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Trotz sinkender Erlöse Deutsche Bank überraschend stark

Stand: 26.10.2017, 11:19 Uhr

Trotz tiefer Bremsspuren im Handel und insgesamt gesunkener Erträge hat die Deutsche Bank im dritten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet.

Wie der deutsche Branchenprimus am Morgen mitteilte, stieg das Vorsteuerergebnis im dritten Quartal im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 933 Millionen Euro. Damit übertraf die Bank die Erwartungen des Kapitalmarktes deutlich. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 586 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 649 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie im dritten Quartal des Vorjahres. Die Prognosen hatten hier im Schnitt bei 281 Millionen Euro gelegen.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 hat die Bank damit 2,6 Milliarden Euro vor Steuern verdient, ein Plus von 64 Prozent. Nach Steuern betrug das Ergebnis 1,6 Milliarden Euro - eine Verdreifachung. Das ist in etwa soviel wie die Wall-Street-Banken mit denen sich die Deutsche Bank noch vor wenigen Jahren verglich in einem einzigen Quartal verdienen.

Gesunkene Kosten

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dass die Bank steigende Gewinne verkünden kann, liegt aber nicht an den guten Geschäften, sondern an der rigorosen Sparpolitik. Dadurch sind die Aufwendungen stärker gesunken als die Erträge. Wegen eines massiven Einbruchs der Erlöse im Handel um 36 Prozent und einem ebenfalls rückläufigen Investmentbanking sind die Einnahmen insgesamt um zehn Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zurückgegangen.

Die zinsunabhängigen Aufwendungen betrugen im dritten Quartal 5,7 Milliarden Euro und waren damit 14 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Bereinigt um Währungseffekte gingen sie um elf Prozent zurück. Die Kosten für Restrukturierung und Abfindungen sowie die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten fielen im Vergleich zum Vorjahr sehr viel niedriger aus. Eine Reihe weiterer Rechtsfälle konnte weitgehend abgeschlossen werden.

Gesunkene Einnahmen

Im Tagesgeschäft bekam die Bank die Zurückhaltung der Kunden zu spüren. So gingen die Erträge im Investmentbanking um 23 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück. Im Handel mit Anleihen und Währungen sanken die Einnahmen sogar um 36 Prozent. Auch im Aktienhandel und im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Unternehmen gingen die Erträge zurück.

Dagegen sind die Erlöse im Privat- und Firmenkundengeschäft um drei Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen. Beim Börsenkandidaten, der Vermögensverwaltung, blieben die Erträge mit 628 Millionen im Jahresvergleich stabil. Im dritten Quartal verzeichnete die "Deutsche Asset Management" Netto-Neugeldzuflüsse von vier Milliarden Euro, für den bisherigen Jahresverlauf summiert sich das Neugeschäft damit auf 14 Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen stieg seit Jahresanfang um fünf Milliarden Euro auf 711 Milliarden Euro.

Neue Digitalbank geplant

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Derweil stehen nun die Pläne für die Integration der Postbank. Sie soll bis Ende nächsten Jahres mit dem Privatkundengeschäft der Deutschen Bank in einer Rechtseinheit zusammengeführt werden. Die Marke "Postbank" bleibt aber bestehen. Außerdem will das Institut bis Ende nächsten Jahres eine Digitalbank gründen, für junge, digital affine Kunden. Im Mittelpunkt des Angebots wird ein kostenfreies Konto stehen, verkündete die Bank am Morgen.

Das Geschäft des Bankhauses Sal. Oppenheim wird in die Deutsche Bank integriert, der traditionsreiche Name verschwindet. Der Umbau soll erhebliche Synergien bringen. Dabei rechnet die Deutsche Bank bis 2022 mit jährlich rund 900 Millionen Euro. Dafür fallen zunächst Restrukturierungskosten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro an – vor allem in der Informationstechnologie.

An der Börse kommen die Zahlen schlecht an. Besonders die rückläufigen Erträge enttäuschen.

lg

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