Türme der Deutsche Bank und Commerzbank bei Nacht

Neue Spekulationen zur Banken-Fusion "Das ist totaler Quatsch"

Stand: 08.03.2019, 11:17 Uhr

Die anhaltenden Spekulationen über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank sorgen in den betroffenen Häusern zunehmend für Verärgerung. Aus dem Umfeld der Aufsichtsräte heißt es, die vom Magazin "Focus" kolportierten Gerüchte seien "totaler Quatsch".

Der "Focus" hatte berichtet, Deutsche Bank-Chef Christian Sewing und sein Commerzbank-Kollege Martin Zielke seien seit wenigen Tagen wieder in intensiven Gesprächen über eine mögliche Fusion. Zuvor hätten sich die beiden Manager vom ihrem jeweiligen Vorstand und Aufsichtsrat das Mandat für diese Gespräche geben lassen. Über ein Zusammengehen beider Banken wird seit Monaten heftigst spekuliert.

Sewing wollte bislang von derartigen Überlegungen nichts wissen. "Wir haben unseren Plan und den arbeiten wir ab", hatte er Anfang Februar bei der Jahrespressekonferenz gesagt. "Über alles andere mache ich mir keine Gedanken." Auch offiziell wollte sich die Deutsche Bank am Freitag nicht zu dem Medienbericht äußern.

Kein offizielles Mandat

Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats der Deutschen Bank hieß es, Sewing habe vom Aufsichtsrat bislang keinen Auftrag bekommen, mit der Commerzbank über eine Banken-Ehe zu verhandeln. "Es gibt kein offizielles Mandat für Fusionsgespräche mit der Commerzbank", sagte die Person der Nachrichtenagentur Reuters, die nicht namentlich genannt werden wollte.

Auch eine Person aus dem Umfeld des Aufsichtsrats der Commerzbank wies diese Darstellung zurück. "Das ist totaler Quatsch", sagte der Insider zu Reuters. Es habe auch in der jüngsten Zeit keinerlei Diskussion im Commerzbank-Aufsichtsrat über eine Fusion mit dem größeren Konkurrenten gegeben.

Dass Top-Manager beider Institute informell gelegentlich Ideen für einen zukünftigen gemeinsamen Weg austauschen, gilt am Finanzplatz Frankfurt allerdings als sicher.

Zweifel am Sinn der Fusion

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat immer wieder die Bedeutung einer starken deutschen Großbank betont. Dabei ist der Bund schon seit einem Jahrzehnt an der Commerzbank beteiligt und hält derzeit an ihr noch gut 15 Prozent. Scholz' Staatssekretär Jörg Kukies, ein Ex-Investmentbanker in Diensten von Goldman Sachs, gilt als Befürworter einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank.

Unter den Investoren der Deutschen Bank gibt es allerdings Zweifel, dass ein Zusammenschluss die zwei Institute maßgeblich voranbringen würde. Zur Begründung wird darauf verwiesen, dass sich viele Geschäftsbereiche überlappen. Zudem würde eine Fusion vermutlich zehntausende Jobs kosten.

Schon länger Spekulationen

Spekulationen über eine Fusion der beiden letzten verbliebenen deutschen Großbanken gibt es schon länger. 2016 hatten Zielke und Sewings Vorgänger, der Brite John Cryan, auch tatsächlich über eine solche Option gesprochen. Dieser "Sommerflirt" war aber damals schnell beendet worden.

Die Aktien beider Häuser zeigen am Vormittag keine Reaktion auf den Magazin-Artikel. Vielmehr weiten sie ihre am Vortag nach der EZB-Sitzung gestarteten Verluste aus.

lg/rtr