Türme der Deutsche Bank und Commerzbank
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Deutsche-Bank-Aktie wieder auf Talfahrt Will die Bundesregierung eine schnelle Bankenfusion?

Stand: 08.02.2019, 16:20 Uhr

Eigentlich ist Zwangsheirat in Deutschland verboten. Doch Bundesfinanzminister Olaf Scholz will offenbar unbedingt eine Ehe zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank arrangieren - noch vor der Europawahl, heißt es in der Presse. Scholz dementiert offiziell. Alles nur heiße Luft?

Seit Wochen geistern Spekulationen über eine innerdeutsche Banken-Fusion durch die Medien. Obwohl Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke von einer möglichen Annäherung nichts wissen wollen, halten sich die Ehe-Gerüchte hartnäckig. Nun hat die "Wirtschaftswoche" sie erneut angeheizt.

Entscheidung vor der Europawahl?

Laut dem Magazin will die Bundesregierung bereits bis zur Europawahl im Mai eine Vorentscheidung über eine Fusion der beiden Geldinstitute. "Wenn es bis dahin keine Einigung gibt, ist das Thema durch", zitiert die "Wirtschaftswoche" einen anonymen Insider. Nach der Wahl seien die zuständigen Stellen in Berlin und Brüssel erst mal länger mit sich selbst beschäftigt. Die Unterstützung der EU wäre jedoch erforderlich für die innerdeutsche Banken-Fusion.

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Deshalb erhöht die Regierung derzeit den Druck, damit es möglichst schnell zu einer Entscheidung kommt. "Finanzminister Scholz und seine Berater wollen die Fusion unbedingt", zitiert das Blatt "informierte Kreise". In vertraulichen Gesprächen solle nun erreicht werden, dass sich die beiden Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank - Christian Sewing und Martin Zielke - die Hand reichen.

Weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank wollten den Artikel kommentieren. Tatsächlich aber zieren sich die beiden Top-Banker. Auf Konferenzen reden sie zwar von der Notwendigkeit einer europäischen Konsolidierung in der Branche, halten aber von einem Zusammenschluss der beiden Institute wenig und betonen ihre Eigenständigkeit.

Sewing: "Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen!"

Auf der Bilanzpressekonferenz vor einer Woche wollte Deutsche-Bank-Chef Sewing zu den Fusionsspekulationen keine Stellung nehmen. "Ich habe letztes Jahr gesagt, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen, da sind wir gut dabei, und darauf konzentrieren wir uns", sagte Sewing. "Über alles andere mache ich mir keine Gedanken. Wir beteiligen uns an diesen Spekulationen nicht."

In den Medien wird dennoch weiter über eine Ehe der "Blauen" und der "Gelben" spekuliert. Wie diese gelingen könnte, skizziert die "Wirtschaftswoche". Da für eine Fusion möglicherweise Garantien des Staates nötig sein könnten, müsste eventuell eine neue Abbaubank ("Bad Bank") geschaffen werden. Dann könnte ein neues Institut quasi ohne Altlasten gegründet werden. Der Bund hält gut 15 Prozent an der Commerzbank.

Scholz dementiert Diskussion über Bad Bank

Am Freitagvormittag ließ Bundesfinanzminister Scholz die Spekulationen dementieren. Es gebe keine Diskussion über eine Bad Bank für die Deutsche Bank und die Commerzbank. Solche Berichte seien pure Spekulationen, sagte er auf einer Konferenz in London. "Die Wahrheit ist, dass wir die Entwicklung im Bankensektor diskutieren, das ist die Aufgabe unserer Regierung."

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Beide Geldhäuser würden derzeit versuchen, wieder genug Profit zu machen. "Wir diskutieren mit ihnen über die Lage der Bankenindustrie in Deutschland." Man spreche auch über die Situation bei einzelnen Häusern, um in der Lage zu sein, die nötigen Dinge zu tun, "für den Fall, dass etwas getan werden muss". "Es ist wichtig einen starken Bankensektor zu haben, um das tun zu können, was nationale Champions tun können."

Beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse am Donnerstagabend hielt sich der Bundesfinanzminister mit Kommentaren zu möglichen Fusionsideen der beiden großen deutschen Geldinstitute zurück. Er deutete lediglich an, dass eine Finanzindustrie gebraucht werde, die große Unternehmen weltweit begleiten kann. Deutlich klarer appellierte Scholz an die versammelte Finanz-Community, sich auf einen harten Brexit einzustellen.

Deal käme Deutsche Bank teuer zu stehen

Die Aktien der Deutschen Bank verlieren am Freitag über drei Prozent und nähern sich ihrem Rekordtief. Mit den nicht abreißenden Berichten über eine mögliche Ehe zwischen den beiden Geldinstituten rücken die operativen Probleme der Deutschen Bank immer wieder in den Fokus des Marktes, sagte ein Händler. Hinzu komme, dass die kolportierte Fusion faktisch eine Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank wäre - und die Deutsche Bank folglich teuer zu stehen kommen könnte. Umgekehrt steigen die Aktien der Commerzbank zeitweise um fast zwei Prozent. Am Nachmittag drehen sie leicht ins Minus.

nb