Deutsche Bank-Türme
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Schatten über dem Jahresgewinn Deutsche Bank: Geschäftseinbruch und Fusionsgerüchte

Stand: 01.02.2019, 09:11 Uhr

Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen geschrieben, erstmals seit 2014. Doch das vierte Quartal war erneut von Rückschlägen und Verlusten gekennzeichnet.

Im vergangenen Jahr schaffte es die Deutsche Bank aus den roten Zahlen und erzielte einen Konzerngewinn von 341 Millionen Euro, nach einem Verlust von 735 Millionen Euro 2017.

"Die Rückkehr in die Gewinnzone zeigt, dass die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg ist", sagte Vorstandschef Christian Sewing. Tatsächlich hat die Bank ihre Kosten schneller gesenkt als die Erträge zurückgegangen sind.

Hohe Verluste im Investmentbanking

Allerdings profitierte die Bank bei ihrem Gesamtjahresgewinn von ihrem Neunmonatsergebnis. Denn im vierten Quartal rutschte die Bank mit 409 Millionen Euro wieder in die roten Zahlen. Das ist deutlich schlechter als Analysten erwartet hatten. Grund für die miserablen Zahlen ist das Investmentbanking.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In dieser Sparte sanken die Erträge im Gesamtjahr um mehr als eine Milliarde auf rund 13 Milliarden Euro. Trotzdem bleibt das Investmentbanking der mit Abstand wichtigste Geschäftszweig der Bank.

Wegen des stark rückläufigen Handels mit Anleihen und Devisen - allein im vierten Quartal sanken hier die Erträge um 23 Prozent - brach das Vorsteuerergebnis um über die Hälfte auf 530 Millionen Euro ein. Im vierten Quartal rutschte der Bereich sogar tief in die roten Zahlen und machte einen Verlust von 303 Millionen Euro.

Lichtblick Privat- und Firmenkunden

Auch in der Vermögensverwaltung lief es nicht rund. Hier halbierte sich das Ergebnis im Gesamtjahr 2018 von 732 auf 367 Millionen Euro. Grund sind rückläufige Erträge wegen der Nettoabflüsse. Die erreichten allein im vierten Quartal sieben Milliarden Euro.

Einziger Lichtblick ist das Privat- und Firmenkundengeschäft, in dem auch die Postbank enthalten ist. Hier konnten die Erträge stabil gehalten werden. Auf Jahressicht legte das Ergebnis sogar kräftig zu auf 829 Millionen Euro, nach 465 Millionen im Vorjahr. Grund ist das Wachstum bei Konsumenten- und Immobilienfinanzierungen. Dadurch wurde der Druck durch die anhaltend niedrigen Zinsen ausgeglichen. Allerdings ging auch hier das Geschäft mit vermögenden Kunden zurück.

Hoffen auf 2019

Für das laufende Jahr ist Sewing optimistisch: "Wir werden 2019 die Kosten weiter senken und gleichzeitig in Wachstum investieren. So werden wir unsere Profitabilität auch über das laufende Jahr hinaus substanziell steigern."

Die Aktionäre sollen eine stabile Dividende von elf Cent je Aktie bekommen. Die Anleger reagieren zunächst erfreut auf die Zahlen. Doch die anfängliche Erleichterung ist nur von kurzer Dauer. Zu Beginn des regulären Handels dreht die Aktie ins Minus und ist mit einem Verlust von über drei Prozent der schwächste Wert im Leitindex Dax.

Nach Einschätzung von zwei mit der Situation der Deutschen Bank vertrauten Personen wird eine Fusion des größten heimischen Instituts mit einer anderen Bank - sei es die Commerzbank oder ein europäisches Geldhaus - immer wahrscheinlicher und dringlicher. Vor wenigen Monaten noch habe man gedacht, die Banken hätten mehr Zeit, ihre Hausaufgaben zu machen. Das werde jetzt nicht mehr so gesehen. Die Entscheidung müsse schneller fallen.

Zu einer möglichen Fusion seines Hauses mit einer anderen Bank wollte sich Sewing nicht direkt äußern. Er habe einen Plan für die Bank, den er konsequent abarbeite. "Und über den Rest spekulieren wir nicht und kommentieren das nicht." Er könne auch keinen politischen Druck ausmachen, sagte er dem Nachrichtensender n-tv: "Ich fühle das nicht. Und es ist auch kein Eingreifen." Er freue sich, "dass wir ein Finanzministerium haben, das sich um den Finanzstandort Deutschland wirklich kümmert - sich Gedanken macht. Denn die Bankenindustrie ist enorm wichtig, insbesondere für die deutsche Wirtschaft."

ME/lg