Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner
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Aufsichtsratschef der Deutschen Bank in der Kritik Großaktionäre meutern gegen Achleitner

Stand: 04.04.2018, 09:15 Uhr

In den Zwillingstürmen herrscht Unruhe. Seit Tagen wird darüber spekuliert, ob John Cryan noch der richtige Mann an der Spitze der Deutschen Bank ist. Nun gerät auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner zunehmend in die Kritik.

Während Cryan in der Öffentlichkeit regelrecht demontiert wurde, weilte der Österreicher im Urlaub in den peruanischen Anden - und schwieg. "Warum ist von Achleitner nichts zu hören?", fragte ein Vertreter eines der größten Anteilseigner des kriselnden Geldhauses. Großaktionäre vermissen eine klare Kommunikation und eine Rückendeckung Cryans durch Achleitner. "Wo ist die Unterstützung des Aufsichtsrats für Cryan?"

Warum schweigt der Aufsichtsratschef?

Es wäre für Achleitner nicht schwer gewesen, sich aus Peru zu melden und Cryan sein Vertrauen auszusprechen. Es hätte schon genügt, darauf hinzuweisen, dass der Vertrag des Bankchefs noch bis 2020 läuft. Doch Achleitner sagte nichts und trug dazu bei, dass die Lage bei der Deutschen Bank außer Kontrolle geriet. Insider werten das Schweigen Achleitners als offenen Bruch zwischen dem Österreicher und John Cryan.

Nach den jüngsten Chaostagen richtet sich der Unmut der Großaktionäre nun zunehmend auch gegen den Aufsichtsratschef. Das Vertrauen in Achleitner sei gestört, sagte ein mächtiger Investor gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Er bringt zu viele Ausreden für strategische Fehlentscheidungen, die in seine Verantwortung fallen", haderte er.

"Achleitner soll gehen!"

Achleitner kontrolliere den Prozess offensichtlich nicht, meinte ein anderer Großaktionär. Wenn jemand die Bank verlassen solle, dann Achleitner. "Wir sind keine großen Fans von Cryan, aber er hat beim Aufräumen der Bank Fortschritte gemacht und sollte an Bord bleiben."

Am Dienstag vergangener Woche war durchgesickert, dass Achleitner mit der Suche nach einem Ersatz für Cryan an der Spitze der Deutschen Bank begonnen habe. Als mögliche Kandidaten wurden in den Medien der Goldman-Sachs-Manager Richard Gnodde, UniCredit-Chef Jean Pierre Mustier sowie Standard-Chartered-Chef Bill Winters genannt. Der "Spiegel" berichtete von Gesprächen des Chefkontrolleurs mit Ex-UBS-Manager Jürg Zeltner, der dort das Geschäft mit reichen Privatkunden leitete. Bei einigen Großaktionären der Deutschen Bank stieß Zeltner jedoch auf Bedenken. Cryan hatte am Mittwoch in einem Brief an die Belegschaft klar gemacht, dass er trotz der zähen Sanierung und einiger Rückschläge in jüngster Zeit gerne im Amt bleiben würde.

Vier Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat

Wenigstens für den Aufsichtsrat hat Achleitner sein Wunschpersonal gefunden: So sollen die frühere Managerin der US-Firma IHS Markit, Michele Trogni, und die Ex-Morgan-Stanley-Bankerin Mayree Clark für das Kontrollgremium nominiert werden. Darüber hinaus soll der Deutschland-Chef der Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, Norbert Winkeljohann, in den Aufsichtsrat einziehen. Der ehemalige SAP-Chef Henning Kagermann, Eon-Chef Johannes Teyssen, die Rechtsanwältin Louise M. Parent und die frühere JP-Morgan-Managerin Dina Dublon scheiden aus dem Aufsichtsrat aus. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 24. Mai über die Personalien abstimmen.

Umstritten dürfte die Nominierung von Ex-Merrill-Lynch-Chef John Thain für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank sein. Der Wall-Street-Veteran war von 2004 bis 2007 Chef der New Yorker Börse NYSE, bevor er 2007 an die Spitze von Merrill Lynch wechselte. In der Finanzkrise wurde Merrill Lynch 2008 an die Bank of America notverkauft, wenige Wochen später wurde Thain gefeuert.

Aktie nähert sich der 11-Euro-Marke

Die Führungsquerelen setzen der Aktie der Deutschen Bank zu. Am Mittwoch büßt sie erneut 0,4 Prozent ein und notiert nur noch knapp über 11 Euro. Seit den Spekulationen um eine vorzeitige Ablösung von Vorstandschef Cryan hat der Kurs des deutschen Branchenprimus um gut 13 Prozent nachgegeben und ist zeitweise auf den tiefsten Stand seit November 2016 gefallen.

nb