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Druck von allen Seiten und erneutes Rekordtief Deutsche Bank: Turbulenzen nehmen kein Ende

Stand: 21.05.2019, 14:22 Uhr

Im Vorfeld der Hauptversammlung taumelt die Aktie der Deutschen Bank weiter auf Rekordtief. Neben Verkaufsempfehlungen und dem wieder aufkochenden Geldwäsche-Skandal um US-Präsident Donald Trump steht auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner unter massivem Druck.

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner

Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner. | Bildquelle: Imago

Wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung drängen einige Großaktionäre Achleitner offenbar zu einem vorzeitigen Abgang. Sie forderten eine Nachfolge-Regelung für den Österreicher, um ihn vorzeitig ablösen zu können, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Achleitners Amtszeit läuft 2022 aus. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte eine Stellungnahme ab, auch im Namen des Aufsichtsratschefs.

Achleitner steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats. Kritiker kreiden dem 62-Jährigen die mehrfachen Chefwechsel und Strategieänderungen an. "Es ist Zeit, dass Achleitner die Verantwortung übernimmt", sagte einer der Insider. Seit seinem Amtsantritt ist der Aktienkurs um gut 70 Prozent gefallen - ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.

Deutsche Bank-Aktie billig wie nie

Am Dienstag rutschte die Aktie zeitweise auf ein neues Rekordtief von 6,58 Euro. Die Privatbank Berenberg senkte das Kursziel für das Papier von 7,00 auf 6,00 Euro und beließ die Einstufung auf "Sell".

Nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Commerzbank müsse die Deutsche Bank wohl das Investmentbanking und das Firmenkundengeschäft weiter umbauen und die Kosten senken, hieß es. Dies werde zu Lasten der Erträge gehen. Auch wenn die Deutsche Bank deutlich unter ihrem Buchwert gehandelt werde, gebe es keinen Grund, die Aktie zu besitzen.

Die Schweizer Großbank UBS hatte sich bereits am Montag in einer aktuellen Analyse kritisch zur größten deutschen Privatbank geäußert und die Bewertung von "Neutral" auf "Sell" zurückgesetzt. Das Kursziel sieht die UBS bei 5,70 Euro - noch deutlich unter dem neuen Rekordtief. Der Gegenwind für das Kreditinstitut halte an, schrieb Analyst Daniele Brupbacher. Strategische Optionen habe die Deutsche Bank nur in begrenztem Maß.

Für Aufregung hatte ebenfalls ein Bericht der "New York Times" gesorgt, nachdem Spezialisten 2016 und 2017 im Kampf gegen Geldwäsche empfohlen hätten, über verdächtige Transaktionen bei Firmen von US-Präsident Trump und seinem Schwiegersohn Jared Kushner zu berichten. Führungskräfte der Deutschen Bank hätten dies aber abgelehnt. Laut einer Sprecherin der Trump Organization sei der Artikel "ausgemachter Unsinn".

Stürmisches Aktionärstreffen steht vor der Tür

Deutschlands größtem privaten Geldhaus steht am Donnerstag einmal mehr eine turbulente Hauptversammlung bevor. Erstmals haben die beiden mächtigen Stimmrechtsberater Glass Lewis und Institutional Investor Services (ISS) den Anteilseignern empfohlen, Vorstand und Aufsichtsrat der Bank nicht zu entlasten. Es sei an der Zeit, dass die Aktionäre für die vielen Jahre mit Strafzahlungen und Imageverlust zur Rechenschaft zögen.

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Das hätte zwar noch keine unmittelbaren rechtlichen Folgen, käme aber einer schallenden Ohrfeige für das Management gleich - nur gut ein Jahr, nachdem mit der Beförderung von Christian Sewing auf den Chefsessel eigentlich ein Neuanfang gelingen sollte. Am Votum von ISS und Glass Lewis orientieren sich viele institutionelle Anleger wie Fonds oder Pensionskassen aus den USA und Großbritannien.

Aufsichtsratschef Achleitner steht auf den Aktionärsversammlungen fast schon traditionell unter Beschuss. Bislang hatten die Großaktionäre ihm aber die Treue gehalten. Obwohl sich auch im vergangenen Jahr bereits heftige Kritik an Achleitner entzündet hatte, stimmten letztendlich über 84 Prozent für eine Entlastung. Für eine Abwahl von Achleitner - die auch in diesem Jahr zur Abstimmung steht - votierten damals lediglich gut neun Prozent der Anleger.

tb/rtr

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