John Cryan
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"Ich bleibe!" Deutsche-Bank-Chef denkt nicht an Rücktritt

Stand: 29.03.2018, 09:11 Uhr

John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, hat Spekulationen über seine vorzeitige Ablösung zurückgewiesen. In einem Brief an die Mitarbeiter beteuerte er, an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus bleiben zu wollen.

Der 57-jährige Brite mit Sternzeichen Schütze gibt sich kämpferisch. "Ich möchte Ihnen versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben", schrieb Cryan in seiner "Nachricht zur aktuellen Lage" an die Mitarbeiter.

Kein Dissens mit Achleitner

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Cryan widersprach Berichten, wonach es zwischen ihm und Aufsichtsratschef Paul Achleitner Differenzen über den Kurs gebe. "Wir müssen uns weiter darauf konzentrieren, unsere mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Strategie umzusetzen. Hier gibt es keinen Dissens", schrieb der Brite.

Am Dienstag waren Gerüchte hochgekocht, dass Achleitner angesichts von drei Verlustjahren nacheinander bereits einen Nachfolger für Cryan suche. So hatte die britische "Times" berichtet, der Europachef der US-Bank Goldman Sachs, Richard Gnodde, sei angesprochen worden, habe aber abgelehnt. Auch weitere Kandidaten seien erwogen worden.

Wer ist der geeignete Kandidat für den Chefposten?

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schlug UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber vor. Doch Weber, der schon vor sechs Jahren für den Spitzenjob bei der Deutschen Bank im Gespräch war, sitzt bei der Schweizer Großbank fest im Sattel.

Wegen der mangelnden Fortschritte steht Achleitner inzwischen auf Distanz zu Cryan, berichtet das "Handelsblatt". Schon seit längerer Zeit soll es gewaltig knirschen zwischen dem österreichischen Aufsichtsratschef und dem britischen Topmanager. Das Band zwischen den Duzfreunden scheine zerrissen, heißt es.

Cryan: Bank liegt auf Kurs

Cryan verteidigte seine Strategie. Derzeit werde viel über die Zahlen der Bank diskutiert, die noch nicht da seien, "wo wir alle sie uns wünschen", erklärte er im Brief an die Mitarbeiter. Die Bank liege "gut auf Kurs", müsse erzielte Fortschritte aber besser zur Schau stellen. Auch werde es in den nächsten Monaten gute Nachrichten zur Integration der Postbank in das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank geben, deutete Cryan an.

Künftig werde der Fokus der Bank wieder mehr auf Wachstum liegen – und darauf, attraktive Renditen für die Aktionäre zu erzielen, betonte der Top-Manager. "Es gibt keinen besseren Weg, um ungewollte Schlagzeilen zu vermeiden." Investoren hatten Cryan oft vorgeworfen, er sei zwar ein Kostensparer, habe aber keine Vision, wie die Deutsche Bank wieder Geld verdienen könne.

Weitere Stellenstreichungen im Investmentbanking?

Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, steht bei der Suche nach mehr Effizienz das kriselnde Investmentbanking erneut auf dem Prüfstand. Laut Insidern soll beim "Project Colombo" untersucht werden, ob weitere Stellenstreichungen und der Rückzug aus oder die Stärkung von speziellen Aktivitäten nötig sind. Überprüft wird vor allem der Handel mit Anleihen, Aktien, Devisen und Rohstoffen - insbesondere in den USA, aber nicht ausschließlich dort. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die Sparte Investmentbanking der Deutschen Bank war in den vergangenen Jahren nach der Finanzkrise kräftig gestutzt worden, unter anderem weil die Kosten zu hoch waren und sich die Bank aus einer Reihe von Geschäften verabschiedet hat. Der Bereich steht zwar immer noch für einen Großteil der Erträge, kostet wegen der hohen Boni für die Investmentbanker allerdings auch viel Geld. Zuletzt hatte Finanzchef James von Moltke davor gewarnt, dass der starke Euro die Gewinne der Investmentbank im ersten Quartal deutlich belastet hat.

nb