Türme der Deutsche Bank und Commerzbank bei Nacht
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Berlin macht Druck Deutsche Bank und Commerzbank doch im Gespräch

Stand: 11.03.2019, 19:58 Uhr

Die Gerüchte über eine Fusion der beiden deutschen Großbanken erhalten Woche für Woche neue Nahrung. So auch zum Wochenanfang. Bundesfinanzminister Olaf Scholz bestätigte, dass es Gespräche zwischen den Häusern gebe.

Der Vorstand des größten deutschen Geldhauses habe beschlossen, Gespräche mit dem Konkurrenten aufzunehmen, berichtete zuvor die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Finanzkreise. Es habe bereits "inoffizielle Kontakte in sehr kleiner Runde gegeben", die allerdings noch nicht in einem Stadium seien, in dem sie mitteilungspflichtig seien. Sprecher beider Geldhäuser wollten den Bericht am Samstag nicht kommentieren.

Die Diskussionen in sehr kleiner Runde über eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank befänden sich allerdings noch in einem sehr frühen Stadium, heißt es. Die Aufsichtsräte beider Geldhäuser wurden nach Informationen des Handelsblatts bislang nicht über die Fusionsgespräche informiert und haben kein Mandat für offizielle Verhandlungen gegeben.

Scholz bestätigt "Beratungen"

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz. | Bildquelle: dpa

Dem Bericht der "WamS" zufolge sollen Finanzminister Scholz und sein Staatssekretär Kukies die Vorstände der beiden Banken gedrängt haben, ein Zusammengehen zu prüfen. Scholz sagte am Montag am Rande eines Treffens der Euro-Finanzminister in Brüssel: "Es gibt Beratungen über die Situation wie sie ist. Die Bundesregierung ist ein fairer Begleiter von privatwirtschaftlichen Diskussionen. Mehr gibt es da gegenwärtig nicht zu sagen."

Bekanntermaßen steht Deutsche Bank-Chef Sewing einer Fusion skeptisch gegenüber, zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt. Er will die Bank zunächst aus eigener Kraft sanieren und dann aus einer Position größerer Stärke heraus entscheiden, ob die Bank einen Partner braucht oder nicht.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Einen rein politisch motivierten Zusammenschluss will Sewing vermeiden. Doch offenbar ist der Druck aus Berlin sehr groß. "Innerhalb der nächsten Wochen, am besten vor der Europawahl Ende Mai" erwarte man in der Politik eine Reaktion. Aus Frankfurter Kreisen zitiert das Blatt, es sei richtig, sich einen Termin zu geben, "sonst schiebt man die Antwort auf diese Frage noch die nächsten zwei Jahre vor sich her".

Hat Cerberus seine Meinung geändert?

Auch hat der US-Fonds Cerberus, der an beiden Instituten beteiligt ist, seine Meinung offenbar geändert und befürwortet inzwischen eine Fusion, wie das Handelsblatt berichtet. Hinter dem Stimmungsumschwung stecken die unklare Zukunftsperspektive beider Institute und die Erkenntnis, dass der rasche technologische Wandel eine Bündelung der Kräfte fordert.

Allerdings ist der Nutzen einer Fusion der beiden letzten privaten Großbanken in Deutschland umstritten. Auf dem zersplitterten Heimatmarkt stünden ihnen weiterhin die öffentlich-rechtlichen Sparkassen mit ihren Landesbanken sowie die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken als bedeutende Spieler gegenüber.

Deutsche Leichtgewichte

Auf dem internationalen Spielfeld könnte eine neue Großbank etwas Boden gut machen, wenngleich die Übermacht der Konkurrenten aus den USA vor allem im Investmentbanking erdrückend wäre. Auch im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern wäre eine einzige deutsche Großbank weiterhin ein Leichtgewicht. Sie käme auf einen Börsenwert auf 24 Milliarden Euro. Zu Vergleich: die französische BNP Paribas bringt es auf 53 Milliarden Euro. Die US-Bank JPMorgan wird sogar mit umgerechnet 300 Milliarden Euro bewertet.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,13
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+3,02%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,44
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+3,84%

Wirklich überraschend ist das nicht, sind doch die deutschen Banken auch mehr als zehn Jahre nach der Finanzkrise immer noch mit deren Folgen belastet. Die Deutsche Bank hat nach drei Jahren mit zum Teil tiefroten Zahlen 2018 gerade erst die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Der Aktienkurs ist mit aktuell unter 8,00 Euro weit von einstigen Spitzenwerten entfernt.

30.000 Arbeitsplätze weg?

Auch die Commerzbank hat sich von der Übernahme der maroden Dresdner Bank im Herbst 2008 noch nicht erholt. Das Institut musste letztes Jahr angesichts seines ebenfalls kräftig gestutzten Börsenwertes sogar den Dax verlassen und in die zweite Börsenliga MDax absteigen.

Ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank hätte allerdings schwerwiegende soziale Folgen: Von den rund 130.000 Mitarbeitern der beiden Institute müssten Schätzungen zufolge 30.000 bis 40.000 gehen. Die Gewerkschaft Verdi und große Teile der SPD stehen einer Fusion deshalb äußerst skeptisch gegenüber.

lg