Deutsche Bank

Dank starkem Investmentbanking Deutsche Bank: Schwarze Zahlen trotz Corona

Stand: 29.07.2020, 14:48 Uhr

Hat die Deutsche Bank die Wende geschafft? Trotz der Corona-Krise ist es dem Geldhaus gelungen, im zweiten Quartal die Einnahmen zu steigern und ein positives Ergebnis zu erzielen - dem einst geschmähten Investmentbanking sei Dank.

Tatsächlich ist es der Deutschen Bank trotz kräftig gestiegener Rücklagen für faule Kredite gelungen, ein Abrutschen in die roten Zahlen zu verhindern - zumindest operativ. So konnte die Bank im zweiten Quartal ein positives Vorsteuerergebnis von 158 Millionen Euro erzielen. In der gleichen Vorjahresperiode war noch ein Verlust von knapp einer Milliarde Euro angefallen. Auch nach Steuern blieb noch ein kleiner Gewinn von 61 Millionen Euro übrig.

Anja Kohl
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Die Deutsche Bank kann Gewinne

Dabei hat sich die Risikovorsorge im Kreditgeschäft gegenüber dem Vorjahr fast verfünffacht auf 761 Millionen Euro. Doch erstmals seit langem ist es der Deutschen Bank gelungen, nicht nur die Ausgaben weiter zu senken, sondern auch die Einnahmen zu steigern. Damit scheint der von Bankchef Christian Sewing gesteuerte Umbau erstmals Früchte zu tragen.

Kräftige Zuwächse im Handel mit Anleihen

Wie bereits zu Beginn des Jahres ist es auch diesmal ausgerechnet das in Verruf geratene Investmentbanking, das entscheidend zur Verbesserung beigetragen hat. So stiegen die Erträge in diesem Geschäftszweig um 46 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen erhöhten sich die Einnahmen um 39 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Im Emissions- und Beratungsgeschäft stiegen die Erträge um 73 Prozent auf 639 Millionen Euro, da das Aktien- und Anleihenemissionsgeschäft stark zulegten.

In den anderen Bereichen der Bank, wie dem Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung, gingen die Erträge dagegen leicht zurück. Insgesamt stiegen die Erlöse um ein Prozent auf 6,3 Milliarden Euro.

Kosten sinken um 23 Prozent

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ARD-Börse: Deutsche Bank mit mehr Zuversicht - Reaktionen

Gleichzeitig setzte die Bank ihren harten Sanierungskurs fort, so dass die zinsunabhängigen Ausgaben um 23 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro sanken. Eine Kerngröße für das abgelaufene Quartal nannte die Bank bereits: Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag Ende Juni mit 13,3 Prozent einen halben Prozentpunkt höher als Ende März.

Die aktuellen Verwerfungen zogen den für Krisenzeiten wichtigen Kapitalpuffer also nicht weiter in Mitleidenschaft. Kunden hätten Kreditlinien, die sie wegen der Pandemie beansprucht hatten, zuletzt stärker zurückgeführt als vermutet, erklärte die Deutsche Bank.

Übernahme der Commerzbank kein Thema mehr

An der Börse kamen die Zahlen zunächst gut an. Im morgendlichen Xetra-Handel legten die Papiere der Deutschen Bank um gut zwei Prozent zu. Im weiteren Verlauf drehten sie dann ins Minus.

Bankchef Sewing ist zuversichtlich, dass das Geldhaus auch im Gesamtjahr vor Steuern profitabel sein wird. "Ich glaube vor dem Hintergrund der Pandemie und der Unwägbarkeiten, die wir haben, sind diese Voraussagen immer schwer", sagte er dem Fernsehsender n-tv. "Aber wir haben in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Vorsteuergewinn kumuliert jetzt von circa 350 Millionen Euro in einer der schwersten Krisen, die die Welt gesehen hat. Das macht uns zuversichtlich."

Einem erneuten Fusionsversuch mit der Commerzbank erteilte er allerdings eine klare Absage: "Wir haben die Hände voll mit unserem Umbau zu tun und verfolgen weiterhin eine Stand-Alone-Strategie", sagte er am Nachmittag.

lg