Ein verzerrtes Deutsche Bank-Logo spiegelt sich in einer Hochhausfassade
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Sewing macht Ernst Deutsche Bank streicht 10.000 Stellen

Stand: 23.05.2018, 19:58 Uhr

Die angekündigte Schrumpfkur von Deutschlands größtem Geldhaus nimmt Gestalt an. Bis zu 10.000 Stellen sollen bei der Deutschen Bank angeblich gestrichen werden. Das beträfe jeden zehnten Mitarbeiter. Gesprächsstoff genug auf der morgigen Hauptversammlung.

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing greift durch: Laut verschiedenen Medienberichten will er sich von rund 10.000 Mitarbeitern trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Sewing, der seit Anfang April auf dem Chefsessel des größten deutschen Geldhauses sitzt, hatte bereits vor einem Monat harte Einschnitte angekündigt und sich von den einstmals globalen Ambitionen des seit Jahren unter Druck stehenden Instituts verabschiedet. Nun, einen Tag vor der Hauptversammlung, folgen offenbar Details seiner strategischen Überlegungen.

Aktienhandel besonders hart betroffen

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Imago

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" geht die Neuausrichtung der Bank mit einem personellen Kahlschlag einher. Hinzu kommt ein Teilrückzug aus dem Handel mit Aktien, in dem die Erträge zuletzt weggebrochen waren. Hier setzt Sewing vor allem in den USA den Rotstift an. Aber auch in Zentraleuropa, dem Nahen Osten und Aktika soll das Geschäft zurückgefahren werden, wie die Finanzagentur "Bloomberg" berichtet.

Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Der Aufsichtsrat sollte noch am Mittwoch über die Pläne beraten. Sewing hatte bereits Ende April erklärt, das weltweite Aktiengeschäft zu prüfen und voraussichtlich zurückzufahren. Viele Anleger und Analysten dringen auf mehr Klarheit.

Stürmische Hauptversammlung erwartet

Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Paul Achleitner. | Bildquelle: picture alliance / Boris Roessler/dpa

Spätestens auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag muss Sewing nun Farbe bekennen. Bei dem Aktionärstreffen in der Frankfurter Festhalle wird erneut eine Generalabrechnung mit der Bankführung erwartet. Vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner steht unter Druck, nachdem er sich Anfang April in einer Hauruck-Aktion von Sewings glücklosem Vorgänger John Cryan getrennt hatte.

Vor vier Wochen hatte Sewing bereits angekündigt, dass die Bank den Anleihenhandel in den USA deutlich abspeckt und unter anderem keine Dienstleistungen mehr für Hedgefonds anbieten will. Bis dato beschäftigt das Geldhaus weltweit rund 98.000 Menschen, die meisten in Europa und Asien. In Fernost will sich das Institut Sewing zufolge aus keinem Markt zurückziehen, in dem es bislang aktiv ist.

Sewing will das Investmentbanking stark reduzieren, während das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung gestärkt werden sollen. Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr das dritte Mal in Folge einen Verlust hinnehmen müssen. Auch im ersten Quartal war der Gewinn vor allem wegen des schwachen Handelsgeschäft um 80 Prozent eingebrochen, während die Konkurrenz an der Wall Street Milliarden verdient hatte.

Die Börse ist skeptisch

Bei den Anlegern ist der Funke noch nicht übergesprungen. Das Deutsche Bank-Papier, zuletzt durch zahlreiche negative Analystenkommentare zusätzlich belastet, dümpelt knapp unter der Marke von elf Euro. Die gesamte Börsenbewertung liegt damit im Vergleich zur angelsächsischen Konkurrenz bei mickrigen 22,5 Milliarden Euro - das sind Peanuts im Vergleich zu den Bewertungen der globalen Platzhirsche JPMorgan Chase (325,5 Milliarden Euro) oder Goldman Sachs (75,4 Milliarden Euro).

rtr/rm

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Wo bleibt die Strategie? Experten zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

Ingo-Speich, Union Investment

Sewing müsse "neue Akzente setzen, damit die Bank endlich zu profitablem Wachstum zurückfindet", sagt Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Er müsse dringend Ruhe in die Bank bringen.