Baustellenschild vor der Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt
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Hohe Umbaukosten Deutsche Bank mit noch höherem Milliardenverlust

Stand: 24.07.2019, 09:30 Uhr

Der kürzlich angekündigte Konzernumbau hat die Deutsche Bank noch tiefer als gedacht in die Verlustzone gerissen. Das Geldinstitut machte im zweiten Quartal ein Riesen-Minus von 3,15 Milliarden Euro. Immerhin gab's einen Lichtblick.

Zuwächse verzeichnete die Deutsche Bank im Geschäft mit vermögenden Kunden. Das ist einer der Bereiche, auf sich die das größte private deutsche Geldinstitut künftig neben dem Firmenkunden-Geschäft konzentriert.

Ein Drittel weniger Erträge im Aktienhandel

Das Investmentbanking, das der Bank milliardenschwere Strafen einbrockte, wird kräftig gestutzt. Hier verdiente die Deutsche Bank deutlich weniger. Im Aktienhandel, der im Zuge der Neuausrichtung aufgegeben werden soll, brachen die Erträge sogar um 32 Prozent auf 369 Millionen Euro ein. Aber auch im Beratungs- und Emissionsgeschäft, auf das die Deutsche Bank auch in Zukunft setzt, gingen die Erträge um knapp ein Drittel zurück.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Insgesamt fielen Belastungen im Zusammenhang mit dem Konzernumbau in Höhe von 3,4 Milliarden Euro an. "Einen erheblichen Teil der Restrukturierungskosten haben wir bereits im zweiten Quartal verbucht", sagte Vorstandschef Christian Sewing. "Ohne diese Belastungen für den Umbau wäre die Deutsche Bank profitabel gewesen."

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Anfang Juli hatten die Frankfurter eine umfassende Neuaufstellung beschlossen. Die Zahl der Stellen soll bis Ende 2022 um rund 18.000 auf weltweit 74.000 gesenkt werden. Die Kosten für den Umbau bezifferte die Bank auf rund 7,4 Milliarden Euro. Deshalb wird das größte deutsche private Geldhaus in diesem Jahr einen Verlust machen, nachdem es 2018 noch einen Mini-Gewinn gegeben hatte. Für das zweite Quartal wurde ein Minus von 2,8 Milliarden Euro angekündigt. Das waren gut 350 Millionen weniger als nun doch verzeichnet.

Vor Steuern fiel ein Verlust von 907 Millionen Euro an. Die Erträge brachen um 18 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro ein.

Bilanz kommt an der Börse nicht gut an

Die endgültigen Zahlen enttäuschen die Anleger. Der Finanztitel verliert im frühen Handel über fünf Prozent und rutscht wieder unter sieben Euro. Seit dem angekündigten Radikalumbau vor zweieinhalb Wochen sind die Titel des Geldinstituts nicht vorangekommen. Seit Jahresbeginn stagniert der Kurs.

Besser läuft's für die Fonds-Tochter DWS. Die Aktien haben in diesem Jahr schon 30 Prozent zugelegt. Die Quartalszahlen zeigen, dass die DWS auf gutem Wege ist. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern stieg um 21 Prozent auf 185 Millionen Euro. Dabei half aber auch ein strenger Sparkurs.

Die Kunden vertrauten der DWS mehr Geld an. Die Erträge kletterten um 14 Prozent auf 608 Millionen Euro. Das verwaltete Vermögen betrug zu Ende Juni 719 Milliarden Euro - ein Plus von 15 Milliarden Euro. Der seit Herbst amtierende Vorstandschef Asoka Wöhrmann erklärte, die DWS sei "fest auf Kurs", ihre Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen.

DWS schafft Sparziel schneller

Die Deutsche-Bank-Tochter will ihr mittelfristiges Sparziel bereits in diesem Jahr erfüllen. Der Konzern befindet sich auf einem guten Weg, die angepeilten jährlichen Kosteneinsparungen von 150 Millionen Euro brutto bereits in diesem Jahr zu erreichen.

Damit ist die Konzernspitze bei diesem Ziel etwas optimistischer als zuletzt. Bislang hatte es geheißen, dass beim Sparziel das obere Ende der angepeilten Spanne von 125 Millionen Euro bis 150 Millionen Euro erreicht wird. Als Basis gilt die Kostenbasis von 2017.

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Die anderen Ziele bestätigte die DWS bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal. Demnach will das Unternehmen bei den Nettozuflüssen weiter schneller wachsen als der Markt. Zudem soll der Anteil der um Sondereffekte bereinigten Kosten an den Erträgen auf 70 Prozent sinken.

nb

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