Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, stellt am 01.03.2017 an der Frankfurter Börse in  das neue Modell «Scale» vor.
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Kengeter muss mit 9,5 Millionen auskommen Die neue Bescheidenheit der Deutschen Börse

Stand: 22.09.2017, 09:16 Uhr

Ein bisschen Politur für das arg lädierte Image der Deutschen Börse und ihres Chefs Carsten Kengeter: Die Börse deckelt die Gehälter ihrer Top-Manager. Kengeter und seine Vorstandskollegen müssen jetzt 9,5 Millionen Jahresgehalt reichen.

Der Aufsichtsrat des Börsenbetreibers hat gestern auf seiner Sitzung die maximal mögliche Höhe der Vergütung auf 9,5 Millionen Euro begrenzt. Darunter fallen sowohl fixe als auch variable Gehaltsbestandteile sowie die betriebliche Altersvorsorge. Die Obergrenze soll bereits in diesem Jahr gelten. Bei dem alten Gehaltssystem wäre - zumindest unter außergewöhnlichen Umständen - für den Vorstandschef ein Maximal-Gehalt im mittleren zweistelligen Millionenbereich denkbar gewesen.

Die Insider-Affäre

Ausschlaggebend für das neue Gehaltssystem ist unter anderem das Insiderverfahren um Kengeter, das die Börse mit der Zahlung eines Bußgeldes von 10,5 Millionen Euro beilegen möchte. Der Vorstandschef hatte im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Aktien des Börsenbetreibers gekauft hat - zwei Monate, bevor die Fusionspläne mit der Londoner Börse LSE öffentlich wurden. Diese hatten den Aktienkurs massiv nach oben getrieben.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt daher wegen des Verdachts des Insiderhandels: Sie wirft Kengeter vor, bereits im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss der Börsen geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Auf der Hauptversammlung 2017 gab es heftige Kritik von den Aktionären, weil der Wert dieser Performance Shares nach ihren Berechnungen im Extremfall auf 30 bis 40 Millionen Euro steigen könnte.

Keine Exzesse

Die Anpassung des Vergütungssystems soll "mögliche und nicht gewollte Ausschläge" nach oben verhindern. "Das wird mit der Obergrenze im angepassten Vergütungsmodell erreicht", erklärte Aufsichtsratschef Joachim Faber, der wegen der Affäre um Kengeter ebenfalls unter Druck steht

Die geplante Deckelung der Gehälter war bereits im Vorfeld an die Öffentlichkeit gedrungen. Mit einem Beschluss, solche Exzesse zu verhindern, würde die Deutsche Börse auf Kritiker zugehen, hatte ein Insider gesagt.

Und jetzt?

Die Deutsche Börse will die unrühmliche Kengeter-Geschichte endlich zu den Akten legen. Vorstand und Aufsichtsrat haben daher der Zahlung eines Bußgeldes von 10,5 Millionen Euro zugestimmt, das die Staatsanwaltschaft Frankfurt für die Einstellung der Ermittlungen gefordert hatte. Zwar wies die Börse die Vorwürfe weiterhin zurück. Sie akzeptiere die Geldbußen aber, um sich schnellstmöglich wieder ausschließlich auf das Geschäft zu konzentrieren.

Allerdings ist Kengeter noch nicht vom Haken. Sowohl die hessische Börsenaufsicht als auch die Finanzaufsicht BaFin wollen weiter prüfen, ob Kengeter aus ihrer Sicht noch als Börsenchef tragbar ist. Erst dann wird derr Aufsichtsrat über eine Verlängerung seines im März 2018 auslaufenden Vertrages entscheiden.

bs

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