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Fusionen durchgespielt Deutsche Bank: Lieber mit der UBS

von von Lothar Gries

Stand: 26.09.2018, 17:29 Uhr

Die Deutsche Bank wird sich aus eigener Kraft nicht aus ihrer derzeitigen Misere von hohen Kosten und niedrigen Erträgen befreien können. Sie braucht also einen Fusionspartner. Der sollte lieber aus der Schweiz kommen als aus der Nachbarschaft.

So hat die Deutsche Bank laut "Handelsblatt" mehrere Szenarien zu Fusionen mit anderen Geldhäusern durchgespielt - als ob es derzeit ernsthafte Interessenten an einem Zusammengehen mit dem kränkelnden Institut gäbe. Dabei hat offenbar ein Zusammengehen mit der Schweizer UBS besser abgeschnitten als mit der Commerzbank.

Gegen eine Fusion mit der zweitgrößten deutschen Bank habe unter anderem gesprochen, dass wegen der Überschneidungen hohe Restrukturierungskosten anfallen sowie der tausende Stellen wegfallen würden, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise.

Commerzbank nicht Wunschkandidat

Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht, ist doch die Commerzbank alles andere als der Wunschkandidat der Deutschen Bank. Zudem hat Aufsichtsratschef Paul Achleitner bereits in der Vergangenheit die UBS als bevorzugten Partner der Frankfurter ins Spiel gebracht. Dabei scheint die Deutsche Bank-Führung ganz nach dem Motto zu handeln: Alle sind uns Recht, nur die Commerzbank nicht.

Tatsächlich sind Deutschland und die UBS recht eng. So ist der frühere Bundesbank-Präsident Axel Weber inzwischen Verwaltungsratspräsident der UBS. Martin Blessing, vormals Chef der Commerzbank, hat bei der UBS die Leitung der Vermögensverwaltung übernommen.

Spekulationen über Einstieg der UBS

Zudem soll ausgerechnet die UBS dem übernahmehungrigen chinesischen Mischkonzern HNA einst einen Kredit in Milliardenhöhe gewährt haben, um ihr einen Einstieg bei der Deutschen Bank zu ermöglichen. Inzwischen gilt HNA als überschuldet, musste seine Beteiligung an Deutschlands größtem Geldhaus auf 7,6 Prozent reduzieren - von zunächst 9,9 Prozent.

Schon gab es Spekulationen, dass das Aktienpaket von HNA im Fall eines Ausstiegs aus Deutschen Bank bei der UBS als Architektin des komplizierten Beteiligungskonstrukts landen würde. Die Schweizer wären damit einer der drei Großaktionäre bei dem Frankfurter Institut, neben Katar und dem Vermögensverwalter Blackrock.

Deutsche Bank wäre Juniorpartner

Ob dies im Sinne der UBS ist, bleibt unbeantwortet, haben sich die Schweizer doch nie öffentlich dazu geäußert. Fakt ist, dass die Deutsche Bank im Fall einer Fusion mit der UBS der Juniorpartner wäre, bringen doch die Schweizer an der Börse 52 Milliarden Euro auf die Waage, die Deutschen aber "nur" 21,5 Milliarden. Für die Schweizer wäre eine solche Fusion riskant – und die deutsche Politik würde wohl nicht zustimmen, weil sie ein deutsch-deutsches Großinstitut favorisiert.

Zudem gilt in Finanzkreisen auch die UBS nicht als besonders attraktiver Kandidat. So hat die "Financial Times" den jüngsten Wechsel von Andrea Orcel, dem Investmentbanking-Chef der UBS, zur spanischen Santander als Zeichen der Schwäche für die Schweizer Großbank gewertet: "Dieser Schritt stellt die künftige Ausrichtung und Führung der UBS in Frage, denn Orcel galt eigentlich als potentieller Nachfolger von UBS-Chef Sergio Ermotti."

"Dichtungen der Presse"

Der in Italien geborene Orcel hat in seinen sechs Jahren bei der UBS die Investmentbank vollkommen umgebaut – vor allem aber geschrumpft: Mehr als die Hälfte der Stellen fielen weg. Gleichzeitig richtete er die Investmentbank so aus, dass sie vor allem Produkte und Lösungen für die in der UBS dominierende Vermögensverwaltung liefert.

Deutsche Bank-Finanzchef James von Moltke bezeichnete die Spekulationen über eine mögliche Fusion seines Instituts am Mittwoch als "Dichtungen der Presse". "Wir sind in diesen Tagen erstaunt darüber, was durch die redaktionellen Filter kommt und sich in der Presse wiederfindet", sagte er auf einer Investorenkonferenz in London. Vorstandschef Christian Sewing erklärte in Düsseldorf, er habe zum Thema Fusionen alles gesagt, was er zu sagen habe und arbeite "nun an meinen Hausaufgaben". Für ihn stehe eine Fusion mit wem auch immer in den kommenden 18 Monaten nicht zur Debatte.

Gewinneinbruch im dritten Quartal

In London warnte von Moltke auch vor einem Gewinneinbruch im dritten Quartal. Das haben aber wohl die meisten Analysten schon eingepreist. Er fühle sich mit den aktuellen Analysteneinschätzungen insgesamt recht wohl, sagte von Moltke am Mittwoch. Laut Internetseite der Deutschen Bank rechneten Analysten zuletzt mit einem Ergebnis vor Steuern in Höhe von 327 Millionen Euro. Das dritte Quartal 2017 hatte das größte deutsche Geldhaus noch mit einem Vorsteuerergebnis von 933 Millionen Euro abgeschlossen.