Ausblick 2018: IPOs

Ausblick 2018 Deutsche IPO-Flaute geht zu Ende

Stand: 14.12.2017, 16:14 Uhr

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der deutsche IPO-Markt steht nach langer Flaute 2018 womöglich vor einem guten Jahrgang. Gleich mehrere Schwergewichte streben an die Börse.

Erstmals seit dem Jahr 2000 könnte im kommenden Jahr das Emissionsvolumen am deutschen Markt die Marke von zehn Milliarden Euro übersteigen. Der auf Börsengänge (IPOs) spezialisierte Experte Martin Steinbach von der Beratungsgesellschaft EY (früher Ernst & Young) erwartet 13 bis 18 Börsengänge deutscher Unternehmen. Nur im Vorkrisenjahr 2007 waren es mehr.

Besonders im Fokus stehen dabei die Dax-Konzerne Siemens (mit seiner Medizintechniksparte) und die Deutsche Bank (mit ihrer Vermögensverwaltung). Aber auch der Bremsenhersteller Knorr Bremse oder der Verlag Springer Nature stehen im Blick. Alles Volumina im Milliardenbereich. Lediglich der Essenslieferant Delivery Hero kratzte dieses Jahr an der Milliardenschwelle.

Lange Jahre Flaute

2007 noch hatten insgesamt 44 Unternehmen hierzulande den Gang an die Börse gewagt, ehe der Markt zusammenbrach. 2017 kam insgesamt nur ein Volumen von zwölf Neuemissionen von 2,8 Milliarden Euro zusammen. Das war der niedrigste Stand seit 2011.

Mohammed bin Salman

Mohammed bin Salman. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

International lief es hingegen 2017 deutlich dynamischer, auch ohne deutsche Beteiligung. 1.624 Unternehmen strebten an die Börse, so viel wie seit 2007 nicht mehr. Eingesammelt wurden dabei 189 Milliarden Euro. "Der IPO-Boom wird im kommenden Jahr anhalten, denn es ist weiter viel Liquidität im Markt, das Investorenvertrauen ist hoch, die konjunkturellen Risiken halten sich in Grenzen", sagt Steinbach. Nach Angaben von Investmentbankern forcieren zahlreiche Kandidaten ihre Börsenpläne, weil die Aktienmärkte noch als sehr aufnahmebereit gelten.

Ölraffinerie bei Dhahran, Saudi Arabien

Saudische Erdölraffinerie. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Über allem aber steht die Mega-Emission überhaupt. Kommt der saudi-arabische Ölriese Aramco schon 2018 an die Börse? Im April 2016 hatte Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman noch die Jahre 2017 oder 2018 für einen Börsengang genannt. Aber bei der hohen Komplexität des Ölmultis halten es Experten auch für möglich, dass es noch später wird. Ob die Märkte dann noch aufnahmebereit sind wie aktuell? Immerhin rund 100 Milliarden Dollar sollen erlöst werden - für fünf Prozent der Anteile.

Sogar US-Präsident Donald Trump schaltete sich im November via Twitter ein. Er würde es sehr schätzen, wenn sich Saudi-Arabien für New York als Börsenplatz für Aramco entscheiden würde, schrieb Trump via Twitter. Heimatbörse für Aramco wird Riad sein.

rm

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Die größten deutschen IPOs in diesem Jahr Wird 2018 ein guter Jahrgang?

Siemens-Healthineers

Siemens Healthineers
Siemens Healthineers dürfte wohl 2018 der größte Brocken werden. Der Münchener Dax-Konzern will mit der Medizintechniksparte einen Teil seines Tafelsilbers noch vor Ostern an die Börse bringen. Experten taxieren den Wert der Einheit auf bis zu 40 Milliarden Euro. Siemens will aber die unternehmerische Führung behalten. Also mindestens die Hälfte der Anteile, wahrscheinlich aber zunächst mehr. Bei einem im Raum stehenden IPO-Volumen von etwa einem Viertel könnten schätzungsweise acht bis zehn Milliarden Euro erlöst werden. Damit wäre Siemens Healthineers der größte Börsengang seit dem IPO der Deutschen Telekom 1996.