Vezerrt gespiegeltes Deutsche Bank-Logo auf Hochhausfassade

Teurer Umbau kostet Milliarden Deutsche Bank: 5,7 Milliarden Euro Miese

Stand: 30.01.2020, 15:46 Uhr

Bei der Deutschen Bank blieb 2019 kein Stein mehr auf dem anderen. Der Umbau, den Konzernchef Christian Sewing der Bank verordnet hat, drückte die Bank tief in die roten Zahlen.

Deutschlands Bankenplatzhirsch Deutsche Bank hat 2019 ein wahres Horrorjahr hinter sich gebracht. Mit einem Jahresverlust von 5,7 Milliarden Euro - im Jahr 2018 war es "nur" ein Minus von 52 Millionen Euro - schneidet die Bank sogar noch schlechter ab als von Analysten im Voraus prognostiziert. Die hatten im Schnitt gut 5,0 Milliarden Verlust erwartet.

Auf dem Weg in eine bessere Zukunft?

Trotz des deutlichen Verlustes sieht Bankchef Sewing das Institut aber auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Er will das Geldhaus zu einer weniger schwankungsanfälligen Privat- und Firmenkundenbank ausrichten, das teure Investmentbanking soll zurückgedrängt werden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Die Stabilisierung der Erträge im zweiten Halbjahr 2019 und unsere konsequente Kostendisziplin führten zu einem besseren operativen Ergebnis als 2018", erklärte Sewing.

"Wir spüren den Rückenwind, auch 2020", fuhr Sewing auf der Jahrespressekonferenz der Bank fort. In diesem Jahr gehe es darum, die Kosten weiter zu senken und die Bilanz aufzuräumen.

Positive Überraschung auf der Kostenseite

B5-Moderatorin Monika Stiehl

B5 Börse 08.14 Uhr: Sewing: Deutsche Bank hat das Schlimmste hinter sich

Von zentraler Bedeutung wird sein, ob die Bank ihre Kosten in den Griff bekommt. Hier gab es erste Anzeichen der Besserung. Bereinigt um Sondereffekte wurden 21,5 Milliarden Euro ausgewiesen, was im Einklang mit Sewings Zielen steht. Inklusive der Kosten für den Umbau standen etwas mehr als 25 Milliarden Euro in den Büchern. Demgegenüber standen Erträge von 23,2 Milliarden Euro, ein Rückgang im Jahresvergleich von acht Prozent. Bereinigt um Sondereffekte waren die Erträge aber stabil.

Ein symbolischer Beitrag zur Kostensenkung

Um ein Zeichen zu setzen, kassieren die Vorstände der Deutschen Bank für das abgelaufene Jahr nur noch halb so hohe Bonuszahlungen wie für 2018. Der Bonustopf liege bei etwas mehr als 13 Millionen Euro, sagte ein Sprecher der Bank am Mittwochabend. Ein Jahr zuvor waren es 25,8 Millionen Euro. Der stellvertretende Aufsichtsratschef Detlef Polaschek erklärte, die Vorstände hätten freiwillig auf einen Teil ihrer variablen Vergütung verzichtet.

2020 soll es wieder Wachstum geben

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: picture alliance / Arne Dedert / dpa

Im Ausblick zeigt sich Sewing zuversichtlich. Zwar werde noch einiges an Arbeit nötig sein, aber wenn der Umbau so konsequent weitergehe wie in den letzten sechs Monaten, blicke er zuversichtlich auf 2020.

Die Marktposition solle nicht nur verteidigt, sondern sogar ausgebaut werden, so der Firmenchef in einem Brief an die über 87.000 Mitarbeiter. Zudem seien 70 Prozent der zu erwartenden Umbaukosten bereits verarbeitet. Man wolle die Marktposition wieder ausbauen, so Sewing in der Pressekonferenz weiter. "Wir greifen an - und das nachhaltig."

Nicht alles Gold, was glänzt

Auch wenn Sewing sich auf Kurs sieht, die Zahlen zeigen auch, dass das Umfeld für die Bank schwierig bleibt. Im Nullzinsumfeld ist es keineswegs ausgemachte Sache, dass das Institut nach dem Umbau wieder in alter Pracht strahlen kann.

Ein Problem, das allerdings die gesamte Branche hat - und Besserung ist nicht in Sicht, die EZB dürfte die Zinsen noch eine ganze Weile bei null belassen. Das schmälert die Margen der Banken.

Konkret gingen bei der Deutschen Bank die Erträge im vierten Quartal im Privatkundengeschäft um vier Prozent und im Jahresvergleich um fünf Prozent zurück. Auch im Firmenkundengeschäft lief das Schlussquartal nur mäßig. Die Einnahmen der Unternehmensbank sanken im Quartal um fünf Prozent und blieben im Jahresvergleich fast unverändert.

Es gab auch Lichtblicke

Im Gegenzug lief es in der Investmentbank besser. Vor allem im Anleihenhandel, wo die Bank weiterhin eine bedeutende Marktposition hat, ging es bergauf. So legten die Erträge um 27 Prozent zu, allerdings von einem niedrigen Ergebnis im Quartal des Vorjahres kommend.

Die Erträge der gesamten Investmentbank stiegen im Quartal um 13 Prozent. Auch in der Vermögensverwaltung, hauptsächlich bei der Tochter DWS, ging es im Jahresvergleich wieder stärker bergauf, nachdem 2018 noch Mittel abgeflossen waren. Die Anleger würdigen dies und treiben das DWS-Papier an die Spitze des SDax. Die Deutsche Bank hält noch 79,5 Prozent an der DWS.

Bilanz gestärkt

Zu den eher positiven Aspekten des Zahlenwerks gehört auch die Bilanzstärke der Bank. Die Kernkapitalquote, im Fachjargon auch CET1-Ratio genannt, verbesserte sich im vierten Quartal auf 13,6 Prozent und lag damit über der Zielsetzung von 13 Prozent. Die Bank bestätigte ihr Ziel, während des Transformationsprozesses eine Quote von 12,5 Prozent bis 2022 zu halten und den Umbau aus eigenen Finanzmitteln stemmen zu können.

Erreicht wurde die höhere Quote durch die Freisetzung von Forderungen in der Bilanz. Negative Effekte durch den Jahresverlust wurden dabei mehr als ausgeglichen.

Analysten bleiben verhalten

JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein bestätigte seine Einstufung "Neutral" mit einem Kursziel von 6,00 Euro. Mit der Restrukturierung komme das Institut voran, aber die niedrige Profitabilität bleibe, schrieb der Experte in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Im Privat- und Geschäftskundenbereich müsse die Bank noch deutlich besser werden.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für die Aktie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 8,20 Euro belassen. Analyst Jernej Omahen sprach von durchwachsenen Ergebnissen. Die Finanzdecke habe sich verbessert, aber die operative Entwicklung enttäusche.

Börse zuletzt optimistischer

Die Anleger scheinen zuversichtlich. Am Vormittag hat die Aktie anfängliche Verluste aufgeholt und ist mittlerweile gegen den Markt sogar deutlich ins Plus gedreht. Mit einem Kurs von 8,29 Euro erreichte die Aktie am Nachmittag ein Zwölf-Monats-Hoch. Derzeit verzeichnet der Titel ein Plus von 3,9 Prozent.

rm