Vezerrt gespiegeltes Deutsche Bank-Logo auf Hochhausfassade
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Einstiegsgerüchte beflügeln trotzdem Deutsche Bank: Vorerst doch keine neuen Eigentümer

Stand: 06.07.2018, 10:48 Uhr

Deutschlands führendes Bankhaus ist ein Sanierungsfall, und an der Börse nur noch 20 Milliarden Euro wert. Weckt das Begehrlichkeiten? Wohl kaum. Dennoch schaffen es Kaufgerüchte, die Aktie zu befeuern.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Vormittag kletterte das Papier sogar kurz über die Schwelle von zehn Euro, nachdem die "Wirtschaftswoche" berichtet hatte, dass sowohl die US-Investmentbank JPMorgan als auch das chinesische Geldhaus ICBC sich an der Deutschen Bank beteiligen könnten.

Obwohl ein solcher Schritt zumindest aus Sicht der Amerikaner keinen Sinn macht, halten Anleger den Bericht für plausibel und greifen bei der Aktie zu. Zeitweise legte das Papier um über sechs Prozent zu und kletterte auf ein Fünfeinhalb-Wochen-Hoch, während der Dax nahezu unverändert blieb.

Schwächelnder Konzern

Die "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, der auf 20 Milliarden Euro gesunkene Marktwert der Deutschen Bank habe die Konkurrenz auf den Plan gerufen. Hinzu komme die Hoffnung, dass Frankfurt nach dem Brexit an Bedeutung gewinne. Deshalb gebe es bei JPMorgan Gedankenspiele, womöglich bei der Deutschen Bank einzusteigen. Die Konkurrenten aus den USA und China sind an der Börse deutlich mehr wert als die Deutsche Bank: JPMorgan bringt umgerechnet gut 300 Milliarden Euro auf die Waage, ICBC 280 Milliarden Euro.

Doch warum sollten sich ausländische Banken an einem seit Jahren schwächelnden Konzern wie der Deutschen Bank beteiligen,, die international an Bedeutung verloren hat und auch in Deutschland nur über einen relativen kleinen Marktanteil verfügt? Es kann also nicht verwundern, dass JPMorgan den Bericht am Nachmittag dementiert hat. "Er stimmt nicht", erklärte eine JPMorgan-Sprecherin. Sprecher der Deutschen Bank und ICBC wollten den Bericht nicht kommentieren.

Berlin dementiert ebenfalls

In Berlin wies Regierungssprecher Steffen Seibert den Bericht der "Wirtschaftswoche" über ein angebliches Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel mit UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber über die Deutsche Bank als spekulativ zurück. "Die Berichterstattung zu angeblichen Inhalten eines Gesprächs der Bundeskanzlerin mit Herrn Weber haben wir mit Erstaunen zur Kenntnis genommen", sagte Seibert. "Das ist rein spekulativ und kann nicht bestätigt werden."

Das Düsseldorfer Magazin hatte neben dem angeblichen Interesse von JPMorgan und ICBC auch berichtet, Merkel sorge sich um die Deutsche Bank und habe den Ex-Bundesbankpräsidenten Weber bei einem Treffen um eine Einschätzung zur Lage der Bank gebeten. Pikanterweise war Weber vor Jahren einmal als Vorstandschef der Deutschen Bank im Gespräch, bevor er dann in die Schweiz ging. Und dass sich Angela Merkel im derzeitigen Asylstreit für die Deutsche Bank interessiert, gilt in Frankfurter Bankenkreisen als äußerst unwahrscheinlich.

Was macht HNA?

Rätselraten herrscht dagegen über die künftige Strategie des hochverschuldeten Deutsche-Bank-Großaktionärs HNA. Der Co-Verwaltungsratschef des chinesischen Mischkonzerns, Wang Jian, verunglückte am Dienstag tödlich. Wang galt als treibende Kraft hinter der 50 Milliarden Dollar schweren Einkaufstour, bei der HNA auch zum Großaktionär der Deutschen Bank aufstieg. Den Anteil an der Deutschen Bank verringerten die Chinesen kürzlich auf 7,6 Prozent.

lg