor der Abspaltung von Lanxess und Covestro.

Fahnen mit Metro-Logo vor Unternehmenszentrale

Metro
Ein weiteres prominentes Beispiel der "Spalteritis" großer Firmen ohne Mehrwert für die Aktionäre ist der Handelskonzern Metro. Er hat im Sommer 2017 seine Lebensmittelsparte vom Geschäft mit den Elektronikmärkten Media-Markt und Saturn getrennt. Letztere notieren an der Börse unter dem Namen Ceconomy. Geholfen hat es nichts. Die Summe der Börsenwerte liegt heute deutlich unter dem Börsenwert vor der Abspaltung.

Ceconomy

Ceconomy
Besonders heftig traf es die Aktie von Ceconomy. Sie stürzte im vergangenen Jahr von 13 auf 3,00 Euro ab. Von diesem Tief hat sie sich zwar wieder erholt, doch ist sie von ihrem Hoch aus dem Jahr 2018 noch meilenweit entfernt.

Thyssenkrupp Quartier

Thyssenkrupp
Große Aufspaltungspläne hatte auch Thyssenkrupp. Geplant war die Teilung in ein Industriegüter- und ein Werkstoffunternehmen, die jeweils als eigenständige börsennotierte Unternehmen geführt werden sollten. Ziel war es, Thyssenkrupp aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Ob die beiden Teile mehr wert gewesen wären als das ungeteilte Unternehmen bleibt Spekulation, denn Thyssenkrupp hatte seine Pläne ohne die EU gemacht. Die verbot eine Fusion mit TataSteel, wodurch sich die gesamte Aufspaltung nicht mehr rechnete und abgesagt werden musste.

VW-Logo wirft einen Schatten auf ein Scania-Logo

VW- und Scania
Auch Volkswagen will sich an der Entkernungsstrategie beteiligen. Bis zum Sommer soll die Lkw-Sparte Traton an die Börse gebracht werden. Der Börsengang wird noch vor der Sommerpause 2019 angestrebt. Ursprünglich war der Schritt vor Ostern geplant, wurde wegen der unsicheren Marktlage aber verschoben. VW erhofft sich vom Börsengang Einnahmen in Höhe von sechs Milliarden Euro.

Hoechst AG Jürgen Dormann
Dass eine Aufspaltung auch im Desaster enden kann, zeigt das Beispiel Hoechst. Der einstige Weltkonzern wurde so lange aufgespalten und entkernt, bis der Name am Ende verschwand. Einstige Geschäftsteile von Hoechst finden sich heute bei Sanofi und Celanese. Grund für die Verkaufsorgie war ursprünglich, dass Hoechst mit Monsanto fusionieren wollte und sich deshalb von zahlreichen Sparten trennen musste. Zum Zusammenschluss mit dem US-Pflanzenschutzkonzern kam es trotzdem nie.