Gebäude der Deutsche Börse AG in Eschborn
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Nach gescheiterten Übernahmeversuchen Deutsche Börse setzt auf eigene Kraft

Stand: 21.02.2018, 13:54 Uhr

Der neue Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer will den Konzern nach einem turbulenten Jahr wieder auf Kurs bringen - und setzt dabei auch seiner eigenen Vergütung Grenzen.

Nach den Turbulenzen um die Bezahlung seines Vorgängers Carsten Kengeter hat dessen Nachfolger auf ein umstrittenes Vergütungsprogramm verzichtet. "Ich will kein Extra-Programm haben", sagte der seit Jahresbeginn amtierende Theodor Weimer heute in Frankfurt. Das habe er von Anfang an gegenüber dem Aufsichtsrat klargemacht. "Die Diskussion um meine Vergütung hat keine zehn Minuten gedauert."

"Ich verdiene 1,5 Millionen Euro Fixgehalt", sagte der von der HypoVereinsbank gekommene Weimer. Das ist genauso viel, wie sein Vorgänger erhalten hatte. Dazu kommt eine variable Vergütung, die Weimer nicht weiter aufschlüsselte.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Deutsche Börse - wie geht's weiter, Herr Weimer?

Auch strategisch hat Weimer andere Pläne als sein Vorgänger. "Die Deutsche Börse war lange genug mit sich selbst beschäftigt. Jetzt ist es an der Zeit, wieder nach vorn zu schauen", sagte der Vorstandschef auf der Bilanzpressekonferenz. Im Mai wolle er eine Mittelfristplanung für die künftige Entwicklung des Unternehmens präsentieren, kündigte Weimer an.

Die Übernahme einer größeren internationalen Börse gehört nicht zu den Plänen. Dazu sei die Deutsche Börse als die viertgrößte Börsenorganisation der Welt schlicht nicht in der Lage, sagte Weimer. Die großen US-Börsen CME und ICE seien zweieinhalb beziehungsweise zweimal so groß wie die Frankfurter Börse und auch eine Übernahme der Börse Hongkong als drittgrößte Börse der Welt sei nicht realistisch. "Das könnten wir nicht stemmen. Die sind uns enteilt." Kleinere Börsen seien wegen ihres Geschäftsmodells in der großen Mehrheit nicht interessant als Übernahmeziel.

Keine Revolution mehr

Umgekehrt hält sich der Frankfurter Börsenbetreiber nach der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse LSE selbst nicht für einen Übernahmekandidaten. "Das kann ich eigentlich nicht sehen", sagte der Vorstandschef. Dank des Vetorechts der Aufseher über die öffentlich-rechtliche Frankfurter Wertpapierbörse unter dem Dach des Konzerns sei gegen deren Willen und den Willen der Börse keine Übernahme denkbar.

Überhaupt strebt Weimer keine "Revolution" an. Vielmehr sieht er in kleinen Schritten "eine ganze Reihe" von Wachstumschancen. Das Unternehmen werde daran arbeiten, diese Chancen besser und zügiger zu nutzen, so der Vorstandschef. Potenzial für den Finanzplatz Frankfurt sieht Weimer beispielsweise infolge des geplanten EU-Austritts der Briten: Frankfurt habe beim sogenannten Euro-Clearing "jetzt die einmalige Chance, eine glaubwürdige Alternative zum Standort London aufzubauen".

Chancen im Fall eines Brexit

Derzeit findet die billionenschwere Abwicklung von Handelsgeschäften mit Euro-Wertpapieren überwiegend in London statt. Clearing-Häuser stehen im Handel zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, wenn einer der Handelspartner ausfällt. Kommt der Brexit wie geplant, droht Aufsehern auf dem Kontinent ein Kontrollverlust über diesen wichtigen Markt.

Die britische Investmentbank Barclays hat die Einstufung der Deutschen Börse nach den am Abend vorgelegten Zahlen auf "Overweight" mit einem Kursziel von 106 Euro belassen. Das vierte Quartal sei auf operativer Ebene erwartungsgemäß verlaufen, schrieb Analyst Daniel Garrod in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Der Ausblick des Börsenbetreibers auf das Jahr 2018 klinge aber zuversichtlich, fügte er hinzu.

lg