Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank sieht sich Wirecard genau an

Stand: 03.07.2020, 13:45 Uhr

Die Deutsche Bank liebäugelt mit Teilen des Zahlungsanbieters Wirecard. Nicht nur finanzielle Hilfe ist möglich, selbst die Übernahme der Wirecard Bank ist als Verstärkung für die Frankfurter nicht ausgeschlossen.

"Wir sind eine der größten Banken im Zahlungsverkehr weltweit. Das ist eine unserer Stärken, ein echtes Kerngeschäftsfeld", sagte Deutsche-Bank-Vorstand Fabrizio Campelli dem "Handelsblatt". "Wenn sich hier also Gelegenheiten ergeben, uns zu verstärken, werden wir uns diese ansehen." Am Donnerstag hatte die Deutsche Bank mitgeteilt, dass sie mögliche Hilfen für die Wirecard Bank prüft.

Das Geldhaus prüfe in Abstimmung mit der Finanzaufsicht BaFin, dem Insolvenzverwalter der Obergesellschaft Wirecard AG und dem Vorstand der Wirecard Bank mögliche finanzielle Hilfen, so die Deutsche Bank. "Wir können uns grundsätzlich vorstellen, im Rahmen der Fortführung der Geschäftsaktivitäten diese Unterstützung zu gewähren, sofern es erforderlich werden sollte."

Stabile Erträge

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Insider, wonach sich die Deutsche Bank damit in eine gute Ausgangsposition für eine mögliche Übernahme der Wirecard Bank bringe. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing habe immer wieder betont, wie wichtig das Zahlungsverkehrsgeschäft für sein Institut sei. Damit ließen sich in der Regel stabile Erträge erzielen.

Eine mit Wirecard vertraute Person sagte gegenüber Reuters, der Buchwert der Bank liege bei rund 160 Millionen. Dieser sei aber wohl nicht zu erzielen, sie werde voraussichtlich mit einem Abschlag verkauft. Die gesamten Vermögenswerte des Konzerns könnten bei einem Verkauf mit 400 bis 500 Millionen Euro bewertet werden, sagte der Insider. Dem stehen Verbindlichkeiten von vier Milliarden Euro gegenüber, die Gläubiger dürften also nur einen Bruchteil ihres Geldes zurückbekommen.

Mittelgroße deutsche Sparkasse

Die Wirecard Bank hat eine Vollbanklizenz und darf sämtliche Finanzdienstleistungen anbieten. Sie wirbt seit Anfang des Jahres mit einem Zins von 0,75 Prozent für Giro-Guthaben auf der Banking-App "Boon Planet", während andere Institute selbst für Festgeld kaum Zinsen zahlen oder sogar Strafgebühren verlangen.  

Laut Geschäftsbericht 2018 lag die Bilanzsumme der Wirecard Bank bei 1,6 Milliarden Euro - etwa so viel wie eine mittelgroße deutsche Sparkasse. Ende 2018 lagen demnach Spareinlagen von knapp 1,4 Milliarden Euro bei der Bank. Diese sind durch die gesetzliche Einlagensicherung und den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken geschützt. Zudem ist die Bank Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken.

rtr