Gewitter über der Deutschen Bank.

Selbstgeißelung im Vorstand Chaostage bei der Deutschen Bank

Stand: 26.03.2018, 11:43 Uhr

Wird die Aktie der Deutschen Bank bald so billig wie die der Commerzbank? Seit Tagen befindet sich der Titel auf Talfahrt. Nun kommt auch noch Kritik aus den eigenen Reihen. Die Deutsche Bank sei die unfähigste Firma, in der sie je gearbeitet habe, soll die IT-Chefin geschimpft haben.

Auf einer Führungskräfte-Tagung im noblen Taunus-Örtchen Königstein vor den Toren Frankfurts soll Kim Hammonds, die IT-Verantwortliche im Vorstand der Deutschen Bank, für einen Eklat gesorgt haben. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" habe sie dort eine beispielslose Wut- und Trauerrede gehalten. Ihre Klage über die Zustände im Konzern gipfelte in dem Satz, die Deutsche Bank sei die "most disfunctional company", in der sie jemals gearbeitet habe. Frei übersetzt: Eine schlimmere Bruchbude habe sie noch nie gesehen.

Soll Hammonds zurücktreten?

Die Amerikanerin, die bei Ford und Boeing Karriere machte, soll sich um Kopf und Kragen geredet haben. Altgedienten Mitarbeitern sei auf der Top-Manager-Tagung in Königsstein angesichts der Miesmacherei der Kragen geplatzt. Warum sie denn nicht gleich zurücktrete, soll sie angeblich ein Banker gefragt haben. Wenn die Lage der Bank wirklich so trist sei, wie sie es beschreibe, wer sei dann dafür verantwortlich, wenn nicht die Leute ganz oben im Konzern? Für diese Äußerung soll es auf der Tagung Applaus gegeben haben, schreibt die "FAZ".

Kim Hammonds

Kim Hammonds. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Zwar wies die IT-Chefin in einem Interview mit dem "Handelsblatt" Kritik an ihrer Arbeit zurück und sieht keinen Anlass für Konsequenzen. Die Tage von Hammonds sind offenbar gezählt. Im Sommer 2019 läuft ihr Vorstandsvertrag aus. Die Chancen auf eine Vertragsverlängerung tendieren nach dem Eklat in Königsstein gegen Null, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Die Deutsche Bank dementierte den Bericht nicht. "Kein Kommentar", hieß es lediglich aus Frankfurt.

Die Selbstkritik aus dem obersten Führungsgremium kommt zur Unzeit. Denn operativ läuft es für das führende private deutsche Geldinstitut momentan gar nicht rund. Finanzvorstand James von Moltke warnte am Mittwoch vor neuerlichen Belastungen im Investmentbanking. Damit weckte er Zweifel am Geschäftsmodell der Bank. Beim Handel mit Anleihen, Devisen und Derivate haben sich die Erträge seit 2011 nahezu halbiert.

Aktien auf tiefstem Stand seit November 2016

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
8,76
Differenz relativ
-0,66%

Analysten sprachen von einem Vertrauensverlust in den Sanierungskurs von Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Die Aktien rutschten seit Mittwoch um über elf Prozent ab und waren zeitweise weniger als elf Euro wert. Erschwerend kam die Angst vor einem chinesisch-amerikanischen Handelskrieg hinzu und die Sorge, dass die langfristigen Zinsen langsamer steigen als ursprünglich erhofft. Zudem hat die Bank mit dem Börsengang der DWS einen Teil ihres zuverlässigsten Ertragsbringers abgegeben.

Am Montag zählen die Papiere erneut zu den Dax-Verlierern - und notieren nur noch knapp über dem Niveau der großen Rivalin Commerzbank. Allerdings gilt es, bei einem solchen Vergleich den Kapitalschnitt der Commerzbank zu berücksichtigen. 2013 legte die Commerzbank zehn alte Aktien zu einer neuen zusammen, so dass sich der Kurs optisch verzehnfachte.

Citi-Experte prophezeit Sturz auf Allzeit-Tief

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
Audio

Börse 14.00 Uhr Deutsche Bank Verlierer der Woche und des Jahres im Dax

Der Kurs der Deutschen Bank notiert auf dem tiefsten Stand seit dem Herbst 2016. Damals war der Titel auf ein Allzeittief von 8,83 Euro abgestürzt, als die Überlebensfähigkeit von Deutschlands größter Bank ernsthaft in Frage gestellt worden war. Auslöser der damaligen Krise war ein Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium um Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise. Zwischenzeitlich war eine Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar im Raum gestanden. Letztlich kam die Bank mit 7,2 Milliarden Dollar an Buße davon.

Auch wenn diesmal die Existenz der Deutschen Bank nicht auf dem Spiel steht, könnte es mit den Aktien weiter abwärts gehen. Viele Analysten sind skeptisch und sagen weitere Kursverluste voraus. Andrew Coombs, Analyst der Citi, prophezeit gar ein neues Rekordtief  von 8,60 Euro. Der Boden scheint also noch nicht gefunden.

"Berliner Flughafen der Finanzbranche"

Tatsächlich fragen sich die Branchenbeobachter zunehmend, wann endlich die Neuaufstellung des Branchenprimus Erfolge abwirft. Die Investoren verlieren die Geduld. Manche sehen die Deutsche Bank schon als eine Art "Berliner Flughafen (BER) der Finanzbranche". Die Arbeiten auf der Dauerbaustelle scheinen nicht aufzuhören.

Drei Jahre in Folge hat die Bank Verluste angehäuft. Im laufenden Jahr will Vorstandschef Cryan die Bank zurück in die Gewinnzone führen. Doch die Lücke zu den US-Großbanken und selbst zu den europäischen Rivalen wird größer. Europas größte Bank, die HSBC, ist inzwischen fünf Mal so viel wert wie die Deutsche Bank. Und auch die französische BNP Paribas hat eine drei Mal höhere Marktkapitalisierung als die der Deutschen Bank.

nb