Theodor Weimer

Neues Jahr, neuer Chef Aufbruchstimmung bei der Deutschen Börse

Stand: 21.02.2018, 08:00 Uhr

Nach dem Katastrophen-Jahr 2017 wagt die Deutsche Börse einen Neuanfang. Heute stellt der neue Börsen-Chef, Theodor Weimer, seine Pläne für die künftige Ausrichtung des Börsenbetreibers vor. Bringt der Ex-Banker frischen Wind nach Eschborn?

Mit der Verkündung ehrgeiziger Ziele beim Neujahrsempfang Mitte Januar machte der 58-jährige Weimer Hoffnung auf bessere Zeiten. "Wir wollen und wir werden wachsen", kündigte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Firmenzentrale in Eschborn an.

Wachstumsmöglichkeiten in vielen Bereichen

Potenzial sieht er reichlich. "Mir fallen die 20- und 50-Millionen-Wachstumschancen nur so entgegen", sagte Weimer. Konkret sieht er Expansionsmöglichkeiten im Index-Geschäft, im Handel mit Währungen, Rohstoffen und Anleihen sowie im Nachhandelsbereich.

Anders als sein Vorgänger Carsten Kengeter will Weimer bei seinen Expansionsplänen ohne Großfusion auskommen. "Wir müssen das Selbstverständnis haben, dass wir auch ohne transformatorische Akquisitionen für Aktionäre dauerhaft attraktiv sind."

Bekenntnis zum Finanzplatz Frankfurt

Gleichwohl kann sich Weimer kleinere Zukäufe vorstellen - aber nicht um jeden Preis. "Akquisitionen macht man aus einer Position der Stärke heraus", sagt der neue Börsen-Chef. Dabei fühlt sich der seit über 15 Jahren in Wiesbaden lebende Franke der hessischen Wahlheimat verpflichtet. Die Verankerung der Deutschen Börse mit Sitz und Geschäftsführung in Hessen sei für ihn ein ganz hohes Gut, beteuerte Weimer auf dem Neujahrsempfang.

Unter Weimers Führung muss die Deutsche Börse einen schwierigen Spagat schaffen. Zum einen muss sie das Vertrauen der Politik und der Frankfurter Finanz-Community nach der gescheiterten Fusion mit London wiederherstellen. Zum anderen muss der Börsenbetreiber die Aktionäre bei Laune halten und das Wachstum forcieren.

Jahresprognose verfehlt

2017 dürfte die Börse nach Analystenschätzungen das angestrebte Umsatzziel verfehlt haben, so die Prognose im Vorfeld der Zahlen. Die Experten haben Recht behalten. Ursprünglich war ein Wachstum der Erlöse von fünf bis zehn Prozent angestrebt worden, ausgewiesen wurden drei Prozent. Die Analystenschätzung eines nur leichten Umsatzzuwachses auf 2,46 Milliarden Euro war fast eine Punktlandung. Auch das Ziel des Gewinnanstiegs von zehn bis 15 Prozent wurde mit einem Plus beim Ebitda von sechs Prozent nicht erreicht. Denn die Flaute an den Finanzmärkten bremste die Deutsche Börse. Anleger handelten wegen der geringen Volatilität ungewöhnlich wenig, wodurch der Börse Gebühreneinnahmen entgingen.

Die Kursturbulenzen in den letzten Wochen könnten indes der Börse in die Karten gespielt und einen guten Start ins Jahr beschert haben. Je nervöser die Anleger sind, desto mehr wird gehandelt.

Ob das reicht, um die ehrgeizigen Ziele 2018 zu erfüllen, ist fraglich. Die Analysten der UBS fürchten, dass Börsen-Chef Weimer die Gewinnprognose für das laufende Jahr einkassieren könnte, wenn das Derivategeschäft in den ersten fünf Monaten des Jahres mau verläuft. Aber Weimer gab sich optimistisch und rechnet mit einem zehnprozentigen Wachstum beim Konzernjahresüberschuss.

Aktie auf Zehn-Jahres-Hoch

Der neue Börsen-Lenker hat auf jeden Fall schon reichlich Vorschusslorbeeren an der Börse bekommen. Seit der Ankündigung des Chefwechsels Mitte November ist die Aktie um über elf Prozent nach oben geklettert. Mit 107,25 Euro erreichte der Dax-Titel den höchsten Stand seit zehn Jahren.

Nun muss Weimer auch bald liefern. Noch rätseln Analysten und Fondsmanager, wie der Ex-Banker die Börse nachhaltig auf die Erfolgsspur führen will. Weimer selbst skizzierte die künftige Strategie mit einem tierischen Vergleich. "Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, erwacht die Gazelle. Sie weiß, dass sie schneller sein muss als der schnellste Löwe - oder sie wird gefressen. Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, erwacht auch der Löwe. Er weiß, dass er schneller sein muss als die langsamste Gazelle, oder er verhungert."

Börse ist wie Löwe und Gazelle

Und was heißt das für die Deutsche Börse? Sie sei beides, meint "Tierfreund" Weimer. Im globalen Wettbewerb sei sie eine Gazelle, als wichtigster Anbieter von Kapitalmarktinfrastruktur in Europa sei sie aber auch ein Löwe. Weimers Schlussfolgerung: Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, müsse auch die Deutsche Börse rennen.

Mit solchen einfachen Parabeln aus der Tierwelt können Finanzexperten wenig anfangen. Die meisten glauben nicht, dass Weimer einen radikalen Strategiewandel anstrebt. Dass der neue Börsenchef schon kurz nach seinem Amtsantritt eine Investorenkonferenz angesetzt habe, werten sie als Zeichen für Kontinuität. Wer so schnell die Investoren informieren wolle, der plane wohl keinen neuen großen Wurf wie Kengeter, der mit dem Zusammenschluss mit der Londoner Börse in eine neue Liga vorrücken wollte.

nb