Theodor Weimer
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Der neue Boss der Deutschen Börse Weimer übernimmt das Ruder

Stand: 02.01.2018, 09:17 Uhr

Theodor Weimer besetzt ab heute den Chefposten bei der Deutschen Börse. Nach der Insideraffäre um den Vorgänger Carsten Kengeter soll bei der Börse wieder Ruhe einkehren. Wer ist der neue Mann?

Auf jeden Fall ist er ein ausgewiesener Experte für den Kapitalmarkt - und er kennt Frankfurt. Hier hatte er unter anderem als Investmentbanker für Goldman Sachs gearbeitet. Aus dieser Zeit kennt er auch Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner und dessen Frau, die Wirtschaftsprofessorin Ann-Kathrin Achleitner, die im Aufsichtsrat der Börse sitzt. Außerdem machte Weimer noch Erfahrungen bei den Unternehmensberatungen McKinsey und Bain.

Vorstandschef bei der HVB

Nach seiner Zeit bei Goldman fing der 58-Jährige 2007 bei UniCredit Gruppe als Head of Global Investment Banking in München an. 2009 wurde er dort zum Sprecher des Vorstands der der Münchner UniCredit-Tochter HypoVereinsbank berufen. Dort war man offenbar sehr zufrieden mit Weimer, den sein Vertrag war im vergangenen Jahr bis 2020 verlängert worden.

Auch aus familiären Gründen ist der Umzug ins Rhein-Main-Gebiet für Weimer eine gute Sache: Seine Familie lebte auch zur Zeit seiner Tätigkeit noch in Wiesbaden, sodass die Distanzen nun deutlich verringert sind.  

"Verwurzelt und vernetzt"

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dr. Joachim Faber, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Börse AG, sagte zur Ernennung des neuen Vorstandsvorsitzenden: "Theodor Weimer ist ein über die Landesgrenzen hinaus hoch anerkannter Kenner der Finanzbranche, der das Geschäft unserer Kunden bestens versteht. Er ist sowohl international orientiert als auch im Heimatmarkt tief verwurzelt und sehr gut mit Regulatoren vernetzt. Er bringt alle Voraussetzungen mit, um den eingeschlagenen Wachstumskurs der Gruppe Deutsche Börse erfolgreich fortzusetzen."

Fachleute und Marktbeobachter äußerten sich wohlwollend zu Weimer. Es sei wichtig, für den Börsenchef das Geschäft zu verstehen und Banker wissen wie es ist, Kunde einer Börse zu sein, kommentierte Dieter Hein, Analyst bei Fairesearch.

Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment - einem der größeren Aktionäre des Unternehmens - sagte, es sei jetzt am wichtigsten, dass sich die Börse mit einem unbelasteten Mann an der Spitze wieder voll und ganz auf das Geschäft konzentrieren könne.

Was wird aus Kengeter?

Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse

Carsten Kengeter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Aufsichtsrat hatte Weimer für zunächst drei Jahre als Nachfolger des unter Insiderhandelsverdacht stehenden Kengeter. Dieser hatte Ende Oktober nach monatelangem Hin und Her das Handtuch geworfen. Ihm wird vorgeworfen, er habe ihm Rahmen eines Anreizprogramms Aktien der Deutschen Börse erworben - als er bereits plante, die Londoner Börse LSE zu übernehmen. Als die Pläne bekannt wurden, schnellte der Aktienkurs in die Höhe. Das Fusionsvorhaben war später gescheitert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Kengeter beteuert seine Unschuld.

Für die Aktie der Deutschen Börse war 2017 ein gutes Jahr. Mit einem Aufschlag von 26,7 Prozent belegt der Konzern in den Jahrescharts den achten Rang.

ts

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