Kurstafel an der Deutschen Börse in Frankfurt

Die hohe Vola hilft Deutsche Börse: Danke, Mr. Trump

Stand: 25.07.2018, 20:04 Uhr

Des einen Freud, des anderen Leid. Die unstetigen Handelsverläufe an den Märkten kamen im zweiten Quartal dem Börsenbetreiber und Dax-Mitglied Deutsche Börse zugute. Die Frankfurter haben deutlich mehr verdient.

Die Deutsche Börse gehört weiterhin zu den Nutznießern der Unruhe an den Finanzmärkten. Gleichzeitig schmälerten die Kosten für den laufenden Umbau den Gewinn. Dieser stieg zwar deutlich, allerdings immer noch weniger stark als Analysten im Allgemeinen erwartet hatten. Der Zuwachs wurde erzielt, obwohl die Kosten anzogen, etwa wegen des vom seit Jahresbeginn amtierenden Chef Theodor Weimer begonnenen Abbaus von Arbeitsplätzen, wegen Rechtsstreitigkeiten und der Integration von Tochterfirmen.

Die Nettoerlöse der Deutschen Börse stiegen im zweiten Quartal auf 687 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwochabend in Eschborn bei Frankfurt berichtete. Das sind 10 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Gewinn stieg um 19 Prozent auf unter dem Strich 210 Millionen Euro.

"Im zweiten Quartal konnten wir weiteres strukturelles und zyklisches Wachstum erzielen", sagte Finanzchef Gregor Pottmeyer. "Aufgrund der Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells stieg der Konzern-Periodenüberschuss dabei überproportional." Das Unternehmen liege damit "voll im Rahmen der Prognose" für das Gesamtjahr.

Theodor Weimer

Theodor Weimer. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der seit Anfang des Jahres amtierende Konzernchef Theodor Weimer hatte als Ziel ausgegeben, die Erlöse um mindestens 5 Prozent pro Jahr zu steigern. Der Gewinn soll um rund 10 bis 15 Prozent zulegen. Sondereffekte werden dabei jeweils ausgeklammert.

Donald Trump sie Dank

Als Glücksfall entpuppte sich weiterhin der vom US-Präsident vom Zaun gebrochene Handelskrieg. Nachdem an den Finanzmärkten über einen langen Zeitraum ungewöhnliche Ruhe geherrscht hatte, schreckte Donald Trump die Anleger auf. Die Deutsche Börse profitiert dabei sowohl vom eigentlichen Handel mit Wertpapieren als auch von Absicherungsgeschäften.

Weimer, der zuvor Vorstandschef der Hypovereinsbank (HVB) war, hatte das Ruder vom glücklosen Carsten Kengeter übernommen. Dieser hatte die Deutsche Börse mit der Londoner Börse verschmelzen wollen, das Vorhaben platzte aber im Frühjahr 2017. Anschließend sah sich Kengeter dem Vorwurf von Insidergeschäften ausgesetzt; zum Jahresende trat er zurück.

Nachfolger Weimer holte die Deutsche Börse aus den Negativschlagzeilen. Derzeit stellt er das Unternehmen neu auf: Die Kosten sollen sinken - auch durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen an billigere Standorte -, gleichzeitig will Weimer den Marktplatzbetreiber durch den Ausbau von Randaktivitäten unabhängiger vom schwankungsanfälligen klassischen Handelsgeschäft machen. So will er vor allem die Bereiche festverzinsliche Wertpapiere, Energieprodukte, Währungen, Dienste für Investmentfonds sowie Daten und Indizes stärken.

Aktie gehört zu den Dax-Gewinnern

Das im Auswahlindex Dax enthaltene Papier der Deutschen Börse hat seit Jahresbeginn kräftig zugelegt. 19,6 Prozent haben die Anleger bereits an Kursgewinnen in diesem Jahr einstreichen könne, dazu wurde im Mai für 2017 eine Dividende von 2,45 Euro gezahlt. kein schlechtes Geschäft, der Dax hat im gleichen Zeitraum bisher 2,6 Prozent verloren.

Am Mittwoch schloss das Papier bei 115,80 Euro um 0,17 Prozent leichter. Morgen soll es ab 14:00 Uhr noch einen Analystencall zu den Quartalszahlen geben, die nach Xetra-Börsenschluss veröffentlicht wurden. Im Späthandel (bis 20:00 Uhr) bewegte sich die Aktie kaum.

dpa/rm

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Der Elektroroller-Hersteller Govecs will mit seinem Börsengang bis zu 90 Millionen Euro für den Ausbau der Produktion in Polen einsammeln. Das 2009 gegründete Unternehmen aus München legte die Preisspanne für die bis zu 7,5 Millionen Aktien umfassende Emission auf 10,00 bis 12,00 Euro fest. Govecs hat die Zeichnungsfrist für seinen geplanten Börsengang um sechs Wochen verlängert. Der Konzern hofft, damit mehr Investoren für seine Aktien zu begeistern. Anleger haben nun bis zum 8. November Zeit, die Papiere des Münchner Börsenkandidaten zu zeichnen, wie Govecs jüngst mitteilte. "Die Gesellschaft befindet sich aktuell in Verhandlungen mit Kunden und strategischen Partnern, welche bei Abschluss positive Auswirkungen auf das operative Geschäft haben könnten", begründete Firma den ungewöhnlichen Schritt.

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Die Aktie des Frankfurter Marktbetreibers bewegte sich nachbörslich kaum.